Herr Benz, der erste Post auf Ihrer Facebookseite, der das Wort „Corona“ enthält, datiert auf den 27. Februar, davor stand Fasnacht im Mittelpunkt. Wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Es war eine extrem intensive Zeit. Vor zwei, drei Wochen war das noch weit weg, man wusste von Wuhan, dann wurden die ersten Fälle in Italien gemeldet. Von der Bedeutung her wurde es immer größer.

Und unübersichtlicher. Den Verlauf kann man auf Ihrer Facebookseite nachvollziehen, Posts haben Sie auch schon mal um 23.45 Uhr oder sogar 1.27 Uhr abgesetzt. Warum haben Sie sich für diese Offensive entschieden und dabei auch nicht an Manöverkritik gespart?

Eben weil es bis Freitag keine einheitliche Linie von Bund und Land gab – das hat auch für Verunsicherung und Ängste bei den Bürgern gesorgt. Die Verordnungen und deren Änderungen erreichten uns meistens nachts per Mail vom Städtetag und sollten schon am Folgetag gelten. Zum Teil waren die Verordnungen auch schlecht gemacht, hatten Fehler, die wieder korrigiert werden mussten. Wir auf kommunaler Ebene sollten das umsetzen. Und so kam es auch zu aberwitzigen Situationen: Während wir im Krisenstab – den wir vor rund zweieinhalb Wochen gegründet haben – darüber diskutierten, ob ein Mini-Handball-Turnier bei uns stattfinden darf, spielte die Bundesliga noch vor 70.000 Zuschauern.

Was hätten Sie sich gewünscht?

Wenn die Krise ausgestanden ist, wird es eine Manöverkritik geben müssen, das ist klar. Wir – und das trifft bestimmt auch auf viele andere Kollegen zu – haben uns oft allein gelassen gefühlt, weil es keine klare Handreichung gab. Auch heute hat mich das beschäftigt: Wir vor Ort müssen dafür Sorge tragen, dass Beerdigungen pietätvoll abgehalten werden können, aber laut neuer Verordnung mit maximal zehn Leuten. Dass zur gleichen Zeit am Samstag 150 Leute gleichzeitig im Baumarkt stehen, ist nicht vermittelbar.

Was ist für Sie der Vorteil an dem sozialen Netzwerk Facebook im Gegensatz zu anderen Kanälen?

Ich habe das ja schon vor der Krise genutzt, um ganz niederschwellig Menschen zu erreichen, an die wir über die klassischen Kanäle – Tageszeitung, Gemeindeblatt oder Homepage – nicht herankommen. Außerdem kann ich in Interaktion treten und direkt auf Fragen antworten. Oder Gerüchte aus der Welt räumen, von denen es ja leider auch einige gibt und gab.

Die Coronakrise offenbart auch, dass Menschen, die digital affin sind, keine Probleme haben, schnell an Informationen zu kommen. Wie wollen Sie es schaffen, dass sich die älteren Bürger nicht abgehängt fühlen?

Das ist in der Tat eine Herausforderung. Wir haben am Freitag eine Sonder-Vollabdeckung des Gemeindeblatts gemacht. Jeder Haushalt hat rund zehn Sonderseiten zum Thema Corona bekommen, mit nützlichen Informationen. Auch wenn die Rathäuser geschlossen sind, sind unsere Ämter und Mitarbeiter da. Aber Sie haben recht, diejenigen, die viel im Netz unterwegs sind, haben bestimmt einen Vorteil.

Zum Beispiel, dass sie Sie an einem Dienstagabend live auf Facebook sprechen konnten. Wie kam es zu der Idee?

Auch dieses Format wollte ich vor Corona schon mal ausprobieren. Jetzt, da meine Bürgersprechstunde nicht stattfinden kann, passt das natürlich. Es ist eine weitere Möglichkeit, zu zeigen: Wir sind trotzdem da. Denn auch, wenn ich 80 Prozent meiner Beiträge auf Facebook selbst verfasse, ist die gesamte Verwaltung natürlich stark eingebunden.

Wie sehr hat sich Ihre Mediennutzung verändert in den vergangenen vier Wochen?

In Stunden ausrechnen kann ich das nicht. Aber es ist sicher mehr geworden. Denn das Smartphone lege ich eigentlich gar nicht mehr aus der Hand.

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