Grenzach-Wyhlen – Die Kräfteverhältnisse am Ratstisch in Grenzach-Wyhlen verschieben sich: Grüne und Freie Wähler gewinnen je einen Sitz, CDU und SPD verlieren einen. Nur die FDP bleibt gleich.

„Für uns ist das Ergebnis wirklich bitter“, sagt Ulrike Ebi-Kuhn (CDU), die im Zehnthaus auf das Ende der Auszählung wartete (siehe Seite 22). Die Christdemokraten verlieren im Vergleich zur letzten Wahl drei Prozentpunkte und landen bei 22,75 Prozent. Künftig werden sie so mit fünf statt sechs Sitzen am Ratstisch vertreten sein – und sind nicht mehr stärkste Kraft. „Wir haben es nicht geschafft, die jungen Menschen anzusprechen“, lautet Ebi-Kuhns erstes Fazit. Schlecht findet sie auch, dass sie nun wieder die einzige Frau in der Fraktion ist, für Renate Sammet-Grether hat es nicht gereicht. Und auch nicht für Walter Schwarz, der mehr als 30 Jahre lang Teil des Gremiums war. Der trug‘s mit Fassung. Fassungslos – aber vor Glück – sind am Montagmittag die Grünen. Sie gewinnen die Wahl nach Prozenten, holen sich insgesamt 28 302 Stimmen (24,22 Prozent) – und einen Sitz mehr. „Wir freuen uns sehr“, sagt Ingrid Fränkle. Zwar habe sie gehofft, dass es so kommen würde, aber mit Gewissheit konnte sie es nicht sagen. „Die Flasche Sekt zum Anstoßen steht im Kühlschrank bereit“, so Fränkle. Annette Grether darf sich gleich dreifach als Siegerin fühlen – sie bleibt Gemeinde- und wohl auch Kreistagsrätin und wird mit 4126 Stimmen sogar Stimmenkönigin von Grenzach-Wyhlen.

Apropos – das hätte fast auch Carola Lambelet für die Freien Wähler geschafft. Denn bis um kurz nach 17 Uhr endlich der letzte von 17 Wahlbezirken ausgezählt war, stand die Neueinsteigerin an erster Stelle. Erst die letzten Briefwahlstimmen aus Wyhlen brachten den Umschwung und Peter Weber konnte mit 3400 Stimmen an ihr vorbeiziehen. Dennoch: „Das ist eine Riesenfreude“, so Lambelet. Die vielen Stimmen seien ein Vertrauensbeweis verpflichteten sie dazu, künftig zum Wohle der Bürger zu handeln.

Freude – die muss man in den ersten Stunden nach Ergebnisverkündigung bei den Liberalen suchen. „Wir haben unsere Wahlziele nicht erreicht“, resümiert Tilo Levante, der zwar mit 2293 Stimmen ein beachtliches Einzelergebnis vorweisen kann; aber den sicher erwarteten vierten oder sogar erhofften fünften Sitz kann die FDP nicht erreichen. Sehr traurig sei das Abschneiden für die jungen Kandidaten und die Frauen. „Die haben tollen, engagierten Wahlkampf gemacht“, so Levante. Manche Einzelergebnisse anderer Ortsvereine habe man „irritiert“ zur Kenntnis genommen und im Ortsverband frage man sich, was man falsch gemacht habe. Immerhin: Im Vergleich zu 2014 legt die FDP wieder zu, auf 15,72 Prozent.

Und damit ist sie ganz schön nah an die SPD gerückt, die von 23,5 Prozent auf 16,98 Prozent gefallen ist und einen Sitz abgeben muss. Die Fraktion wird künftig aus Heinz und Leon Intveen als erfahrene Gemeinderäte und Marianne Müller sowie Katja Schäfer als Newcomerinnen bestehen. „Das freut mich bei aller Enttäuschung sehr, wir haben gute Einzelergebnisse bekommen“, so Intveen senior. Außerdem sei nun das Geschlechterverhältnis in der Fraktion ausgeglichen.

Bürgermeister Tobias Benz verfolgte die Auszählung im Zehnthaus auch. „Das ist schon spannend“, sagte er, noch bevor das endgültige Ergebnis feststand. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Gremium.

Wann sich dieses zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenfindet, steht noch nicht fest. „Das hängt mit der Prüfung des Gemeindewahlausschusses zusammen“, so Benz. Er hofft, dass es noch vor der Sommerpause möglich ist. Denn: Die Aufgaben für das 22-köpfige Gremium sind gewaltig.