Grenzach-Wyhlen Zimmermann-Gegner untermauern ihre Position

Großer Andrang herrscht bei der ersten Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Zukunftsforum. Der Rathauschef erntet Applaus

Die Bürgerinitiative Zukunftsforum hatte am Abend vor dem Erörterungstermin zu ihrer ersten öffentlichen Veranstaltung ins evangelische Gemeindehaus Grenzach geladen – und die Interessierten kamen trotz Fußballs in Strömen. Gut 150 Menschen sorgten für ein volles Haus. Darunter war auch Bürgermeister Jörg Lutz, der spontanen Beifall erhielt, weil er sich auf eine Veränderungssperre für das BASF-Areal einstellt.

Mit Manfred Mutter, dem Schweizer Altlastenexperten Martin Forter, Grünen-Gemeinderat Günter Holl, BUND-Vorsitzender Herwig Eggers und Yvonne Weber von der Bürgerinitiative waren fünf Referenten aufgeboten, dazu gab es Musik mit „The Recyclers“, Häppchen, Kuchen, Wasser und Wein.

Manfred Mutter, Professor der Chemie hält den Entsorger für die falsche Firma zur falschen Zeit am falschen Ort. Er schilderte nicht nur seinen Besuch bei der Firma Zimmermann und die Gespräche mit Bürgerinitiativen in Gütersloh, sondern ging insbesondere auch auf die Argumente von Zimmermann-Befürwortern ein, indem er den Spieß umdrehte und Fragen stellte: Trägt Zimmermann zur Erhaltung der Industrie bei? Lebt die Gemeinde von Zimmermann, der eine kleine Wertschöpfung bringe, nie mehr als 15 Arbeitsplätze haben werde, dafür aber große Expansionspläne? Müllentsorgung sei notwendig, „aber stimmt die Ökologie auch bei großen Transportwegen?“ Weil er alle Fragen mit Nein beantwortete, kommt er zu dem Schluss: „Wir brauchen diese Firma nicht.“ Falls Zimmermann aber doch komme, brauche es eine wache Bürgerinitiative, die die Firma kontrolliere, „auf die Behörden ist kein Verlass“. Einmal vor Ort sei Zimmermann „nicht zu bremsen“.

Die Spezialität sei die Entsorgung der giftigsten Stoffe. Dazu setze Zimmermann die teuersten Lastwagen ein – allerdings nicht in Grenzach-Wyhlen, dort übernehme ein Subunternehmer mit ganz anderen Lastwagen die Transporte, nahm Mutter Bezug auf Firmenaussagen. Den Begriff „sichere Entsorgung“ zu gebrauchen, sei somit eine Unverschämtheit.

Martin Forter, Altlastenexperte, der sich seit 25 Jahren mit den Deponien der Region befasst, geht davon aus, dass für Zimmermann die Kläranlage der BASF der zentrale Punkt für die Ansiedlung ist. Die verbliebene Produktion bringe viel zu wenig Abwasser, dies müsse Zimmermann liefern, was dieser gerne tue. Als Konsequenz sieht Forter, dass sich damit die Altlastensituation auf dem Gelände verfestigt. Der BASF-Teil der Kesslergrube könne nicht ordentlich saniert werden, weil dort die Kläranlage untergebracht ist. Auf Nachfrage ging Forter auch darauf ein, wie BASF zur Sanierung des Areals gezwungen werden kann: Auf die Behörden zu setzen reiche nicht, weil diese nach seiner Erfahrung die „Vielfalt der Schadstoffe nicht zur Kenntnis nehmen“. Es brauche öffentlichen Druck und gute Juristen. Für die Sanierung des gesamten Areals geht Forter von Kosten von insgesamt 500 Millionen Euro aus.

Bürgermeister Jörg Lutz meldete sich aus dem Publikum zu Wort. Er geht von einer Veränderungssperre aus, wenn BASF geht, wofür mittlerweile mehr spricht als dagegen – und erntete spontanen Applaus. Konsequent sei, dass auf das Areal keine Industrie mehr angesiedelt werden kann. Er sehe die große Gefahr einer Industriebrache, dies sei dann Aufgabe für kommende Generationen. Günther Holl informierte über die Umgehungsstraße und plädierte für eine Tunnellösung entlang der Bahn in Wyhlen. Herwig Eggers appellierte an die Bevölkerung, sich einzubringen, Yvonne Weber betonte, dass die BI zusammen mit der Gemeinde die Sanierung voranbringen wolle, um der „Perle“ am Rhein wieder zu Glanz zu verhelfen.

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