Grenzach-Wyhlen Zeitzeugen erinnern sich bei Buchvorstellung

Verein für Heimatgeschichte präsentiert Dorffotobuch Wyhlen 1944 im Gemeindehaus. Bürgermeister lobt aufwendige Arbeit

Eine Zeitreise in das ländliche Wyhlen vor 70 Jahren erlebten die am Montagabend im katholischen Gemeindesaal versammelten Gäste, die das Erscheinen des Buches „Wyhlen 1944“ durch den Verein für Heimatgeschichte bei einem Gläschen Wein feierten.

Helmut Bauckner begrüßte unter den Gästen neben Bürgermeister Lutz und Gattin, zahlreiche Vereinsförderer, darunter Ewald Kaiser (79), der im Buch auf einem Foto abgebildet ist, wie er in kurzen Hosen, Kniestrümpfen und einer lässig getragenen Peitsche ein Ochsenfuhrwerk durch die Baumgartenstraße führt. Für eine aparte musikalische Umrahmung sorgte Ulli Pfleiderer auf der Gitarre und Bürgermeister Lutz lobte: „Es ist ein Glücksfall, dass wir dieses Buch besitzen.“ Helmut Bauckner dankte all den Mitwirkenden, die geholfen hatten, das Dorfbildbuch von 1944 herauszugeben: „Es war so viel Arbeit, die über 100 Bilder einzuscannen.“ Ewald Kaiser, der auch half, die Buchtexte zu überarbeiten, meinte: „Das Buch ist mit seinen Ochsenfuhrwerken und Bauernkinderaufnahmen ein wunderbares Zeitdokument von 1944, denn viele der Bauernhäuser stehen heute nicht mehr und etliche der Menschen sind verstorben.“

Kaiser erinnert sich an die fehlgeschlagene Bombardierung des Wyhlener Stauwehrs, als der englische Pilot stattdessen seine Bomben auf einen fahrenden Schweizer Zug warf, was etliche Menschen das Leben kostete: „Er landete angeschossen in Birsfelden auf dem Sternenfeld.

Das eigens auf dem Stauwehr gegen Luftangriffe installierte Flak-Geschütz hatte seine Maschine getroffen, aber auf deutschem Boden zu landen, hatte er wohlweislich vermieden.“ Kaiser kann sich auch gut an das Sirenengeheul des häufigen Fliegeralarms erinnern. Häuser wurden aber durch die zahlreichen Anflüge amerikanischer und englischer Piloten nicht zerstört: „Wir flohen immer in den Luftschutzkeller unter dem Schulhaus.“

Am 24. April 1945 kamen drei französische Panzer über den Rührberg die Klosterstraße hinunter, wie Kaiser berichtet. Russische Gefangene hatten zuvor bei der Klostermühle eine vier Meter tiefe, mit Sprengladungen versehene Panzersperre gebaut. Aber sie war zum Glück nicht geschlossen worden, als die Panzer anrollten. Im Ochsensaal hatte sich das Gefangenenlager befunden. Die Russen wurden im Eisenbau und im Steinbruch zur Arbeit gezwungen. Am Samstag holten die Bauern die Gefangenen als Erntehelfer auf ihre Felder. Zu Kriegsende wurden zehn leitende Nazis von den Franzosen verhaftet und über die Klosterstraße nach Lörrach abgeführt. Etliche wurden daraufhin mit Zwangsarbeit belegt.

Helga Lutz, geborene Schlachter (70), findet das Buch wie auch die Homepage von Kurt Paulus (www.zeitzeugengw.de), die historische Fotos aus Grenzach-Wyhlen sammelt, spannend: „Ich wurde geboren, weil es dadurch mehr Lebensmittelmarken gab.“ Margaret Mutter (80) erinnert sich gerne anhand des „Dorffotobuches“ an das Wyhlen von einst: „Es war eine armselige Zeit. Ich war 15 und immer kamen wieder Todesnachrichten von den jungen, mit 18 an der Kriegsfront eingezogenen Soldaten. Jeder kannte jeden im Dorf. Und wenn eine Todesnachricht kam, war das sehr traurig.“ Ihr Vater war Maler und die Familie lebte vom Gemüsegarten, wie sich die rüstige Frau erinnert, die lange im Mühlegebäude in Wyhlen lebte.

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