Grenzach-Wyhlen – 1919 wurde in der Weimarer Republik der Grundstein für die Volkshochschulen gelegt. Dieses Jubiläum feiern die Bildungseinrichtungen heuer, auch in dem Bewusstsein, sich stets gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt zu haben und Spiegel gewesen zu sein.

So begreift auch VHS-Leiter Henning Kurz seinen Auftrag, der gemeinsam mit Melanie Penninggers nun das Jahresprogramm 19/20 vorgestellt hat. Dem veränderten Nutzerverhalten wird dabei Rechnung getragen. Auf der Homepage ist das neue Programm schon seit einigen Wochen zu finden. Und obwohl die allermeisten Menschen ihr Kurse online buchen, legt die VHS weiterhin Wert auf ein gedrucktes Programm, obwohl dieses hohe Kosten verursacht.

Rund 3500 Exemplare lässt Kurz jedes Jahr drucken, ausgelegt werden sie an verschiedenen Orten in der Gemeinde. „Und sie sind immer weg“, sagt Kurz. „Ich denke, dass die Printausgabe zu einem Schnuppermedium geworden ist und von der Homepage als Informationsmedium abgelöst wurde.“ Das Anmeldeverhalten habe sich stark verändert und nur sehr selten landen die ausgeschnittenen Anmeldeformulare noch im Briefkasten der VHS. Seit dem Relaunch vor einem Jahr sei der Onlineauftritt noch übersichtlicher und das Warenkorbprinzip – ähnlich wie bei großen Onlineshops – komme gut an. „Unser Ziel ist, dass die Kunden nur wenige Klicks brauchen, um Angebote zu buchen.“ Und davon gibt‘s wieder reichlich.

Als „Standbein“ bezeichnet Kurz die laufenden Kurse in den Bereichen Gesundheit, Sprache oder Kreativität. Das „Spielbein“ seien die Einzelveranstaltungen und Workshops, die seit Jahren immer höhere Nachfrage generieren. Dazu zählen Kulturveranstaltungen ebenso wie Kurse, die nur einen Samstag in Anspruch nehmen, wie eine Schneeschuhwanderung oder ein spezieller Kochkurs. Erfolgreiche Formate wie Talk im Tiz sollen ebenfalls weitergeführt werden. „Wir bringen die Menschen zusammen, schaffen Raum für Begegnung“, so Kurz. Das sei gerade in einer Gemeinde wie Grenzach-Wyhlen mit hoher Fluktuation wichtig. „Wo lernt man denn noch Menschen kennen, wenn man mit 40 an einen neuen Ort zieht?“ Doch auch die älteren Semester werden nicht vergessen. Der Seniorensommer, erstmals von VHS und Gemeinde veranstaltet, scheint einen Nerv zu treffen (wir berichten noch). Am Montag zum Beispiel gab‘s Seniorenkino. „Ich habe gesagt: Wenn zehn Menschen kommen, lass‘ ich Champagnerkorken knallen“, sagt Kurz. Es kamen 20 ins Haus der Begegnung, um sich die Neuverfilmung von „Heidi“ anzusehen. Andere Projekte brauchen indes noch etwas Zeit oder einen neuen Anschub. Die „Reise durchs Wohnzimmer“ gehört dazu, die Melanie Penninggers federführend organisiert. Die Idee: Menschen aus unterschiedlichen Kulturen laden andere zu sich ein, und erzählen etwas über ihr Land. „Das Interesse war groß, die Hemmschwelle, Fremde zu sich einzuladen, aber auch“, so Penninggers. Nun wolle man das Format im Zehnthaus weiterführen.

Das Jubiläum

Als kleine Volkshochschule wird sich Grenzach-Wyhlen nicht an der „Langen Nacht der Volkshochschulen“ am 20. September beteiligen, die bundesweit begangen wird. Die eigene Geschichte aber haben Kurz und Penninggers immer vor Augen – buchstäblich. Denn im großen Konferenzraum steht ein Regal, mit allen Programmheften, seit es die Volkshochschule gibt. Das erste Heft datiert auf 1972/73 – davor gab es in Wyhlen und in Grenzach getrennte Volksbildungswerke. Daraus entstand die VHS Grenzach und Wyhlen mit Herten. „Später wurde die VHS Hochrhein daraus“, sagt Kurz. Erst vor elf Jahren – als er Leiter wurde – sei der Name geändert worden. „Das ist ja auch irreführend, da müssten wir ja von Konstanz bis Basel tätig sein.“ Ein Blick in die schmale Broschüre beweist: Was in den 70er Jahren angesagt war, ist es mit Abwandlung manchmal auch heute noch. Einen „Kochabend für den Herrn“ gab‘s vor 47 Jahren, heute heißt das „Talk am Topf – Männer an den Herd“.

Die Gebühren

Umsonst war die VHS nie, aber der Anspruch ist geblieben, Bildung für alle anzubieten, also auch für jeden Geldbeutel. Über die von der Gemeinde vorgenommene Gebührenanpassung sagt Kurz: „Wir sind eine kommunale Bildungseinrichtung und müssen diese Entscheidung hinnehmen.“ Wie berichtet, steigen die Kosten pro Unterrichtseinheit um einen Euro. Dies hat der Gemeinderat im März beschlossen. Der Eigenfinanzierungsanteil der VHS Grenzach-Wyhlen liegt übrigens bei rund 70 Prozent. „Der Bundesdurchschnitt liegt bei 40 Prozent“, erklärt Kurz. Daraus lasse sich ableiten, dass die Bürger viel für die Angebote zahlen.

Infos im Internet:
www.vhs -gw.de