Grenzach-Wyhlen – Müde, aber glücklich – so dürften sich die jungen Mitglieder der Musical-Company gefühlt haben, als sie am späten Dienstagabend wieder zuhause angetroffen waren. Hinter ihnen liegen nun zehn intensive Tage in Russland, wo sie gemeinsam mit einem Ensemble geprobt, auf der Bühne gestanden und natürlich viel von Land und Leuten gesehen haben. Ein bisschen müde, aber glücklich, klang Projektleiterin Ulrike Vogt am Mittwochmorgen. „Es war eine wunderbare Erfahrung.“

Vom Moment der Landung an, so Vogt, seien die Schüler und ihre Betreuer von den russischen Organisatoren und Austauschpartnern mit offenen Armen und sehr herzlich begrüßt worden. „Das Tollste war zu sehen, wie gut sich die Gruppe zusammengefügt und kommuniziert hat, auch ohne die jeweilige Sprache zu sprechen.“ Musik komme eben ohne Worte aus, das sei deutlich geworden. „Und zum Glück gibt‘s ja Google Translate“, so Vogt lachend. Mit diesem digitalen Wörterbuch konnten etwaige Sprachbarrieren aus der Welt geräumt werden. Dass Musik auch ein Mittel sein kann, Frieden zu stiften, darauf zielt das Projekt ab, wie Thomas Vogt –Leiter der Musical-Company – unlängst gegenüber dieser Zeitung erklärt hatte. Wie berichtet, hatte ihn das immer schlechter werdende Verhältnis zwischen Deutschland und Russland schon länger umgetrieben. Gepaart mit dem Wunsch der Jugendlichen, nach den Aufführungen in der Gemeinde auf Tournee zu gehen, entstand so die Idee für das internationale Projekt. „Und es hat alles sehr gut geklappt“, schildert Ulrike Vogt nach der Heimkehr. Die ersten vier Tage stand intensive Probenarbeit mit dem russischen Ensemble Premier an. „

Da gab es keine Unsicherheiten, auch, weil wir jeweils eigene Stücke aus unserem Repertoire mitgebracht haben. Die saßen ja fest“, schildert Vogt. Zur Vorbereitung der russischen Stücke, bei denen die deutschen Schüler teilweise mitgewirkt hatten, wurden die Texte in Lautschrift transkribiert. Insgesamt kamen 17 Stücke auf die Bühne, umrahmt von einer kleinen Liebesgeschichte, in der sich eine Deutsche in einen Russen verliebt. Nach der ersten Aufführung in Twer ging‘s für die Gruppe der deutschen Schüler nach Moskau, wo auch der kulturelle Aspekt des Austauschs nicht zu kurz kam. Das russische Ensemble reise einige Tage später hinterher und gemeinsam gab es einen weiteren Auftritt in der renommierten Gnessin-Musikhochschule.

Das Projekt hat im Vorfeld bereits viel Aufmerksamkeit und Unterstützung erfahren und auch vor Ort war diese laut Vogt spürbar. Bei der Aufführung in Moskau war etwa die Deutsche Botschaft mit Kulturattaché Jan Kantorczyk und dem ehemaligen deutschen Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch vertreten. Auch das russische Fernsehen berichtete. LMG-Direktor Frank Schührer und Bürgermeister Tobias Benz reisten ebenfalls nach Russland und waren nachhaltig beeindruckt. Wie schnell die beiden Gruppen zusammengefunden haben, das war toll zu sehen“, so Schührer. Nicht nur menschlich, sondern auch fachlich hätten beide Seiten profitiert, ist Vogt überzeugt. „Das russische Ensemble hat den Fokus auf Choreographie, während unsere Schüler wirklich sehr gut singen.“ So habe sich das ganz prima ergänzt.

Am Tag des Abschieds hätten sich die Schüler „in den Armen gelegen“. Grund zur Traurigkeit gibt‘s aber nicht, denn bereits am 23. Oktober kommt das Ensemble aus Twer in die Gemeinde und bleibt bis zum 2. November. Geplant sind Konzerte unter anderem in Lörrach und Stuttgart. Vogt ist sich sicher: Auch nach diesem Gegenbesuch wird der Kontakt nicht abreißen. Diesem Wunsch schlossen sich auch die offiziellen Stellen an – auf beiden Seiten.