Grenzach-Wyhlen – Im Dezember haben 4196 Menschen aus der Doppelgemeinde Post von der Seniorenbeauftragten Ilona Fritz-Schild bekommen – alles Einwohner, die 60 Jahre oder älter sind. Fritz-Schild wollte von ihnen wissen, wie ihre aktuelle Lebenssituation ist, ob und wie sie planen sich zu verändern, welche Bedürfnisse aber auch Fähigkeiten sie haben. 1091 haben sich an der Umfrage beteiligt, die Auswertung stellte Fritz-Schild am Dienstag dem Hauptausschuss vor.

„Ein Rücklauf von 27 Prozent ist ein sehr gutes Ergebnis“, schickte Fritz-Schild voraus. Ebenfalls positiv sei, dass sich nicht nur Frauen (55 Prozent), sondern auch sehr viele Männer (43 Prozent) an der Umfrage beteiligt hatten. Die Reaktionen waren fast durchgehenden positiv. Lediglich aus der Gruppe der 60- bis 65-Jährigen gab’s die ein’ oder andere beleidigte Reaktion, weil man nicht als Senior bezeichnet werde wollte. Aber: Es gab auch Rückmeldung, dass nach der ersten Irritation ein Nachdenken über die eigene Lebenssituation stattgefunden hat und wie sie in zehn Jahren aussehen könnte. „Genau diese Auseinandersetzung wollten wir erreichen“, so Fritz-Schild.

Wohnsituation: Die meisten Menschen ab 60 Jahren leben in der Gemeinde mit einem Partner in Eigentum oder zur Miete. Alleinlebend sind von den Senioren, die geantwortet haben, knapp 40 Prozent, die Mehrzahl davon Frauen. Einen interessanten Rückschluss auf künftige Aufgaben der Gemeinde gibt die Frage nach dem Veränderungswillen in fünf oder zehn Jahren. „Der altersgerechte Umbau des Eigenheims spielt kaum eine Rolle“, so Fritz-Schild. Stattdessen interessieren sich die meisten für den Umzug in eine altersgerechte Wohnung, in eine betreute oder alternative Wohnform, wie ein Mehrgenerationenhaus. „Hier gibt es viele Modelle, die eine Kommune verfolgen kann“, so Fritz-Schild. Sie plant eine Exkursion mit dem künftigen Seniorenrat zu einem Mehrgenerationenhaus in Markdorf am Bodensee. Aber auch ein Wohnraumtausch könnte interessant sein. „Junge Familien mieten das Haus eines alleinstehenden Seniors, der mit dem Mieterlös eine kleinere Wohnung finanzieren kann“, schildert Fritz-Schild.

Mobilität: Die Frage nach der Mobilität zeigt eines deutlich: Je älter die Menschen sind, desto weniger häufig nutzen sie das Rad, sondern gehen zu Fuß oder steigen ins Auto. „Viele haben zurückgemeldet, dass sie sich unsicher fühlen, die Radwege nicht gut genug beleuchtet sind oder parkende Autos die Sicht einschränken.“ Daher zieht Fritz-Schild das Fazit: „Gerade für die älteste Gruppe sind fußläufige Nahversorgungsangebote sehr wichtig.“ Lob gab’s für den öffentlichen Nahverkehr, besonders für die Linie 38; jedoch wünschen sich viele günstigere Citytarife und eine Haltestelle beim Freibad.

Sicherheit: Die Senioren fühlen sich in der Gemeinde generell sicher – diese Einschätzung nimmt jedoch ab, je älter sie werden und nachts steigt die Unsicherheit. Auf die Frage, was die Gemeinde tun kann, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, kamen ganz unterschiedliche Anregungen: mehr Beleuchtung, mehr Tempo 30, mehr Polizeistreifen oder auch mehr Ruhebänke. „Gerade am Rhein fehlen diese.“

Alltagsunterstützung: Ein Schwerpunkt der kommunalen Seniorenarbeit ist auch der Aufbau beziehungsweise Erweiterung einer koordinierten Nachbarschaftshilfe, die es Menschen bis ins hohe Alter ermöglichen soll, möglichst selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben. Auch dafür bietet die Auswertung jede Menge Anregung. „Das größte Thema ist tatsächlich Reinigung des Hauses oder der Wohnung.“ Für Fritz-Schild überraschend: In der Umfrage wurden Besuchsdienste als wenig wichtig angeben. „Aber unter Anmerkungen und auch im persönlichen Gespräch habe ich das ganz häufig gehört.“

Fritz-Schild wird nun versuchen, Angebot und Nachfrage zusammen zu bekommen. Ein erster Schritt ist gemacht: Im Familientreff findet künftig das Café Lebenswert statt, in dem junge und alte Generation aufeinander treffen können. Über die weitere Arbeit und den künftigen Seniorenrat berichten wir noch.