Wer ein paar Kröten in der Tasche haben will, muss arbeiten gehen. Wer etwas in seiner Gemeinde verändern will, muss sich engagieren – zum Beispiel im Gemeinderat. Diese Erfahrung werden in der ersten Woche im September rund 75 Kinder machen. Sie beteiligen sich am Projekt „Stadt der Kinder“, das von Jugendreferat und Förderverein Kinder, Jugend und Kultur entwickelt wurde.

Die Idee liegt schon etliche Jahre in der gedanklichen Schublade von Josef Gyuricza. „Ich wollte das immer schon mal ausprobieren, der Geburtstag des Fördervereins bietet einen passenden Rahmen“, sagt der Leiter der Sozialabteilung.

Von der Idee zum fertigen Konzept hat es mehr als ein Jahr Vorlauf gebraucht. Federführend liegt die Organisation bei Mareike Stächelin (Jugendreferat) und Alexandra Pfeiffer (Förderverein). Zu Beginn hatten beide ein etwas mulmiges Gefühl, wie Pfeiffer bekennt. „Wir haben damit keine Erfahrung und wussten nicht genau, wie wir das aufziehen sollen.“ Deshalb sind sie bereits im vergangenen Jahr nach Schopfheim gefahren, wo ihre Kollegen ein solches Projekt schon länger organisieren. Dort werden sogar echte Häuser aus Holz gezimmert. Die Stadt der Kinder auf dem Gelände des Turnerbunds Wyhlen wird aus Zelten und Pavillons bestehen.

„Es gibt ein Café, ein Rathaus, eine Bank, ein Rathaus und eine Pressestelle“, erläutert Stächelin. Jeden morgen um 7.30 Uhr kommen die Kinder aufs Gelände, frühstücken gemeinsam und finden sich allmählich zurecht. Dann darf sich jedes aussuchen, wo es arbeiten möchte: Im Café, um das Mittagessen vorzubereiten, oder einen Kuchen für den Nachmittagskaffee zu backen. Im Kulturzentrum, um kleine Kunststücke zu basteln, welche die anderen Kinder dann kaufen können. Und zwar mit ihrem eigenen Geld.

Denn zum Konzept gehört auch, dass jedes Kind sich pro gearbeiteter Stunde zehn Kröten auszahlen lassen kann, die es dann wieder ausgeben darf, wofür es will. Spielerisch, so der pädagogische Gedanke, werden Kinder auch an den Wert von Geld beziehungsweise Arbeit herangeführt. Denn gezwungen wird kein Teilnehmer (mitmachen können Kinder von sechs bis zwölf Jahren) einer Tätigkeit nachzugehen. „Nur haben sie dann eben keine Kröten in der Tasche“, sagt Pfeiffer. Auch eine politische Komponente hat das Camp. „Am zweiten Tag werden wir einen Bürgermeister wählen und wenn es klappt, auch einen Gemeinderat.“ Außerdem wird es eine Stelle für Öffentlichkeits- und Pressearbeit geben. „Wir versuchen, eine kleine Radiosequenz zu gestalten und vielleicht auch eine Zeitung“, sagt Stächelin. Alles ganz ungezwungen und spielerisch. Schließlich hätten die Kinder Ferien, und sie sollen tun, worauf sie Lust haben.

Um die Betreuung von so vielen Kindern zu gewährleisten, braucht es viele Unterstützer. Elf Hauptamtliche sind im Einsatz, hinzu kommen sieben ältere Schüler. Auch die Pfadfinder springen ein und bauen eine Jurte auf, die Mitarbeiter des Werkhofs richten das Gelände. „Vom Turnerbund können wir die Infrastruktur nutzen“, erläutert Pfeiffer. Sie und Stächelin hoffen auf stabiles Wetter, weil sie sonst in die Halle umziehen müssen. „Das geht zwar auch, aber alles wäre viel beengter.“

Jeder Tag endet um 16 Uhr. Am Freitag dürfen sich auch die Eltern auf dem Gelände umschauen und es gibt ein kleines Abschiedsfest.

Eines aber wird es in der Stadt der Kinder aber nicht geben: Polizei. „Uns war schnell klar, dass dann nur noch Räuber und Gendarm gespielt wird“, sagt Pfeiffer lachend.