Eine Postkarte für 7500 Euro? Da mag sich mancher an den Kopf fassen und sagen: „Das kann doch gar nicht sein.“ Jochen Schwenk, stellvertretender Geschäftsführer des Auktionshauses Stade, sagt hingegen: „Doch, das kann sein.“ Den Käufer hat die Karte in der 38. Auktion des Grenzacher Postkartenauktionshauses sogar noch mehr gekostet, schließlich kommen auf den Verkaufspreis noch anteilig Provision und Steuern drauf, sodass am Ende etwa 10 000 Euro den Besitzer wechselten.

Und was für eine Karte ist das, die jemand für so besonders hält, dass er bereit ist, diesen Preis zu zahlen? Sebastian Kurtenacker, Sachverständiger im Auktionshaus Stade, erklärt, es handele sich um eine sehr besondere Karte. Sie sei vermutlich von Werner Graeff gemalt worden, einem deutschen Bildhauer, Maler, Grafiker, Fotograf und Erfinder, der von 1921 an am Bauhaus in Weimar studierte.

Handgezeichnet: Graeff, der 1901 in Vohwinkel-Sonnborn geboren wurde, wuchs in Berlin auf. Seine Frühwerke werden dem Impressionismus zugeordnet, erst nach 1919 wandte er sich den kubistischen Formen zu. Die Ansichtsseite der Karte ist mit „Drachenfest Weimar 1921“ beschriftet, sie zeigt dynamisch wirkende Drachen und Menschen. Die Rückseite ist im knappen Postkartenstil mit der Mitteilung versehen: „Es geht mir gerade im Aktsaal gut. Friedl und Max neulich im Schillerhaus getroffen. 6.10.21. Gruß Werner.“ Laut Kurtenacker ist die Karte handgezeichnet und ein Unikat, daher „etwas ganz Besonderes“.

Herausforderung für Postbote: Nach der Auktion geht es ans Verschicken der verkauften Karten. Viele Sammler leben im Osten Deutschlands, erzählt Schwenk, das sehe er an den Postleitzahlen auf den Briefen und Paketen, mit denen die ersteigerten Karten, Briefmarken, Münzen und Orden verschickt werden. An manchen Tagen gehen mehr als 250 Pakete mit Sammlungen und zudem viele Einschreiben aus dem Haus, da helfen die Stade-Mitarbeiter dem Postboten dann beim Tragen und hinterher „bekommt der Postbote noch einen Kaffee“, erzählt Kurtenacker lachend.Auch wenn das Auktionshaus Stade hier vor Ort recht unbekannt ist, ist es doch weltweit das führende Auktionshaus für Postkarten und Briefmarken. Kurtenacker sagt, wenn er Freunden erzähle, er arbeite beim „weltweit größten Auktionshaus für Postkarten“ dann staunten die immer nur, dass das nicht in einer Metropole wie Berlin oder Frankfurt sitze, sondern in Grenzach. Zum Jahreswechsel fand eine „sehr freundliche Übernahme“ eines anderen Auktionshauses statt, wie es Schwenk formuliert. Hartmut Raith, Inhaber des Auktionshauses Raith aus Langgöns (nördlich von Frankfurt am Main), wollte sich in den Ruhestand begeben, das Auktionshaus Stade nutzte die Chance und expandierte. Und nun ist das Grenzacher Auktionshaus das bedeutendste im Bereich der Postkarten und Briefmarken weltweit.Im Auktionshaus teilen sich etwa 30 Mitarbeiter 20 Vollzeitstellen, seit der Übernahme sind etwa 3,5 neue Stellen dazugekommen, berichtet Schwenk. Die bisher jährlichen drei Auktionen werden um eine vierte ergänzt. Und da nach der Auktion vor der Auktion ist, laufen die Vorbereitungen für die nächste Auktion am 6. Mai bereits auf Hochtouren.