Wer bei einer Schreinerei zuerst an eine gemütlich-verstaubte Werkstatt mit Hobel und Feilen denkt, wird bei einem Besuch der Firma Stöcklin & Schwab überrascht sein.

Die klassischen Schreinerwerkzeuge lassen sich in dem Grenzacher Unternehmen zwar durchaus finden, aber computergesteuerte CNC-Maschinen und 3-D-Drucker sind ebenfalls wichtige Arbeitsgeräte. Inhaber Michael Schwaab hat das Traditionsunternehmen zu einem international agierenden Hersteller exklusiver Möbel und Flugzeugausstattungen gemacht.

Hightech und Tradition

„Wichtig ist für mich auf den Wunsch des Kunden einzugehen. Alles muss so werden, wie der Kunde sich das vorstellt, denn sonst könnte er ja auch in Möbelhaus gehen“, sagt Schreinermeister Michael Schwaab. Die Firma war 1960 von Werner Stöcklin als kleine Schreinerei gegründet worden. Schwab hat die Geschäfte 1990 von seinem Onkel übernommen. Seither hat er den Betrieb stetig weiterentwickelt und die Produktpalette erweitert. Kerngeschäft ist der Innenausbau und das Anfertigen maßgeschneiderter Möbel nach Kundenwunsch. Hier mischt sich Hightech mit traditioneller Handwerkskunst. Die programmierbare CNC-Maschine schneidet die Teile millimetergenau aus. Die Mitarbeiter montieren von Hand das fertige Produkt.

Streng geheim

In einem anderen Gebäude auf dem Betriebsgelände wird Innenausstattung für Flugzeuge angefertigt – eine Sparte, die besonders viel Präzision und Sorgfalt erfordert. Schwab arbeitet mit Ausstattern zusammen, die individuell Flugzeuge für zahlungskräftige Kunden ausrüsten. Alle Möbelteile müssen exakt nach Vorgabe hergestellt und peinlich genau dokumentiert werden. Nur speziell geschultes Personal darf an diesen Werkstücken arbeiten. Fotografieren und Filmen sind in diesem Bereich nicht gestattet. Die Kunden schätzen Verschwiegenheit und Diskretion.

Mode vom Schreiner

Dass sich die Firma nicht nur auf Präzision, sondern auch auf Kreativität versteht, zeigt Schwab mit seiner neusten Idee. Der Schreinermeister zeigt eine Handtasche – natürlich mit Holz gefertigt – und Damenschuhe, deren Unterteil aus dem 3-D-Drucker stammt. Beide sind vom Chef persönlich entworfen und zusammengenäht worden. Zu kaufen gibt es die exklusive Modelinie Marke Schwab allerdings noch nicht. Alle Stücke sind Prototypen, die derzeit lediglich als Hingucker auf Messen eingesetzt werden. Aber vielleicht werden Handtasche und Schuhe in Zukunft in Zusammenarbeit mit einem Modedesigner vermarktet.

Das Gesellenstück

„Viele unserer Facharbeiter haben wir selbst ausgebildet. Wir sind deshalb auch immer an Schulen und Ausbildungsmessen präsent. Das ist unsere gesunde Basis, die es braucht“, so Schwab. Gerade bei dem allgemeinen Fachkräfte- und Lehrlingsmangel im Handwerk sei dies heutzutage ein entscheidender Erfolgsfaktor für ein Unternehmen, meint Michael Schwab, der auch seit vielen Jahren ehrenamtlich als Kreishandwerksmeister tätig ist. Unter den derzeit zehn Angestellten sind zwei Lehrlinge. Einer davon ist Omar Youseef. Er hatte bereits viele Jahre als Schreiner in Syrien gearbeitet, bevor er 2014 nach Deutschland gekommen war. Jetzt steht Youseef stolz vor seinem Gesellenstück, das er nächste Woche einreichen muss. Die Kommode mit Vitrine für eine Gitarre hat er nicht nur selbst angefertigt, sondern von Grund auf geplant und entworfen.

Wissen, wo man herkommt

Trotz Hightech und Innovation bleibt für Michael Schwab aus Grenzach-Wyhlen der Kleinkunde, der eine Tür oder ein Fenster repariert haben möchte, am Ende genauso wichtig wie die internationalen Großkunden. „Die Kleinkunden aus der Umgebung sind uns immer noch die liebsten Kunden, denn sie sind die Basis für den Erfolg, den wir heute haben. Man muss wissen, wo man herkommt“, sagt der Schreinermeister.