Grenzach-Wyhlen – Von sattem Grün war an diesem grauen Novemberdienstag nichts zu sehen, als Vertreter der Roche gemeinsam mit Bürgermeister Tobias Benz die obligatorischen Schippen Sand in die Luft warfen, um den Baubeginn des Flexible Office Building (FOB) symbolisch zu markieren. Grün aber soll’s künftig werden an der Emil-Barell-Straße.

Das FOB wird das Herzstück des Roche-Areals werden, eingebettet in eine parkähnliche Landschaft. Rund 50 Millionen Euro investiert der Pharmakonzern dafür in Grenzach. „Leider mussten wir für den Bau jahrzehntealte Bäume fällen, was auch die Mitarbeiter sehr bedauert haben“, so Hagen Pfundner, Vorstand der Roche Pharma AG am Dienstag. Aber: Rund 110 Bäume werden nachgepflanzt, hinzu kommen großzügige Rasenflächen, Wasserläufe und auch ein Barfuß-Pfad ist im Gespräch. Das Gebäude selbst wird zum einen bis zu 200 flexible Arbeitsplätze bieten. Zum anderen soll es alle Aktivitäten bündeln, bei denen Menschen zusammenkommen – von der kleinen Teambesprechung bis hin zum Großevent.

Entsprechend sind Räume ab sechs Personen sowie für bis zu 500 geplant. Für Veranstaltungen dieser Größe musste Roche bislang ausweichen – etwa zur Vitra nach Weil am Rhein – oder die eigene Kantine aufwendig umbauen. „In jedem Verwaltungstrakt haben wir bisher Konferenzräume. Die werden nun frei und können anders genutzt werden“, so Pfundner. Bis zum Frühjahr 2021 soll das Gebäude fertig sein. Damit falle es mit dem Sanierungsende der Kesslergrube und dem Bau der neuen Ortsumfahrung zusammen. Bekanntlich möchte Roche den Zaun entfernen, der das Industriegelände bislang von der Straße und so auch von der Gemeinde trennt. Bis zum FOB werden künftig Passanten das Areal betreten können, die weiter hinten liegenden Bereiche bleiben gesichert und den Mitarbeitern vorbehalten. Sie sollen sich dort kreativ ausleben und auch draußen arbeiten können. Denn die Präsenzkultur am Arbeitsplatz habe sich gewandelt. „Die Vorstellung, dass nur derjenige produktiv ist, der mit einer tiefen Denkfalte auf der Stirn am Computer im Büro sitzt und tippt, ist überholt“, so Pfundner. Allerdings müsse der Arbeitgeber das auch vorleben und geeignete Strukturen für eine „grüne Denkfabrik“ schaffen. „Von alleine bringt sich kein Mitarbeiter einen Liegestuhl oder Sonnenschirm mit, um sich auf den Rasen zu setzen.“

Grün ist auch das Mobilitätskonzept des Unternehmens. Seit Juni gibt’s zwei E-Autos, die sich die Mitarbeiter ausleihen können. Außerdem stehen für den kurzen Dienstweg Fahrräder und E-Bikes zur Verfügung, etwa für Fahrten nach Basel oder ins unternehmenseigene Boardinghouse. Neben solchen Aspekten ist laut Pfundner aber auch die Entwicklung der Gemeinde ein wichtiger Standortfaktor. Die jetzigen und auch künftigen Mitarbeiter seien daran interessiert, attraktiven Wohnraum und eine gute Infrastruktur vorzufinden. Die städtebauliche Konzeption der Neuen Mitte Grenzach habe deshalb auch wichtige Impulse für die Neugestaltung des Campus geliefert. Mit dem Bau des „Leuchtturmprojekts am Hochrhein“ gebe Roche ein klares Bekenntnis zum Standort ab, gab Bürgermeister Tobias Benz dieses Lob zurück. Grenzach-Wyhlen sei eben nicht nur eine Wohngemeinde, sondern auch seit drei Jahrhunderten Industrieort.

Roche beschäftigt in Grenzach rund 1450 Mitarbeiter. Mit der Umgestaltung des Campus ist keine zusätzliche Schaffung von Arbeitsplätzen geplant, so Pfundner. Vielmehr gehe es darum, moderne Arbeitsplatzmodelle zu schaffen, die zur langfristigen Standortentwicklung beitragen. Investiert hat der Konzern außerdem in die Kantine (600 000 Euro), die Kita-Erweiterung (3,3 Millionen Euro) und in einen Pavillon mit 50 Arbeitsplätzen (2,6 Millionen Euro).