Schon der geschichtsträchtige Raum der Ausgrabungsstätte hat eine besondere Atmosphäre, in der die Collagen und Fundobjekte besser zur Geltung kommen als in jeder Galerie. „Mediterranes Blau – Materialbilder“ nennt Konrad Grund seine Ausstellung auf Einladung des Vereins für Heimatgeschichte Grenzach-Wyhlen.

Fundstücke aus Kreta

Die Assemblagen – bildhafte Zusammenstellungen von Naturmaterialien wie Holz, Metall, Stein, Muscheln und Papier – fügen sich harmonisch in das archäologische Ambiente mit den alten Mauern. Nicht zuletzt, weil auch der Künstler mit dem Blick eines Archäologen nach den Fundstücken Ausschau hält. Konrad Grund stößt vor allem im mediterranen Raum, etwa auf Kreta, auf geeignete Dinge für seine Kunstwerke. So entdeckt man verrostete Teile oder abgewrackte Holzreste, alles Rudimente von Booten. Daraus werden Materialbilder komponiert, die mal mehr ins Reliefhafte oder ins Malerische gehen. Muscheln als Universalzeichen, der Kiefer eines Kleintieres und ein Amphorenrand ergeben dabei eine poetische Wirkung.

Symbolische Funktion

Kreis, Dreieck, Quadrat haben in den Collagen symbolische Funktion und sind wichtig als geometrische Elemente, ebenso wie die farbliche Kombination, der Einsatz der drei Komplementärfarben oder die Gestaltung der Fundstücke. Polierte Hufnägel, Messing- und Kupferteile, Knochen und Schnecken gehen mit ausgerissenen Buchseiten oder altem Papier und Schrift eine faszinierende Verbindung ein. Neben dem Handwerklichen ist in diesen Arbeiten auch viel Spielerei. Wohltuend ins Auge sticht Grunds individuelle Farbe Blau, die eine schöne Ausstrahlung mit der Ästhetik der gefundenen Reste hat. Man sieht: Abfall hat auch seine Reize, Rost sowieso, und Blattgold bringt noch ein bisschen Extratiefe.

Besondere Montagetechnik

Den Fokus auf wiederverwertbare Archäologie legt der Künstler nicht nur in seinen Wandobjekten, sondern auch in zwei Kleinskulpturen. Neben einem Kopf aus Eichenholz mit „drahtiger“ Frisur, Kamm und Feder fällt ein Stück verbeultes Aluminiumblech auf, das von einer alten Ju 52 stammt, einem deutschen Kriegsflugzeug, und das zu einem persönlichen Erinnerungsstück ummodelliert wurde. Konrad Grund, der nächstes Jahr 70 wird, arbeitet schon 20 Jahre mit Collagen und hat eine interessante Montagetechnik mit umgedrehten Keilrahmen entwickelt. Das zeigt, dass seine Kunst auch mit Handwerk zu tun hat. Und was würde besser in diese römischen Mauern passen, die ja auch von Handwerkern gemacht wurden?

Die Ausstellung im Regionalmuseum Römervilla läuft bis 30. Juni, geöffnet Sonntag und Feiertag 15 bis 18 Uhr.