Seit 50 Jahren besteht das Optikergeschäft der Familie Turski, und geht es nach Chef Jörg und Sohn Jan soll das noch lange so bleiben. Allein: Der Druck auf inhabergeführte Geschäfte wächst durch den Onlinehandel ohnehin, und mit der Ortsumfahrung – so die Befürchtung – blutet das Zentrum trotz Neuer Mitte aus.

Die Türen des Optikergeschäfts stehen an diesem heißen Sommermorgen weit auf, mit einem lauen Lüftchen dringt auch lauter Verkehrslärm in den Laden. Lärm, den die B34 neu aus der Ortsmitte herausbringen soll. Lärm, der auch Jörg Turski nur zum Teil gefällt. „Eines vorweg – wir sind nicht gegen die Ortsumfahrung und natürlich auch dafür, dass der Schwerlastverkehr nicht mehr mitten durch den Ort fährt“, sagt der Optikermeister, Sohn Jan nickt bestätigend. Beide befürchten jedoch, dass nicht nur die Lkw verschwinden werden, sondern auch Besucher und Kunden. Deshalb möchten die Turskis sowie andere Geschäftsinhaber erreichen, dass die geplante Tiefgarage unter der Neuen Mitte nicht nur eine Zufahrt via Seidenweg bekommt (die BZ berichtete). „Aufgrund der Bequemlichkeit der Kunden befürchte ich dann ein Aussterben des Zentrums“, so Jörg Turski. Sein Laden läge zwar noch recht günstig und nah an dem Parkhaus. Andere Geschäfte wären aber nicht mehr in Laufnähe. Und Sohn Jan fügt an: „Wir verkaufen Produkte, die man in die Handtasche stecken und auch mal ein paar Meter tragen kann. Bei anderen wird es schon schwieriger.“

Der Geschäftsmann hat sich im Laufe seines Berufslebens schon manches Mal mit Verkehrsströmen am Hochrhein und deren Lenkung befasst, da er weitere Filialen in Rheinfelden und Bad Säckingen betreibt.

Und trotz aufkommender Alternativen zum Individualverkehr, trotz ÖPNV, Radfahrrouten und Carsharing: „Die Menschen möchten nun mal vorm Laden parken.“ Er beispielsweise habe Kunden, die bis zu 300 Kilometer Fahrtweg auf sich nehmen, um Produkte bei ihm zu kaufen oder sich beraten zu lassen. „Die letzten 200, 300 Meter dürfen dann aber nicht kompliziert sein.“ Denn auch wenn die Neue Mitte als attraktives Zentrum gestaltet werde, reiche das nicht aus, um aus der Basler Straße eine Fußgängerzone zu machen. „Das funktioniert in Lörrach, aber nicht in Grenzach“, so Jörg Turski. Die Leute – egal, ob Schweizer oder Deutsche aus Nachbargemeinden – müssten durch den Ort durchgeführt werden. „Aber man sollte nicht den Durchfluss sperren.“

Eine Ahnung, wie das aussehen könnte, hätten sie bei der einwöchigen Sperrung des Grenzübergangs im Juli erlebt. „Da hätte man die Läden auch zulassen können“, sagt Jan Turski. Als junger Bürger mache er sich Gedanken und Sorgen um die Ortsmitte. Denn die Herausforderungen seien ohnehin schon groß.

Gegen den Onlinehandel kann sich Turski noch relativ gut behaupten, da er Spezialprodukte im Angebot hat, deretwegen viele Kunden zu ihm kommen. Die digitale Konkurrenz sei dennoch spürbar. Auch die immer umfassendere Dokumentationspflicht beschäftigt Jörg Turski. „Für eineinhalb Stunden Service beim Kunden muss ich mit zwei Stunden Bürokratie rechnen.“ Deshalb sei er wieder dazu übergegangen, am Mittwochnachmittag seinen Laden in Grenzach zu schließen. „Diesen Tag brauche ich für Büroarbeiten“, sagt Turski. Was für ihn gilt, gelte auch für andere. „Das sind die Nöte und Ängste von inhabergeführten Fachgeschäften“, fasst er zusammen. Manche haben den Kampf schon aufgegeben. „Nehmen wir Dies & Das: Die Besitzerin hat den Laden 20 Jahre lang geführt. Ihre Nachfolgerin hat nach knapp eineinhalb Jahren aufgegeben.“

Aufgeben will Jan Turski sein Engagement für eine ordentliche Zufahrt zur Tiefgarage nicht – auch wenn er eine 50:50-Chance sieht, dass diese realisiert wird. „Der Funke muss einfach überspringen.“ Vater Jörg hingegen ist pessimistischer, auch wenn die Idee ins Verkehrskonzept aufgenommen wurde. „Das ist, wie wenn Sie ein Haus bauen. Wenn Sie in einem Zimmer eine Glühbirne in die Fassung drehen, und sich vornehmen, da bald eine Lampe aufzuhängen. Dann hängt die Glühbirne noch jahrelang da. Das ist so mit Provisorien.“