Grenzach-Wyhlen - Neulich hat ein überregionales Wochenmagazin Gärten des Grauens vorgestellt. Zu sehen waren Schotterwüsten, in denen mit farbigen Steinen Blumen oder Wasserläufe nachgestellt waren. Leben – Fehlanzeige. Einen echten, naturnahen Garten hingegen hat Familie Lischer vor 30 Jahren angelegt. Nachdem Karin Lischer in der kommenden Periode nicht mehr im Gemeinderat sitzt und mehr Zeit hat, will sie das Paradies am Unterberg in Wyhlen für Kinder im Vorschulalter öffnen und Führungen anbieten.

Es ist der erste trockene Morgen nach einer längeren Regenperiode. Das Regenwetter im Mai hat der Natur gut getan. Üppig wächst und blüht es auf der Wiese vor Lischers Haus. „Ich weiß selbst nicht, was als nächstes blüht, da lasse ich mich überraschen“, sagt die Ex-Gemeinderätin und lacht. Die Wiese ist noch richtige Wiese und kein Rasen, gemäht wird sie nicht. Darauf stehen knorrige, alte Obstbäume, lediglich ein Pfirsich hat es nicht geschafft.

Als die Lischers vor 30 Jahren in die Gemeinde kamen, wollten sie eigentlich nicht bauen. Aber mit drei Kindern war die Wohnungsauswahl nicht üppig und so entschlossen sie sich zu dem Projekt. „Die Nachbarn haben es bedauert, denn unser Bauplatz war zuvor eine große Wiese.“ Ihrem Mann und ihr sei von Anfang klar gewesen, dass sie einen naturnahen Garten haben wollen, auch das Haus ist in ökologischer Bauweise entstanden. „Wir sind da Waldorf-angehaucht“, sagt Lischer und geht voran zu einem kleinen Durchschlupf zwischen Haus und Hecke. Und dann wird es laut.

Neben Summen und Brummen aus der mit wildem Wein bewachsenen Hecke quaken Frösche, ohrenbetäubend laut. „Das ist unser Frosch-Terror.“ Manchmal müsse sie nachts die Fenster schließen, so laut sind die Gesellen, die flink in den großen Teich zurückhüpfen, als sich die Besucherin nähert. „Ohne Wasserstelle wär‘s kein Naturgarten“, sagt Lischer. Diese seien mittlerweile rar gesät, so dass rund 30 Frösche, ein Molch, Libellen, Schmetterlinge, verschiedene Vögel und sogar dann und wann ein Entenpaar den Teich als Lebensort entdeckt haben. „Hier darf alles so sein, wie es ist“, sagt Lischer – auch wenn‘s manchmal nervt. Zum Brummen und Quaken gesellt sich häufig noch ein Tocken hinzu, denn einen toten Baum haben die Lischers für Spechte und Wildbienen stehengelassen.

Totholz findet sich auch an anderen Stellen, ebenso wie große Komposthaufen, eine doppelreihige Wildhecke und sogar einen Ameisenhügel gab‘s schon mal. Disteln, Rosmarin, Ginster oder auch Goldrute wachsen üppig und locken allerhand Insekten an.

All‘ diese Dinge will Karin Lischer künftig gerne Kindern im Vorschulalter zeigen und erklären, warum sie wichtig sind. „Ich möchte für den Umgang mit Natur sensibilisieren“, sagt die ehemalige Erzieherin und sozialpädagogische Familienbetreuerin.

„Viele Kinder wohnen heute in Wohnungen und kennen Pflanzen, Tiere oder ähnliches nur aus Büchern oder dem Fernsehen.“ Angedacht ist eine Führung durch den Garten mit spielerischen Elementen. „Einen Tee mit Pfefferminze aus dem Garten wird‘s auch noch geben.“ Gruppen von fünf bis maximal zehn Kinder im Vorschulalter sind möglich.

Das Angebot richtet sich insbesondere an die Kindergärten. Wer Interesse hat, kann sich bei Karin Lischer unter Tel. 07624/41 03 melden.