Seit drei Monaten verfügt der Werkhof über eine eigene Kehrmaschine. Anfang Juni wurde das geleaste Fahrzeug geliefert, im Januar hatte der Gemeinderat für die Anschaffung grünes Licht gegeben. Denn mit Beginn des neuen Jahres endeten die Verträge mit der Nachbarstadt Rheinfelden, die bislang die Straßenreinigung in der Gemeinde übernommen hatte. Werkhofleiter Reimar Weisheit ist glücklich über die neue Maschine und die neu gewonnene Flexibilität.

Klein, aber mit vielen Finessen

Wer gedacht hat, eine Kehrmaschine sei ein Riesenfahrzeug in signal-orange, liegt falsch. Was da um 9 Uhr morgens aufs Betriebsgelände des Werkhofs fährt, ist auf den ersten Blick klein und unspektakulär. Auf den zweiten hat die Kehrmaschine es in sich und ist ein ziemlicher Alleskönner.

„Hier vorne haben wir drei Besen“, sagt Weisheit. Zwei, die gegeneinander rotieren und so den Schmutz in Richtung des Saugmunds bringen. Der dritte Besen – der sogenannte Vorholbesen – sitzt auf einem Schwenkarm, der höhenverstellbar ist und so auch an schwierig erreichbare Stellen kommt. „Wir haben uns bewusst für eine kleine Maschine entschieden, damit wir auch Gehwege, Radwege oder Unterführungen reinigen können“, erklärt Weisheit weiter.

Auch für schmale Wege geeignet

Aber auch die Schulhöfe, verschiedene Plätze und sogar schmale Wege in den Parks der Gemeinde können damit angefahren werden. Integriert ist ein Hochdruckreiniger, mit dem die Mitarbeiter zum Beispiel die Bank auf dem Kirchplatz vor St. Georg abspritzen können. Außerdem lässt sich eine Vorrichtung anbauen, mit dem Schächte ausgesaugt werden können – bei kleineren Hochwassern ein guter Zusatz.

Sichtlich zufrieden mit seinem neuen Arbeitsplatz ist Johannes Weber. Er ist neben Martin Sturm einer von zwei Werkhofmitarbeitern, die die Kehrmaschine bedienen und damit fahren dürfen. „Wir haben beim Hersteller eine Einweisung bekommen“, so Weisheit, der im Notfall ebenfalls fahren kann. Weber verbringt am Tag mehr als acht Stunden hinterm Steuer. Deshalb wurde auf gute Bedingungen geachtet.

Die Sitze sind ergonomisch, das Handling der verschiedenen Einstellungen ist übersichtlich und die Maschine ist recht leise. Über ein Display hat Weber den Saugmund im Blick, eine Rückfahrkamera ist ebenfalls eingebaut. „Und ein Radio“, sagt Weber lachend.

Wichtiger für ihn aber ist das Umluftsystem, das kombiniert mit einem Druckumlaufwassersystem den Ausstoß von gesundheitsschädlichem Feinstaub um bis zu 70 Prozent verringert. 3,5 Tonnen wiegt die Maschine mit zwei Wassertanks, zwei Kubikmeter Schmutz kann sie aufnehmen, bevor der Fahrer sie leeren muss. Dazu steuert er wieder den Werkhof an, um den gesammelten Schmutz in eine Mulde zu kippen. „Der wird von einer Spezialfirma abgeholt und entsorgt“, so Weisheit.

Für die Zukunft kann sich Weisheit vorstellen, an strategischen Punkten in der Gemeinde weitere Mulden aufzustellen, damit die Fahrer nicht immer den Werkhof ansteuern müssen. Das würde Zeit sparen. „Aber das ist echt noch Zukunftsmusik.“ Aktuell arbeitet er daran, das Straßennetz und die Routen zu digitalisieren. So können die Fahrer beim Schichtwechsel einfacher sehen, was schon gemacht wurde oder auch welchen Intensitätsgrad sie wo einstellen müssen.

Wildkrautbesen gegen Straßenbegleitgrün

Ein Thema, das Gemeinderat und Bürger immer wieder beschäftigt, ist das sogenannte Straßenbegleitgrün – also Unkraut, das sich mit Vorliebe zwischen Straße und Bordstein ausbreitet. Diesem Kraut wird die neue Maschine ebenfalls Herr und zwar mit einem Wildkrautbesen. Die Borsten bestehen aus Flachstahl und stehen sehr eng, so dass sie die Pflanzen gut erwischen. „Nur wenn sie zu hoch gewachsen sind, müssen wir sie noch händisch mähen.“

Für das Straßenbegleitgrün gibt es einen extra Besen.
Für das Straßenbegleitgrün gibt es einen extra Besen. | Bild: Verena Pichler

Die ersten Feuerproben mit Johannimarkt und Foodtruck-Festival hat die Maschine bestanden. „Wir sammeln jetzt Erfahrungswerte.“ Da die Maschine – übrigens Euro-6c-Norm – nur für vier Jahre geleast wurde, können Weisheit und sein Team dann entscheiden, ob es bei dem Modell bleibt oder ob doch ein größeres her muss – auch, weil das Straßennetz kontinuierlich wachsen wird.

Dass die Gemeinde aber nun ihr eigener Herr ist, daran wird sich wohl so schnell nichts mehr ändern. „Das ist schon toll, jetzt sind wir nicht mehr von anderen abhängig“, findet Weisheit.