Grenzach-Wyhlen – Der spontane Hauskauf vor 14 Jahren hat es Silke und Claude Sispele ermöglicht, ihre private Leidenschaft für Südeuropa zu einer Geschäftsidee zu entwickeln. Seit zwölf Jahren betreiben die beiden die Weinhandlung 15 in dem sanft renovierten, historischen Gebäude in Grenzach.

Dem Gebäude in der Markgrafenstraße dringt Historie aus jeder Fuge und jedem Spalt.

Der älteste Gebäudeteil stammt aus dem Jahr 1789, Erweiterungen folgten 1805 und 1850. „Das war früher ein Bauernhof mit Kuh-, Schweine- und Hühnerstall und großem Garten“, erklärt Claude Sispele. Das Haus hat einen großen Gewölbekeller, eine Scheune sowie ein Nebengebäude, wo früher Wäsche gebleicht wurde, gehören dazu. Silke Sispele ergänzt: „Hier war der erste Delikatessen- und Kolonialwarenladen von Lina Kaufmann, die ist im Ort heute noch bekannt.“ Bis unter das Dach war das Haus mit Zeugnissen der Vergangenheit vollgestopft. „Wir haben noch ein paar Relikte von Lina Kaufmann wie ihre alte Kaffeemaschine, die funktioniert auch noch, macht aber einen Höllenlärm“, erzählt Silke Sispele.

2005 haben die Sispeles das Haus gekauft und wohnen im ersten Stock über der von ihnen betriebenen Weinhandlung 15.

„Man kann sagen, ich bin eine gefühlte Grenzacherin“, meint die 49-Jährige, da sie 1988 aus Nordrhein-Westfalen in den Ort gezogen ist. Geboren wurde sie in Wuppertal. Der 53-Jährige stammt aus Solothurn. Beide machten eine Ausbildung zum Pflegefachpersonal für die Psychiatrie, und bei der Arbeit an den Universitären Psychiatrischen Klinken (UPK) in Basel lernten sie sich kennen und lieben. Vor 2004 konnten sie noch nicht zusammen ziehen, das wurde erst mit Abschluss der bilateralen Verträge zwischen den zwei Ländern möglich, erinnert sich Claude Sispele, und 2005 kauften sie dann das Haus. Heute arbeiten beide immer noch in der Pflege, vor allem nachts. Er im Hildegard-Hospiz in Basel, sie in der Klinik Schützen in Rheinfelden/Schweiz.

Die Verkaufsräume sind liebevoll dekoriert. Türen und Wände zieren historische Zeitungsausschnitte, Schwarz-Weiß-Fotos und Rechnungen bis ins Jahr 1933 zurück. Auch Bilder von Lina Kaufmann stehen auf einem Bord. Im angeschlossenen Probierzimmer dient ein umgebautes Sherry-Fass als Tisch. Die historischen Böden und Wände wurden teilweise wieder frei gelegt. „Beim Kauf haben wir erfahren, dass ein anderer Interessent es hatte abreißen wollen, aber da ist dann einer von der Erbengemeinschaft abgesprungen“, erzählt er und sie ergänzt: „Innerhalb von fünf Tagen haben wir es angeschaut und entschieden: Wir probieren, es zu erhalten.“ Zwei Jahre steckten die beiden viel Arbeit in das alte Haus, in dem Heizung und Strom und teilweise sogar die Wasserversorgung fehlte. „Wir haben das Haus richtig ausgehöhlt und alle Bausünden der 50er und 60er Jahre entfernt“, erzählt Silke Sispele. Bis heute sind sie nicht fertig.

Nach dem Kauf waren ein Sportgeschäft und eine Weinhandlung als Mieter im Erdgeschoss. Als die Weinhandlung schloss, fragten sich die beiden, warum sie das nicht versuchten. „Wir haben uns mit 15 Kartons Wein hinten hingesetzt und geschaut, was passiert“, erzählt Silke Sispele. „Die ersten zwei Jahre haben wir, was wir verkauft haben, in neue Weine reinvestiert.“ Als dann der Sportladen auszog, erweiterten die beiden die Geschäftsfläche und das Angebot. „Das ist langsam gewachsen“, erklärt Claude Sispele. „Jetzt haben wir das Geschäft im zwölften Jahr.“ Ihre Leidenschaft für Südeuropa, die mediterrane Küche, italienische und spanische Weine schulten sie auf Weinmessen und -seminaren. Heute gibt es deutlich mehr als 15 Weine in allen Preisspannen bis zum exklusiven italienischen Wein aus 15 Rebsorten, der bei 300 Euro pro Flasche liegt.

Mit Spirituosen aus Italien und Spanien, lokalem Whiskey und Gin sowie Pasta, Saucen, Süßem und Salzigem haben sie ihr Angebot ergänzt. Aber besondere Freude haben sie an den Degustationen in der dem Geschäft angeschlossenen Weinstube oder im Hinterhof mit bis zu 35 Teilnehmern. „Wir haben das ganz locker angefasst, nicht so bitterernst wie viele andere Degustationen, sondern auch immer spaßig genommen. Ich bin schon 35 Jahre in der Pflege.

Das ist ein Beruf, den man nicht über Jahrzehnte zu 100 Prozent machen kann“, sagt Claude Sispele. „So ist das auch ein bisschen entstanden mit dem Weinladen, wir arbeiten ein Teil da und den anderen als Ausgleich hier.“ Silke Sispele wirft ein: „Hier ist dann eher das Leben“.

Infos im Internet:
http://www.15-wein.com