Was bürgerschaftliches Engagement innerhalb kürzester Zeit bewirken kann, zeigte sich am Sonntagnachmittag bei der Eröffnung des „Emilianum“: Vor gut einem Jahr angedacht, wurde im historischen Quellenhäuschen im Emilienpark das Museum verwirklicht, das in einer Dauerausstellung die bewegte und durchaus etwas schräge Geschichte des Grenzacher Heilwassers dokumentiert.

"Wichtiger Platz auch für Neubürger"

Rund 150 Gäste kamen bei strahlendem Sonnenschein zu dem Festakt. Der Sekt, mit dem die vielen Besucher auf das gelungene Werk anstoßen sollten, reichte zunächst nicht aus, so dass Nachschub besorgt werden musste, bevor Kurt Paulus erläutern konnte, was er mit diesem Projekt verfolgt: Das Quellenhäuschen soll nicht nur Museum sein, sondern zusammen mit der Überbauung der Trotte und einer schon vor 45 Jahren angedachten „Konzertmuschel“ ein Zentrum in der Ortsmitte bilden, in dem sich die Menschen begegnen.

„Das ist hier ein ganz wichtiger Platz, auch für Neubürger und für Integration“, sagte Paulus, „Für die ist das ein Einstieg in die Geschichte des Ortes, in dem sie jetzt leben.“ Zusammen mit der Römervilla, der Neuen Mitte und der Trotte sah er hier durchaus das Potenzial, den Tourismus in Grenzach zu beleben, und er kündigte die Gründung eines Fördervereins an, der diese Ziele verfolge.

Knapp am Titel "Bad Grenzach" vorbeigeschrammt

Kurt Paulus freute sich, dass viele Grenzacher Bürger ihm Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt haben. „Jedes hat seine Geschichte“, erzählte er, und auch zur Eröffnung wurde er noch mit neuen Exponaten überrascht, zum Beispiel mit einer großen Werbetafel für das „Grenzacher Heilwasser“, das so heilend gar nicht war.

„Im Prinzip war es nur ein besseres Glaubersalzwasser und höchstens zum Abführen gut“, resümierte er am Ende seines Vortrags über das Auf und Ab des Wassers, das der Gemeinde fast den Titel „Bad Grenzach“ verschafft hätte. Bürgermeister Tobias Benz lobte die Akribie und das Herzblut, mit dem Kurt Paulus das kleine Museum im Emilienpark verwirklichte: „Das ist ein Beitrag zur Geschichte und zur Identität, der zeigt, dass wir nicht nur ein Vorort von Basel sind!“

Bürgermeister Tobias Benz, Cornelius Wittal, Kurt Paulus und Peter Weber (von links) enthüllten eine Erinnerungstafel an die Eröffnung des Emilianum.
Bürgermeister Tobias Benz, Cornelius Wittal, Kurt Paulus und Peter Weber (von links) enthüllten eine Erinnerungstafel an die Eröffnung des Emilianum. | Bild: Jochen Fillisch

Dank an Helfer und Wegbegleiter

Kurt Paulus war sich dessen bewusst, dass es zur Verwirklichung seiner Vision noch viel Zeit braucht – und zahlungskräftige Unterstützer. Um so mehr würdigte er den Beitrag der Firma Roche, die sich schon bei der Sanierung des Quellenhäuschens finanziell engagierte. Roche-Kommunikationschef Cornelius Wittal erinnerte daran, dass sein Unternehmen und die Betreiber der Grenzacher Quelle das gleiche Ziel verfolgten, nämlich Menschen zu heilen.

Nicht denkbar wäre das Projekt ohne Peter Weber gewesen, der im Zuge des Konzerts von „Klassikanderswo“ im Emilienpark den Anstoß für das Vorhaben gegeben hatte. Da lag es nahe, dass Weber die Eröffnung des Emilianums dazu nutzte, um den aktuellen Veranstaltungsort der Konzertreihe bekannt zu geben: Es wird die Werkhalle des Wyhlener Unternehmens „Brötje Automation“ sein. Da Brötje im Flugzeugbau tätig ist, wurde der Titel „Klassikanderswo hebt ab“ gewählt.

Klassische Musik unter den Kastanien

Klassische Musik im Freien unter der riesigen Kastanie beim Quellenhäuschen boten die Musiker des „Alcina-Quartetts“, die für ihre feinfühligen und überzeugenden Darbietungen viel Beifall erhielten. Die zahlreichen Gäste nutzten die Gelegenheit, sich übers Grenzacher Heilwasser kundig zu machen, und bekamen es am Ende kaum noch mit, dass Tobias Benz, Kurt Paulus, Cornelius Wittal und Peter Weber eine kleine Tafel zur Erinnerung an die festliche Einweihung des Emilianums enthüllten.