Grenzach-Wyhlen – Für den einzelnen Betroffenen ist jede Straftat für sich genommen schlimm – dennoch können Polizei und Gemeinde auf ein erfreulicherweise recht ruhiges Jahr zurückblicken. Die Zahl der Gewaltdelikte ist ebenso rückläufig, wie die der Diebstähle und Einbrüche. Insgesamt wurden in der Gemeinde 822 Straftaten angezeigt, davon wurden allein 580 vom Posten bearbeitet – der damit, wie alle Jahre wieder, die höchste Pro-Kopf-Belastung im Landkreis hat.

Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, wie Postenführer Manfred Geiges beim Pressegespräch mit Bürgermeister Tobias Benz, Ordnungsamtsleiter Jürgen Käuflin und Bernhard Weis, stellvertretender Revierleiter in Rheinfelden, am Freitag erklärte. „Der Personalschlüssel wird nach verschiedenen Faktoren berechnet, wie Fläche, Einwohner, Fallzahlen und Struktur.“ Und obwohl Grenzach-Wyhlen in den nächsten Jahren signifikant wachsen wird, glaubt Geiges nicht, dass sich das in mehr Beamte beim Posten niederschlagen wird. „Alle Reviere rufen: hier.“ Aktuell sind für den Posten fünf Stellen vorgesehen, 4,8 sind besetzt.

Körperverletzung und Gewalt

„Alles, was 2017 hoch gegangen war, ist 2018 wieder gesunken“, schickte Weis vorweg. Das gilt auch für den Bereich Körperverletzung (KV) und Gewaltkriminalität. 111 KV-Fälle waren zu bearbeiten, das sind 30 weniger als im Vorjahr. „Die Fasnacht verlief recht ruhig, einziger Ausreißer im Jahr war eine Keilerei beim Drachenbootrennen des Ruderclubs“, so Geiges. Wenn diese Veranstaltung wieder angemeldet wird, so Käuflin, werde man mit dem Verein sprechen. Unter die Gewaltkriminalität fällt auch die gefährliche KV, davon gab’s 21 Fälle, außerdem drei Raubstraftaten.

Diebstahl und Einbrüche

Besonders freut es Weis und seine Kollegen, dass die Zahl der Diebstähle und Einbrüche zurückgegangen ist. Kamen 2017 noch 219 Fälle von Diebstahl zur Anzeige, waren es im vergangenen Jahr 182 – der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Aber eines verschweigt Weis nicht: Die Dunkelziffer gerade bei Ladendiebstählen ist hoch. „Bei uns wurden im vergangenen Jahr gerade mal acht Ladendiebstähle angezeigt“, so Geiges. Das hätten die Supermärkte wahrscheinlich an einem Tag. 2016 stand die Gemeinde im Fokus von gut organisierten Einbrecherbanden, mit 30 Fällen erreichten die Fallzahlen den absolut höchsten Wert seit zehn Jahren. Damals initiierten Gemeinde und Polizei sogar einen Präventionstag. „Im vergangenen Kalenderjahr waren es neun Einbrüche“, so Weiß. Die massiven Kontrollen, aber auch die Sensibilisierung der Nachbarschaft hätten Wirkung gezeigt. Auch die Erfolge der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe zeigten Wirkung und schreckten vielleicht ab. Eine Garantie fürs nächste Jahr sind die Zahlen aber nicht. „Die Schwerpunkte verlagern sich“, so Geiges. Daher rät die Polizei den Bürgern, die ihre Häuser schützen wollen, einen individuellen Beratungstermin mit den Beamten auszumachen.

Sachbeschädigung

Bei den Sachbeschädigungen gab es einen leichten Zuwachs von 87 auf 90 Fälle. „14 Fälle hat die Bundespolizei bearbeitet, weil die Bahn betroffen war“, so Weis. Die Zahlen entsprechen dem langjährigen Mittel, auch das ein Indiz dafür, dass die Einrichtung eines kommunalen Ordnungsdienstes nicht nötig ist.

„Wir wollen das nicht schön reden, jeder Einzelfall ist ärgerlich“, so Bürgermeister Benz, auch der jüngste: Kurz vor Ostern zerstörten Unbekannte eine Bushaltestelle.

Betrug/Fälschung

106 Fälle von Betrug sind in der Gemeinde aktenkundig, das sind satte 40 weniger als im vergangenen Jahr. 16 Fälle davon hat die hiesige Tankstelle beigesteuert, weil sie Autofahrer angezeigt hat, die ihre Tanks füllten, ohne zu bezahlen. Warenbetrug im Internet spielt auch eine Rolle, wobei in der Grenzach-Wyhlener Statistik nur die Fälle auftauchen, in denen der Täter in der Gemeinde wohnt.

Rauschgift

Die Zahlen beim Rauschgift können die Beamten nicht zufrieden stellen, trotz eines leichten Rückgangs von 176 Fällen auf 157 Fälle. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist das immer noch der zweithöchste Wert. 2018 konnten die Beamten zum Beispiel einen Dealer dingfest machen, zu dessen rund 35 Abnehmern auch vier Minderjährige gehörten. „Nachweisen konnten wir 173 Einzelverkäufe“, so Geiges. Dabei handelte es sich um Cannabis. Zwei Drittel der ermittelten Fälle sind Besitz/Erwerb von Rauschmitteln, 29 Handel oder Schmuggel. „Wenn wir Jugendliche kontrollieren oder beim Gras rauchen erwischen, sagen sie uns selten, wo sie herhaben.“ Vielleicht aus Basel, denn im 38er „riecht es schon manchmal nach Gras“, so Käuflin. Dieses werde aber auch per Bahn oder Fahrrad ins Land gebracht.