Am Wasserkraftwerk Wyhlen wird künftig nicht nur Ökostrom aus Wasser und Sonne produziert, sondern künftig auch Wasserstoff: Die Fima Energiedienst hat in einem öffentlichen Vergabewettbewerb den Zuschlag für ein sogenanntes Power-to-Gas-Projekt erhalten. Die industrielle Anlage ist das zentrale Element des vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasser-stoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) koordinierten Leuchtturmprojektes. Ziel ist es, die Technologie fit für den Mobilitäts-markt zu machen.

Die Entscheidung, wo und von wem die Power-to-Gas-Anlage mit ihren zahlreichen Alleinstellungsmerkmalen betrieben wird, ist gefallen: Die geplante Megawatt-Elektrolyse wird am Wasserkraftwerk Wyhlen errichtet und soll ab 2017 in den kommerziellen Betrieb gehen. Das Versorgungsunternehmen Energiedienst wird mit einem Teil seines dort erzeugten Ökostroms regenerativen Wasserstoff produzieren. Dieser sogenannte eH2 soll anschließend in der Wasserstoff-Mobilität genutzt werden. Perspektivisch können allein mit dieser Industrieanlage mehr als 1000 Brennstoffzellenfahrzeuge klimaneutral mobil sein, heißt es in einer von der SW verfassten Pressemitteilung.

Auch bei Energiedienst herrscht Freude über den Zuschlag, der für ED den Einstieg in ein weiteres Geschäftsfeld vor dem Hintergrund der Energiewende bedeutet: Neben der E-Mobilität wird künftig auch der Antrieb über Brennstoffzellen dazugehören, sagt ED-Sprecher Alexander Lennemann.

Die neue Anlage in der mittels Elektrolyse der Wasserstoff gewonnen wird, wird direkt beim Kraftwerk Wyhlen gebaut werden. Bei ED läuft jetzt die Planung an, bis zum September sollen sämtliche Baugenehmigungen vorliegen, 2017 soll die Produktion anlaufen. Wasserstoffantrieben bei Fahrzeugen werden insbesondere für längere Entfernungen ein großes Zukunftspotenzial bescheinigt. Die Anwohner beim Kraftwerk sollen in einer eigenen Veranstaltung über das Projekt informert werden, verspricht Lennemann.

„Der Standort Wyhlen und der Betreiber Energiedienst erfüllen alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen und dauerhaften Betrieb der Anlage. Die Rahmenbedingungen in diesem industriellen Umfeld sind zudem ideal, um unsere technologischen Weiterentwicklungen zu er-proben“, erklärt Michael Specht, Leiter des ZSW-Fachgebiets Regenerative Energieträger und Verfahren. Die Kombination aus Power-to-Gas und Wasserkraft sei optimal, so Specht. „Mit Power-to-Gas wird die konstante Stromerzeugung aus Wasserkraft flexibel und nachfrageorientiert; zugleich kann mit dem 100-prozentigen Ökostrom CO-freier Wasserstoff für die nachhaltige Mobilität der Zukunft erzeugt werden.“

Im Rahmen des von der baden-württembergischen Landesregierung mit 4,5 Millionen Euro geförderten Leuchtturmprojektes wird neben der 1-MW-Power-to-Gas-Anlage nach heutigem Stand der Technik eine optimierte 300-Kilowatt-Elektrolyse des ZSW und seiner Partner erprobt. Die Betriebsweisen der beiden Anlagen werden intensiv vermessen und ausgewertet. So wollen die Forscher der Industrie einen Leitfaden für den effizienten und wirtschaftlichen Betrieb von Power-to-Gas an die Hand geben. Neben der Kernkomponente Elektrolyse sollen dazu auch die weiteren Bauteile, wie etwa Verdichter, Gleichrichter und Druckbehälter, analysiert werden, um sie künftig effizienter und kostengünstiger produzieren zu können. Von den Ergebnissen sollen Energieversorger, Automobilhersteller und Unternehmen aus dem Maschinen-, Komponenten- und Anlagenbau profitieren.

Neben dem ZSW als Koordinator sind auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) beteiligt.