Grenzach-Wyhlen – Es ist ein Jammer: Den Neubau der Kindertagesstätte Löwenzahn hat sich die Gemeinde knapp sechs Millionen kosten lassen, um dem großen Bedarf an Plätzen in der Gemeinde und dem Rechtsanspruch auf Betreuung von unter Dreijährigen gerecht zu werden. Die Einrichtung ist fertig, die Kindergartenkinder und ihre Erzieherinnen konnten Anfang des Monats einziehen. Aber weil die Gemeinde kein Personal findet, ist der Krippenbetrieb noch nicht gestartet.

Ende April war die knapp dreijährige Bauzeit vorbei, und Leiterin Annette Westendorf konnte mit Team und Schützlingen aus dem Pavillon II der Bärenfelsschule umziehen. „Darüber sind alle sehr glücklich, und die neue Kita gefällt gut“, sagt Hauptamtsleiterin Karin Schöttler auf Nachfrage. Rund 75 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren werden derzeit betreut.

Die beiden Krippen-Gruppen aber sind noch leer. Nicht, weil die Eltern plötzlich doch kein Interesse mehr an den Plätzen haben, sondern weil es nicht gelungen ist, bis zum Start das notwendige Personal zu finden. Für Schöttler eine mehr als unbefriedigende Situation. „Wir haben wirklich alles versucht, aber der Markt ist leergefegt.“ Mehrfach hat die Gemeinde die Stellen ausgeschrieben und auf das moderne Arbeitsumfeld in der neuen Kita hingewiesen, auf der Regiomesse wurde um Kräfte geworben, Erzieherinnen wie Leiterinnen nutzten ihre Netzwerke und über den Tariflohn hinaus bietet die Gemeinde verschiedene Extraleistungen an – bisher vergebens. Die Kommune steht nicht nur in Konkurrenz zu anderen in der Region, denen es genauso geht, sondern auch zur nahen Schweiz. „Dass es schwierig werden würde, davon sind wir ausgegangen“, so Schöttler. Dass es aber so kommen würde, hätte niemand gedacht. Noch im Februar äußerte sich Bürgermeister Tobias Benz gegenüber dieser Zeitung verhalten optimistisch, bis Betriebsbeginn die Stellen besetzen zu können – und zwar mit qualifiziertem Personal, wie Schöttler betont. Erzieherinnen aus anderen Kitas abziehen kann die Gemeinde nicht. „Wir haben praktisch keine Reserven mehr“, so Schöttler. Zu Beginn des Jahres hatte die Gemeinde den Umbau des Kinderhauses beenden können und dort drei Krippen-Gruppen eröffnet. Die Hoffnung ruht nun auf dem Herbst, wenn wieder neue Erzieherinnen mit ihrer Ausbildung fertig werden. „Unterm Jahr jemanden zu finden, ist noch schwerer.“ Auch die Gemeinde bildet in ihren Einrichtungen selbst aus. So lange mit dem Umzug in den Neubau zu warten, sei aber keine Option gewesen. Dass die Eltern, die nun warten müssen, sauer sind, kann Schöttler verstehen. Die Gemeinde versuche alles, um das Personalproblem in den Griff zu bekommen. Gefeiert wird die Eröffnung natürlich trotzdem mit einem kleinen Fest am nächsten Samstag.