Grenzach-Wyhlen – Das schmucke Ensemble aus evangelischer Kirche und Pfarrhaus in der Rebgasse ist insbesondere jetzt im Frühjahr eine Augenweide, da üppiges Grün die beiden denkmalgeschützten Gebäude umgibt. Doch der Zahn der Zeit nagt an beiden und ohne den freiwilligen Gemeindebeitrag könnte der Unterhalt nicht gestemmt werden.

„Dieser Zaun wird jetzt lange halten“, sagt Pfarrer Alfred Klassen und streicht über die neuen weißen Latten, die das Pfarrhaus umgeben. Der alte Zaun – mit Holzbohlen befestigt – war stark verwittert und ließ sich auch mit Schliff und Lasur nicht mehr retten. „An diesem Haus laufen so viele Menschen vorbei, da ist so ein morscher Zaun einfach nicht gut fürs Image.“

Dank des großen ehrenamtlichen Einsatzes von Gemeindemitglied Winfried Schramm konnte der Zaun nun erneuert werden – für die Materialkosten aber war die Gemeinde auf Spenden angewiesen. „Unser Haushalt ist eng geschnitten“, so Klassen. Rund 150 000 Euro pro Jahr erhält die Gemeinde an Zuweisungen der Landeskirche, davon müssen auch laufende Gehälter für Sekretärin, Hausmeister und Kirchenmusiker gestemmt werden. Viel Spielraum für anderes bleibt da nicht. Umso wichtiger ist es deshalb der freiwillige Gemeindebeitrag, um den die Kirche einmal pro Jahr bittet – immer verknüpft mit konkreten Projekten, für die das Geld eingesetzt werden soll. „Dieser Beitrag hat ab 2016 das Kirchgeld abgelöst“, erklärt Klassen. Dieses wurde seit 2004 von einkommensstarken Mitgliedern fast schon eingefordert und auch eine erwartbare Höhe kommuniziert. Das neue Modell passt besser in die heutige Zeit, findet auch Klassen. „Jeder spendet, was er eben kann.“

2017 sind so etwa knapp 5200 Euro zusammengekommen, 2018 knapp 6900. Angeschafft wurden davon zum Beispiel 150 Exemplare des neu aufgelegten Anhangs zu den Gesangbüchern oder Veranstaltungen im Zuge des 500-Jahre-Reformation-Jubiläums finanziert. Das laufende Jahr hat seit der Versendung des Bittbriefs im März schon gut etwas eingebracht. Stand heute sind es 3855 Euro. „Das ist wirklich toll“, sagt Klassen. Viele der rund 2000 Mitglieder stünden der Gemeinde sehr nah und spendeten viel. „Das gibt uns Gestaltungsspielraum.“

Neben dem Zaun und einem Taubenschutz an den Kirchenfenstern – die Tiere hatten sich in die Mauervorsprünge der Kirchenfenster gesetzt und mit ihrem Kot alles verschmutzt – hat die Gemeinde auch in diesem Jahr um Unterstützung fürs ökumenische Jugendprojekt 10 plus geworben. „Das hatten wir bisher immer drauf.“ Wie berichtet, soll die Stelle des Jugendreferenten – 50 Prozent auf zwei Jahre befristet – wieder ausgeschrieben werden. Auch dies ist nur möglich über Spendengeld, denn für Jugendarbeit gibt es kein Budget.

Klassen wird indes nur noch einen Gemeindebrief für den freiwilligen Beitrag aufsetzen, denn im September 2020 geht er in den Ruhestand.

Der Gesamtgemeinde wird er jedoch erhalten bleiben – vielleicht auch als künftiger Gemeinderat der CDU. „An dem Tag, als Donald Trump Präsident der USA wurde, bin ich in die Partei eingetreten.“ Über sein Leben als Pfarrer in Rente haben er und seine Frau viel nachgedacht, auch ein Umzug wurde gedanklich geprüft. Aber: „Wir sind seit 17 Jahren hier und fühlen uns zuhause.“ Dazu trägt auch eine Enkeltochter bei, mit der Klassen viel Zeit verbringt.

Ausgeschrieben wird Klassens Stelle im Übrigen erst, wenn er wirklich „fort“ ist. „Die Gemeinde muss sich von einem Pfarrer auch erst lösen.“ Ob die Grenzacher dann eine ebenso lange Vakanz stemmen müssen, wie die Wyhlener (siehe nebenstehender Text) wird sich dann weisen.