Wer will fleißige Handwerker sehen? Der muss zu den Kindern gehen. Genauer gesagt, zum Kindergarten Löwenzahn. Der befindet sich noch im Rohbau, aber mittlerweile kann man schon ganz gut erkennen, wie das Gebäude einmal aussehen wird. Am Mittwochnachmittag feierten die beteiligten Bauarbeiter gemeinsam mit Gemeinderäten, Verwaltung, Planern, Erzieherinnen und natürlich den Kindern Richtfest. Wenn es weiter so gut läuft, soll der Neubau im April bezogen werden können.

„Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein“: 29 Kindergartenkinder und ihre Erzieherinnen brachten den Bauleuten mit dem bekannten Kinderlied ein pantomimisches Ständchen, in dem fast jedes Gewerk vorkam.

Einige der Kinder werden noch in den Genuss kommen, die neue Kindertagesstätte an der Schlossgasse zu beziehen. „Wir sehen euch wieder bei der Eröffnung“, verabschiedete Bauherr Tobias Benz die Knirpse und ihre Erzieherinnen, nicht ohne ihnen Danke für ihre Geduld zu sagen. Denn seit knapp drei Jahren arbeiten Leiterin Annette Westendorf und ihr Team unter erschwerten Bedingungen im Pavillon II der Bärenfelsschule.

Im Frühjahr aber werden sie – und die benötigten neuen Kolleginnen – in das aktuell teuerste Neubauprojekt der Gemeinde einziehen: 5,3 Millionen Euro kostet die Einrichtung, in der künftig vier Kindergartengruppen und zwei Krippengruppen untergebracht werden. Benz erinnerte in seiner kurzen Ansprache noch einmal daran, warum es keine Möglichkeit gegeben habe, den bestehenden Altbau zu sanieren: Schimmel, bröckelnde Bausubstanz und gestiegene Anforderungen an die Betreuung hätten den Neubau erforderlich gemacht.

Philipp Gersbacher und Norbert Dinse (rechts) beim Richtspruch.
Philipp Gersbacher und Norbert Dinse (rechts) beim Richtspruch. | Bild: Verena Pichler

Dieser füge sich architektonisch sehr gut ein und bilde eine Verbindung zum Emilienpark, so der Rathauschef. Ein kleines Extra sind die Außentoiletten, die später auch den Besuchern des Parks und dem nahegelegenen Spielplatz zugute kommen werden. Trotz des schönen Anlasses blieb für Benz ein bitteres Gefühl. „Eigentlich heißt es ja: Wer bestellt, bezahlt.“ Doch der Zuschuss vom Bund für die Kindertagesstätte sei mit 260 000 Euro verschwindend gering. „Von den laufenden Kosten will ich gar nicht sprechen.“ Doch als Zuzugsgemeinde und weil fast 60 Prozent der Eltern vom Rechtsanspruch auf Betreuung ihrer Kinder unter drei Jahren Gebrauch machten, sei dieser Schritt notwendig geworden.

Die Idee zum geschwungenen Gebäude stammt vom Architekturbüro Roller aus Breisach. „Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn die Idee greift“, sagte Architekt Friedemann Roller. Durch die Form ergebe sich für die Kinder ein „geborgener Raum“. Noch kurz vor dem Richtfest habe man bei einem Jour fixe über Farben und Materialien geredet.

Die geschwungene Idee des Gebäudes ist auch im Rohbau gut zu erkennen. <em>Bilder: Verena Pichler</em>
Die geschwungene Idee des Gebäudes ist auch im Rohbau gut zu erkennen. | Bild: Verena Pichler

Farben haben die bis hierhin beteiligten Bauleute zwar nicht interessiert – Materialien aber schon. „Die neue Zeit zeigt ihr Gesicht, ein Dach aus Holz, das seht ihr nicht“, verlas Philipp Gersbacher von der beauftragten Baufirma den Richtspruch vom Dach herunter. Stattdessen habe man mit Beton und Stahl gearbeitet – an der guten Tradition, zwischen „Spatenstich und Eröffnung“ (Benz) Richtfest zu feiern, habe sich aber nichts geändert.

Geschenke dürfen bei so einem Anlass auch nicht fehlen, und so gab’s für jedes Kind einen gelben Anstecker mit einem fröhlichen Handwerker und für Leiterin Westendorf und ihr Team von anderen Kiga-Leiterinnen süße Nervennahrung.

Die Handwerker wurden natürlich auch nicht mit warmen Worten und Applaus heimgeschickt, sondern bekamen kühles Bier und ein zünftiges Büfett mit Fleischküchle und Kartoffelsalat.