Grenzach-Wyhlen (goh) Kerstin Mehle und Fritz Rumpf aus Grenzach-Wyhlen produzieren Dokumentarfilme aus Leidenschaf. Ihre Wirkungsstätte ist das alte Im alten Postamt. Aktuell arbeiten Sie an einem Film über die Theatergruppe Tempus fugit, die sie für etwas ganz Besonderes halten.

„Wenn es das überall gäbe, würden wir das nicht machen. Aber das gibt es in ganz Deutschland nicht mehr, so etwas gibt es nur hier.“ Kerstin Mehle ist begeistert von der Theatergruppe Tempus fugit, die sich im ganzen Landkreis durch theaterpädagogische Jugendarbeit auszeichnet. „Es liegt uns am Herzen, das zu verbreiten und die Arbeit von Tempus fugit zu würdigen. Und wenn man weiter greift, so etwas vielleicht anderswo zu initiieren.“ Der Dokumentarfilm über die Theatergruppe befindet sich aktuell in der Planung. „Das ist hier erst unser drittes regionales Projekt“, ergänzt Fritz Rumpf. Er und Mehle haben schon für das Erziehungsdepartement in Basel mehrere Kurzclips gedreht und auch über den Migrantenchor Rising Spirits aus Kleinbasel einen 60-minütige Film gemacht.

Mehle und Rumpf arbeiten schon lange zusammen und sind quasi alte Hasen im Filmgeschäft. Die 56-jährige gebürtige Berlinerin Mehle hat an verschiedenen Universitäten ein Humanistikstudium sowie ein Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften absolviert, dann noch Bibliothekswissenschaft und Kulturmanagement. In den USA hat sie die Zusatzausbildung „Professional Writers Programme“ erworben, um schließlich in Basel ihren Doktor in Medienwissenschaften abzulegen. In die Region zog sie 2001, zunächst nach Basel.

Der 59-jährige Fritz Rumpf stammt aus Bayern. Er hat Germanistik und Romanistik studiert und war nach dem Studium als Journalist und Fotograf tätig. Er entdeckte seine Leidenschaft für die Fotokunst, veröffentlichte Bildbände und konnte auch als Schriftsteller Erfolge feiern. Seine Erzählung „Drei Frauen“ wurde mit dem Würth-Preis gewürdigt. „Wir arbeiten schon seit 1987 zusammen, obwohl ich erst 2014 nach Grenzach-Wyhlen gekommen bin“, erzählt Rumpf und Mehle meint mit Blick auf die Räume im alten Postamt, in denen die beiden produzieren : „Hier haben wir 2014 aufgemacht.“ Die Firma Plots Art International, eine Agentur für die Entwicklung von Film- und Fernsehformaten, gründete Mehle schon 1997, als sie aus den USA zurückkam. „Unser Anspruch war, das deutsche Fernsehen besser zu machen und wir haben auch sehr viele Formate in den 1990ern und 2000ern für eine ganze Reihe von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern initiiert“, erzählt Mehle. Die beiden haben als Drehbuchautoren an bekannten Formaten wie der „Lindenstraße“, „Marienhof“, „In aller Freundschaft“ oder „Hallo Onkel Doc“ mitgewirkt.

„Zu erst hatten wir journalistisch zusammengearbeitet, aber seit 1996 arbeiten wir im Drehbuchbereich zusammen“, erklärt Rumpf. Der größte künstlerische Erfolg der beiden war das Drehbuch zu „Der rote Priester von Venedig“, eine dramatisierte Biographie über Vivaldi, die 2004 für den Deutschen Drehbuchpreis nominiert wurde. Allerdings wurde das Drehbuch bis heute nicht verfilmt. „Mit den Dokumentarfilmen hier in der Gegend haben wir erst 2011 angefangen“, sagt Rumpf, die Arbeit im Dreiländereck nahm ihren Anfang mit Videodrehs für das Basler Erziehungsdepartement. In Berlin unterhalten die beiden noch ein Büro, von dem aus sie auch Langzeitprojekte verfolgen. Am Grenzacher Bahnhof haben sie schon einmal ein Musikvideo für eine Band aus dem Bonner Raum gedreht, sonst waren sie in ihrer Wahlheimat noch nicht aktiv.

Von der Fiktion haben sie sich mittlerweile wieder verabschiedet und widmen sich ganz dem Dokumentarfilm. „Dokumentarisch wird mehr gebraucht“, meint Mehle. Schon bei einem dreiminütigen Film steht mindestens eine Woche Arbeit für die beiden an. „Für einen Einminüter haben wir sogar einmal zwei Wochen gebraucht, weil der ganz präzise geschnitten werden musste“, erklärt Mehle. Ideen gehen den beiden nicht aus und gerne würden sie in den USA eine Doku über deutsche Exilanten wie Berthold Brecht oder Thomas Mann sowie eine Doku über die krassen Gegensätze von Arm und Reich auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles drehen. Erstmal geht es aber mit dem Film über Tempus fugit weiter.