Grenzach-Wyhlen (ger) Ein Exemplar ist immer dabei. Helmut Ruser holt die durchsichtige Plastikbox aus seiner Umhängetasche und zeigt sie: Der Asiatische Laubholzbockkäfer darin stammt aber nicht aus Grenzach, sondern aus seiner privaten Sammlung. Zum Glück. Denn sonst würde Alarm herrschen.

Doch ganz im Gegenteil: Die Suche nach dem Käfer, der so großen Schaden anrichtet, ist erfolglos geblieben, und das sorgt bei Patrick Kauschwitz für Entspannung. Das Landratsamt wird die Auflagen im Quarantänegebiet Ende Juni voraussichtlich lockern. Das betrifft Privatleute und Gärtnereien, die Grünschnitt haben. „Es besteht die Chance, dass wir den Holztransport lockern können“, sagt Förster Kauschwitz. Dann wird das Quarantänegebiet nur noch eine Beobachtungszone sein, und alles dort gemachte Schnittholz mit einem Durchmesser von mindestens einem Zentimeter braucht nicht mehr an die extra eingerichtete Annahmestelle gebracht, sondern kann wieder auf den Recyclinghöfen des Landkreises abgegeben werden.

Die Voraussetzung für die Lockerung der Auflagen ist, dass weiterhin keiner der berüchtigten Käfer gefunden wird. Kauschwitz organisiert die Jagd nach dem Tier, er ist optimistisch. „Wanted“ steht neben dem Bild des Gesuchten auf dem Flyer des Julius-Kühn-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Auch diese Broschüre mit den wichtigsten Informationen über den 2004 erstmals in der Nähe von Passau auf deutschem Boden und vor einem Jahr am Grenzacher Rheinufer aufgespürten „Misse-Käfer“ hat Ruser stets dabei. Er sucht wie Karl Hess im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg und Bernd Marterer (Landratsamt Lörrach) am Boden nach dem ALB, wie ihn die Fachleute in Kurzform nennen.

Der Fund des aus Ostasien stammenden Käfers hat eine große Suchaktion ausgelöst, zu Land, in Bäumen, im Reagenzglas und mit Sexualhormonen: Eier, Larven oder ausgewachsene Exemplare werden auch mit Spürhunden, Baumkletterern und sogar mit genetischen Untersuchungen im Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg bei Karlsruhe gesucht, bald werden auch noch Pheromonfallen eingesetzt.

Richtlinien verschärft

Die Europäische Kommission hat kürzlich die Zügel in ihren Richtlinien noch einmal enger gezogen: „Die neue Durchführungsverordnung hat es in sich“, sagt Kauschwitz. Sie ordnet vor allem eine größere Quarantänezone und häufigere Kontrollen an. Sie regelt auch, dass spezielle Holzarten, die noch eine Rinde tragen, nicht mehr in diese Zone gebracht werden dürfen, während bisher nur die Ausfuhr dieses Materials aus der Zone beschränkt worden war. Die Holzarten Ahorn, Platane, Rosskastanie, Weide, Pappel und Linde stehen laut Kauschwitz auf der Beliebtheitsskala des ALB ganz oben. Würde ein Exemplar in einem Ahorn oder einer Platane entdeckt, gibt Ruser zu bedenken, wäre der Schaden schlimm. Diese Baumarten kommen im Straßenbegleitgrün häufig vor. Ein Kahlschlag wäre dann wohl die Folge.

Die Baumkletterer sind voraussichtlich auf ihren letzten Strecken unterwegs. Zu viert schwangen sie sich vergangenen Mittwoch auf Bäume zwischen Heerweg und Bahnlinie bei der Kesslergrube. Für nächste Woche haben sie vor, noch einen Abschnitt südlich des Heerwegs zu beklettern, dann dürfte ihr Job in Grenzach erledigt sein und sie können sich ganz auf die Quarantänezone in Weil am Rhein konzentrieren. Dort, wo Schiffsladungen aus Asien ankommen, herrscht weniger Gelassenheit als in Grenzach, wo die Suche nach dem Fund zweier Eierhüllen und einer Larve im Gewann Hornboden keine Spur des ALB mehr hervorbrachte. Kauschwitz und Ruser sind voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit den Grenzachern. Die Bevölkerung habe sich als sehr kooperativ erwiesen. „Sie sind sehr interessiert und hilfsbereit“, stellt Ruser anerkennend fest. „Ich habe noch nie irgendwo Probleme gehabt, sondern konnte in alle Gärten rein.“ Er, Hess und Marterer sind permanent in den Gefahrengebieten unterwegs. Kauschwitz berichtet von vielen Anrufen bei ihm im Landratsamt. „Wir bekamen Fotos gemailt und wurden Dutzende Male gebeten bei Leuten vorbeizukommen. Sie arbeiten gut mit.“

Die Quarantänezone

Nach dem Fund des Asiatischen Laubholzbockkäfers an einer Weide im Grenzacher Gewann Hornboden richtete das Landratsamt Lörrach eine Quarantänezone mit einem Radius von einem Kilometer ein. Ende Juni werden die Auflagen voraussichtlich gelockert. Denn mehrere Verdachtsfälle auf weitere Funde bestätigten sich nicht. „Es können hier höchstens Einzeltiere unterwegs sein“, sagt Patrick Kauschwitz. Das Monitoring wird jedoch über die vollen vier Jahre hinweg aufrechterhalten.