Grenzach-Wyhlen – Sprühend vor Energie, schlagfertig und ein bisschen chaotisch – das ist die Kabarettistin Liese-Lotte Lübke. Mit ihrem Programm „Kopf in den den Sand“ hat sie ihr Publikum am Sonntag im Theater im Zehntkeller (TiZ) regelrecht in den Bann gezogen.

Auf Zetteln, die in einer Schachtel liegen, können die Besucher Antworten auf die Frage „Was würde ich tun, wenn ich tun könnte, was ich wollte?“ notieren. Als Unterstützung bietet Kabarettistin Liese-Lotte Lübke ein paar Leseproben aus vergangenen Shows. Darunter finden sich so amüsante Sätze wie „Ich würde meinem Mann einen Wohnwagen kaufen, damit er reisen kann und ich nicht mehr kochen muss“ und „Ich habe keine Probleme, meine Schwiegermutter wohnt im Altenheim“. Die Schachtel und eine Dose hat Lübke schon zu Programmbeginn auf die Bühne mitgebracht und beides auf dem E-Piano platziert, wo die zwei Gegenstände dann für lange Zeit verbleiben, von der Kabarettistin keines weiteren Blickes gewürdigt. Erst zur Pause hin offenbart Lübke dem Publikum, was es damit auf sich hatte.

In der Dose sind Lollis, von denen die Besucher in der Pause nehmen können. „Aber nur einen“, wie Lübke auffordert. Ihre Show „Kopf in den Sand“ ist gekennzeichnet von solchen kleinen Unberechenbarkeiten. Mal unterbricht sie einen Song für einen Witz, ist im engen Kontakt mit dem Publikum, dann spielt sie zwei Lieder hintereinander durch, ohne irgendetwas dazu zu sagen.

Die Message dahinter: Wehrt euch gegen enge Strukturen und festgefahrene Regeln. Die Künstlerin sprüht vor Energie und bezieht die Zuschauer sehr stark in das Programm mit ein. Die Stimmung ist gelöst und gelegentlich meint ein Besucher auch, einen witzigen Beitrag leisten zu müssen, den die wortgewandte Lübke schlagfertig aufgreift.

Lübke kann nicht nur messerscharfe Witze reißen und gezielt Pointen setzen, sondern wird auch immer wieder nachdenklich, thematisiert auch schwierige Themen wie Tod und Einsamkeit. In ihrem Song „Kopf in den Sand“ wird sie zudem politisch. Chefs, Spießer und Hundefriseure bekommen ihr Fett weg. Angesichts ihrer Erlebnisse mit der Arbeitsagentur entschuldigt sich Lübke bei der Deutschen Bahn für die anhaltende Kritik an ihrem Service. Und auch im vollbesetzten TiZ trete sie nur auf, weil jedes gute Kabarettprogramm eine Frauenquote habe.

Die 1989 geborene Lübke offenbart sich bei den musikalischen Einlagen als Gesangstalent mit schöner, voluminöser Stimme, die sie aber auch gerne verstellt, brummt und quietscht. „Der ganze innere Druck wäre weniger groß, also ein, zwei, drei – los“, fordert sie in einem Lied das Publikum auf, mal wieder Emotionen zu zeigen und nach Herzenslust zu schreien, was die Besucher dann auch tun. Lübkes Empfehlung: Macht es wie kleine Kinder, werft euch auf den Boden und schreit, wenn ihr euren Willen nicht bekommt. Lübke fordert dazu auf, das Leben zu umarmen und in vollen Zügen zu genießen.

Nach der Pause kann sich Lübke dann über zahlreiche neue Zettel freuen. „Ich würde mich so asozial geben, wie ich bin, und hätte zwei Lollies genommen“, liest sie vor und: „Ich würde meinem Chef sagen, dass er ein Waschlappen ist und nie wieder dorthin zurückgehen.“ Mit zwei Zugaben aus ihrem neuen Programm „Und wenn schon “ beendet die Künstlerin ihren Auftritt, das Publikum verabschiedet sie mit einem großen Applaus.