Herr Bauckner, was gibt es nach der Winterpause Neues in der Römervilla?

Natürlich unser Jahresprogramm, das neugierig machen soll, denn dieses Museum soll ja ein Begegnungsort sein und keine Gruft. Und die Gemeinde als Eigentümerin ist froh, wenn dieser wirklich einladende Ort belebt wird. Gefreut hat uns, dass wir schon an den ersten Öffnungstagen zahlreiche Besucherinnen und Besucher begrüßen konnten.

Hat man neue Exponate dazu bekommen oder etwas umgestaltet?

Nein, das nicht. Die Vitrinen wurden nur auf Hochglanz gebracht. Aber die interaktive Landkarte ist relativ neu, eine Karte vom römischen Weltreich mit Magnetstreifen. Da können die Kinder die Länder und Ortschaften zuordnen, das kommt gut an. Es gäbe schon noch Dinge, die mich reizen würden, aber wir sind räumlich begrenzt. Wir wollen ja auch noch freien Platz haben für Ausstellungen. Außerdem sind wir auf dem neuesten Stand, seit das Museum vor einigen Jahren mit großem Aufwand eine sinnvolle Gestaltung gefunden hat, die von allen Seiten gelobt wird. Auch von Fachleuten wird uns immer wieder bestätigt, dass diese Präsentation sehr gut, weil sehr verständlich ist. Sie hat einen roten Faden, die Texte sind informativ, sachlich, für jedermann zu verstehen. Das war ein großes Anliegen von mir, denn ich bin der Meinung, dass man Geschichte für jeden verständlich, greifbar und nachvollziehbar machen soll.

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Auf was wird bei den Führungen speziell hingewiesen?

Das ist sehr unterschiedlich und macht den Reiz einer Museumsführung aus, weil das Publikum ständig wechselt und es immer andere Schwerpunkte gibt. Ich hatte schon Kindergartenkinder hier, Archäologie-Studenten, Seniorenkreise, Schulklassen, Archäologie-Interessierte, aber auch Leute, die hier einen Geburtstag feiern mit Apéro. Man muss die Leute jeweils dort „abholen“, wo sie sind. Das macht es spannend.

Gibt es Themen, die in jeder Führung vorkommen?

Das Alltagsleben. Dieses Museum repräsentiert römischen Alltag vor 1900 Jahren hier in unserer Raumschaft. Nicht die große römische Geschichte, sondern die Geschichte des kleinen Mannes, der auf dem Wachstäfelchen Nachrichten verschickt, im Garten und in den Reben mit der Hacke arbeitet oder mit Münzen zahlt, oder der Frau, die kocht oder sich schmückt. Wie das Alltagsleben damals ausgesehen hat, das interessiert auch die Kinder. Außerdem ist es für Kinder immer schön, wenn sie selbst tätig werden können. Deshalb haben wir das Römerdach mit einem originalen römischen Ziegel, fast 2000 Jahre alt, und anderen Ziegeln, die wir als Kopien machen ließen. Damit dürfen die Kinder ein Dach decken. Das ist wirklich eine Attraktion. Auch der original nachgebaute Flaschenzug ist sehr beliebt. Und dann mache ich manchmal mit Gruppen Wachstäfelchen oder die Leute kriegen ein original römisches Öllämpchen, das sie anzünden können und ausprobieren, ob man damit im Dunkeln lesen kann.

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Was interessiert am meisten?

Viele Leute haben Fragen zur Architektur, zu den Mauern, ob die echt oder nachträglich wieder aufgebaut sind. Da haben schon manche Hobbyarchäologen gestaunt, dass wir bis über zwei Meter hohe Originalmauern haben. Das hat man selten. Oder sie sind fasziniert von den Marmor-Artefakten, oder dem Freskogemälde, das einen Krieger oder einen Gladiator zeigt. Die Leute wollen auch etwas wissen zu den Funden. Es ist das Allerwichtigste für mich, dass Kinder und Jugendliche motiviert werden, das Museum zu besuchen, weil es für mich etwas Wertiges ist, sich mit Geschichte zu befassen. Schließlich wird das Museum ehrenamtlich betrieben, da braucht es Leute, die sich auch künftig engagieren.

Welche Stücke sind historisch am bedeutsamsten?

Das Wandgemälde, das ist der bedeutsamste Fund. Dann die kunstvoll bearbeiteten Marmorkapitelle, von denen die Archäologen sagen, dass sie ein Hinweis sind auf den hohen Baustandard der Villa. Wir haben im übrigen nicht nur Funde aus Grenzach und Wyhlen, sondern auch aus Schwörstadt, Rheinfelden, Brombach. Die Münzen aus dem vierten Jahrhundert hat Paul Reinle in seinem Garten gefunden. Dann haben wir am Originalplatz eine römische Fußbodenheizung. Im Grunde genommen decken die Exponate einen großen Bereich an römischer Lebenskultur ab. Man kann es sich wirklich gut vorstellen, wie das Leben hier war.

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Wie ist die Besucherentwicklung?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Veranstaltungen die meisten Besucher ins Haus bringen. Mit der Laufkundschaft, die am Sonntag vorbeikommt, ist es schwieriger. In diesem Jahr hatten wir am ersten Öffnungstag 20 Besucher und am folgenden Sonntag 17. Das ist ein erfreulich guter Schnitt. Die meisten Besucher kommen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Was ist als Nächstes geplant?

Am 19. Mai wird eine Ausstellung von Konrad Grund aus Hausen eröffnet, der Collagen und Objekte aus Fundstücken zeigt. Zur Vernissage spielt der Geiger Jan Sosinski zusammen mit seiner Frau und dem Cellisten Cyprian Kohout Tangos. „Im Tangoschritt durch Europa“ habe ich das genannt.