Grenzach-Wyhlen – Ins Gespräch kommt sie selten, die Industriemessgruppe. Dabei besteht sie bereits seit 30 Jahren. Das war ein Grund, sie zu besuchen. Der zweite ist die Beschaffung eines neuen Messfahrzeuges. Als Heinz Meier und Dietmar Müller, Leiter und stellvertretender Leiter der Gruppe, am Dienstag das neue Auto bei DSM vorstellten, erinnerten sie an die Entstehung dieser heute unverzichtbaren Spezialgruppe.

Als 1986 der Großbrand bei Sandoz in Schweizerhalle wütete, konnte kurzfristig nur erkannt werden, dass das Wasser rot und die Luft verstaubt war. Doch welche Schadstoffe ausgetreten waren, wurde erst später in mühevoller Analyse festgestellt. Dass dies für den Schutz der Bevölkerung nicht ausreichend ist, wurde schnell deutlich.

Als Folgen wurden unmittelbar danach Löschwasserauffangbecken vorm Rhein und anderen Gewässern gebaut und Messgruppen gegründet. In der Schweizer Nachbarschaft gehören sie zu den Feuerwehren, auch bei den Feuerwehren in Lörrach, Rheinfelden und Weil bestehen solche Gruppen. Bei DSM wurde ein anderer Weg gewählt. „Wir haben doch genügend Chemiker in der Firma, die mit entsprechenden Geräten sehr schnell diese fachliche Arbeit erledigen können“, erklärt Müller. „Gleiches gilt für die benachbarte BASF. Also richteten wir mit Beschäftigten Messgruppen ein.“

Die Mitarbeiter erhalten für die Notfalltätigkeit neben ihrer eigentlichen Beschäftigung regelmäßige Fortbildung, in seltene Fällen – weil die Plätze dort knapp sind – an der Landesfeuerwehrschule, öfters bei den Industriefeuerwehren in der Schweizer Nachbarschaft oder bei Evonik in Rheinfelden.

Neben der Ausbildung ist die Ausrüstung weiteres Qualitätskriterium. Mit dem neuen Fahrzeug verfügt die Industriemessgruppe Grenzach-Wyhlen nun über die neueste Analysetechnik. Zur Ausstattung gehören zunächst mehrere Sammelsysteme zur Probenentnahme mit Aktivkohle, Silicagel, Spezialbeutel und anderes. Die aufgefangenen Proben werden sofort mit elektronischen Messgeräten auswertet, sie sind allesamt mit an Bord. Somit kann nach wenige Minute bereits eine Belastung oder auch Schadstofffreiheit festgestellt werden. Ebenfalls befindet sich im Auto das bereits 2017 beschaffte FTIR-Messgerät, das auf Basis der Infrarotspektroskopie arbeitet und die Ergebnisse direkt ausgibt. Vorgesehen ist das Messfahrzeug für Havarien in den Chemiebetriebe.

Sobald angenommen wird, dass dabei Schadstoffe das Werksgelände verlassen, rückt die Gruppe aus. Etwa 30 Messpunkte sind für beide Ortsteile ausgewählt. Dabei wurden die Hauptwindrichtungen und die erfahrungsgemäßen Hauptströmungsbewegungen berücksichtigt. Da das Fahrzeug auch in der Umgebung eingesetzt werden kann, sind für beide Rhei felden ebenfalls rund 40 Messpunkte vorbereitet. Tritt ein Notfall ein, erfolgt bereits im Werk die Alarmierung der Messgruppe. Über die Leitstelle des Kreises wird dann der Einsatz außerhalb des Werksgeländes festgesetzt.

Die Ergebnisse, so erläuterte Karl-Walter Bär, Leiter Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei DSM, werden unverzüglich über die Einsatzleitungen an die Feuerwehren weitergeleitet, damit diese entsprechend reagieren können. Ebenfalls gehen die Messwerte an die Leitzentrale im Kreis und an die Polizei, um bei Bedarf die Bevölkerung zu warnen. Den beiden Messgruppen bei DSM und BASF gehören jeweils acht bis neun Beschäftigte an. Bei größeren Ereignissen arbeiteten mehrere Messgruppen zusammen, der unmittelbare Informationsaustausch ist vorbereitet. Für die Gemeinde ist das neue Messfahrzeug insofern bedeutsam, da es auch bei Ereignissen auf kommunalem Territorium zum Einsatz kommt. Wenn beispielsweise Tankfahrzeuge auf Straße und Schiene bei Unfällen undicht werden und Schadstoffe ausströmen, wäre dies der Fall. Die Messeinheiten unterstehen dann dem lokalen Einsatzleiter. Interessant ist auch, dass bei Anforderung durch den Landkreis bei Gefahr im öffentlichen Raum keine Kosten verrechnet werden. „Dies ist Ausdruck unsere engen Partnerschaft mit der Gemeinde“, meinte Bär. „Für unsere Störfallvorbereitung können wir die unmittelbar nebenan gelegenen Wohnbereiche nicht unbeachtet lassen, sie gehören zu unsrem Gefahrenabwehrplan.“ Das neue Spezialfahrzeug löst das vorhandene alte aus dem Jahr 2006 ab. Mit den beiden Gerätesätzen können zwei Messstellen gleichzeitig bedient werden. Beschafft wurde das Fahrzeug von DSM für rund 110 000 Euro.