Grenzach-Wyhlen – Der Grenzacher Arno Schülke hat das Imkerhobby zum Broterwerb gemacht und vermietet Bienenvölker. Claude und Silke Sispele sind seine ersten Kunden. Für sie hat Schülke ein eigenes Volk zusammengestellt.

Vorsichtig tragen Schülke und Claude Sispele die gelbe Bienenbox in den Garten, wo der Bienenstock seinen künftigen Standort hat. Schülke öffnet den Bienen den Weg aus dem Stock, die ersten krabbeln heraus, fliegen los und entdecken ihr neues Revier im weitläufigen Garten an der Markgrafenstraße. „Wir haben circa 700 Quadratmeter Gartenfläche“, schätzt Claude Sispele. Die beiden sind im Pflegebereich tätig und betreiben die Weinhandlung 15. Der große Garten dient vor allem der Erholung, aber auch einige Obstbäume stehen dort. „Für uns ist es ein kleines Paradies. Es ist ein Privileg, so einen Garten zu haben“, sagt Claude Sispele.

Den Bienenstock haben sie bei Schülke gemietet. Schülke ist nicht nur Imker, sondern auch Vertragspartner von Bee-Rent, einem Unternehmen, das deutschlandweit Bienenvölker vermietet. „Für jeden Kunden wird ein neues Volk kreiert“, erklärt Schülke. Der Gedanke hinter der Geschäftsidee ist es, die Bestäubungsleistung der Bienen wieder überall hin zu bringen. Schülke ist dabei für ein Gebiet bis Konstanz im Osten und Ettenheim im Norden zuständig. Die Kunden bezahlen neben einer Aufstellgebühr eine monatliche Miete. Dafür kümmert sich der Imker um das Bienenvolk, entnimmt den Honig und macht den Stock winterfest. Die Honigabfüllung kostet nochmals eine Gebühr, dafür können die Gläser mit einem eigenen Etikett versehen werden. Je nach Mietverträge von zwei bis fünf Jahren bietet Bee-Rent unterschiedlichen Konditionen an.

Innerhalb von Grenzach-Wyhlen können nicht unbegrenzt neue Bienenstöcke aufgestellt werden, aber es gibt durchaus noch Potential, meint Schülke, auch da die Gemeinde neue Blühflächen angelegt hat, etwa im Bereich der Unterführung zum Zoll oder im Gebiet Fallberg. Die Sispeles sind Schülkes erste Kunden. Er hat das Gewerbe zum 1. Mai angemeldet und seinen alten Beruf als Kunststoffschlosser an den Nagel gehängt. „Im Prinzip habe ich mein Hobby zum Broterwerb gemacht“, sagt der 52-Jährige, der auch Bienensachverständiger des Landratsamtes Lörrach ist. Mit der Imkerei hat Schülke 2013 im eigenen Garten angefangen.

Einmal im Jahr wird der Honig geerntet. Der Ertrag dürfte je nach Wetterbedingungen zwischen fünf bis 30 Kilo liegen. „Im ersten Jahr wird es jetzt nicht so viel, weil der Frühlingshonig ausfällt“, sagt Schülke. Den Honig wollen die Sispeles in ihrem Geschäft verkaufen oder als Kundengeschenke verwenden.

„Zudem sind wir Honigliebhaber“, meint Silke Sispele. Die beiden hatten schon einmal einen Bienenstock im Garten stehen. „Der Obstertrag der Bäume war merklich besser“, meint Silke Sispele und ihr Ehemann ergänzt: „Das Obst ist aber gar nicht so wichtig. Es geht um den Gedanken der Nachhaltigkeit. Das hat mit Ökologie zu tun.“ Die Sispeles wollen damit einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten. „Bienen haben eine wichtige Funktion im Ökosystem. Ihr Aussterben muss verhindert werden“, sagt Claude Sispele.

Etwa drei bis vier Wochen braucht Schülke, um ein Bienenvolk zu erstellen und an den Kunden auszuliefern. Von der Geschäftsidee ist er überzeugt: „Das Bewusstsein für die ökologischen Zusammenhänge wächst. Ich denke, die Biene ist ein Thema, das im Moment sehr gefragt ist.“ Am Vermarktungskonzept feilt Schülke derzeit noch, hofft aber, dass sich das Modell herumsprechen wird. Silke Sispele fügt an, dass gerade Handwerk und Gewerbe durch das Mieten der Bienenvölker eine Vorbildfunktion in der Gemeinde einnehmen könnten.

Den Standort im Garten haben sie auch so gewählt, dass die gelbe Box gut sichtbar ist, um auch andere dafür zu animieren.

Infos im Internet:
http://www.bee-rent.de