Herr Paulus, wie war denn bisher die Resonanz auf die neue Ausstellung im Quellenhaus?

Der Zuspruch des Publikums war überraschend gut, insgesamt kamen rund 250 Besucher. Die Besucherzahlen schwankten von zwei an einem Sonntag bis zu 38 an einem anderen.

Und wie reagieren die Besucher?

Sehr aufgeschlossen, wie aus den zahlreichen Einträgen ins Gästebuch zu entnehmen ist. Die Gäste interessieren sich für die Geschichte des Grenzacher Heilwassers, einige ältere Einheimische kannten das schon und wollten mehr dazu erfahren, was davon noch erhalten ist. Jüngere und zugezogene Einwohner dagegen wissen nicht aus eigenem Erleben, dass hier mal Heilwasser abgefüllt wurde, sie waren durchweg sehr interessiert.

Ich konnte mit den Besuchern sehr intensive Gespräche führen. Gefreut habe ich mich über eine Gruppe türkischer Jugendlicher, die sich oft im Emilienpark aufhalten. Sie kamen als neugierige Gäste und hörten sehr aufmerksam zu.

Sie brachten schon bei der Eröffnung ins Spiel, dass künftig zum „Emilianum“ auch eine kleine Trinkhalle, die schon in den 70er Jahren angedachte Konzertmuschel und das Trottenhaus gehören sollten. Sprachen Sie mit Besuchern auch darüber?

Ja, die Idee findet guten Zuspruch. Die meisten Besucher sehen in solch einer Erweiterung eine erhebliche Belebung des Emilienparks, durchaus geeignet, um ein weiteres touristisches Ziel in der Gemeinde auszubauen. Um Betrieb und Erhaltung des „Emilianums“ auszubauen, möchte ich im Herbst gerne einen Förderverein gründen, der auch Spendenquittungen ausstellen kann, dann wäre sicherlich noch mehr zu bewegen.

Derzeit sind Sie aber auch mit der Vorbereitung der Wanderausstellung „Menschen im Krieg an Ober- und Hochrhein“ beschäftigt, wieweit sind die Arbeiten dafür fortgeschritten?

Die Wanderausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg und des Archivs de Departements du Haut-Rhin wird im Schulzentrum Grenzach-Wyhlen vom 21. September bis zum
7. Oktober ihre letzte Station haben.
15 Stelen zeigen das Leben der Einwohner während und unmittelbar nach Ende des I. Weltkrieges. Weitere 15 Poster kommen dann mit sehr lokalen Informationen dazu, damit wird der große Blick auf die Gesamtsituation links und rechts des Rheins für die Einwohner noch viel direkter.

Gibt es da auch persönliche Bezüge?

Auf jeden Fall, neben zahlreichen Information aus den hiesigen Archiven konnte ich noch ein Tagebuch auswerten. Ein aus Lörrach stammender Feldwebel namens Vogt beschrieb darin seine Kriegserlebnisse, begonnen hatte er in der Radfahrerkompanie Neubreisach. Nach einem Hinweis der Familie Rümmelin aus Wyhlen erlangte ich eine Kopie aus dem Deutschen Tagebucharchiv Emmendingen.

Die Ausstellung findet im Schulzentrum statt, werden Schüler auch direkt mit eingebunden?

Etwa zehn Schüler befassen sich mit Erkenntnissen und Aussagen zur Änderung der Meinung er Soldaten an der Front und der Bevölkerung zu Hause. Die Kriegsbegeisterung war auch hier im Sommer 1914 sehr groß, doch recht schnell schlug sie bei zahlreichen Einwohnern um. Das ist der Arbeitsgegenstand von etwa zehn Gymnasiasten, die dazu Materialien aus Archiven studieren.

Als im Vorjahr im Emilienpark „Klassikanderswo“ stattfand, gab es nebenan ein Informationszelt der Roche Pharma AG zur Unternehmensgeschichte, für Grenzach nur kurz angerissen. Ist das ein Thema, um im Hinblick auf das bevorstehende 125. Jubiläum von Roche in Grenzach mal dran zu bleiben?

Doch, bereits im September werden dazu im Quellenhaus einige Stelen zum Thema „Roche im 1. Weltkrieg“ zu sehen sein. Zur Finissage der Wanderausstellung führen wir beide Expositionen im Schulzentrum zusammen und Roche wird dann die sie betreffenden Stelen übernehmen. Das ist ja ganz im Sinne des Vereins für Heimatgeschichte, der mit der Gemeinde Mitveranstalter der Wanderausstellung und Unterstützer für das „Emilianum“ ist. Weiterhin fließen natürlich sehr viele Informationen aus früheren heimatkundlichen Forschungen ein, aus den Gemeindearchiven und zahlreichen Publikationen und für das Emilianum auch von Erhard Richter. Ihnen allen gilt mein Dank für die Unterstützung.

Fragen: Rolf Reißmann

Kurt Paulus möchte gerne einen Förderverein gründen.
Kurt Paulus möchte gerne einen Förderverein gründen. | Bild: Rolf Reißmann