Wer das Atelier von Gerd Jansen in der Schlossgasse in Grenzach-Wyhlen betritt, steht in einem lichtdurchfluteten Raum voller Papierarbeiten und Objekten. Seine neuesten Werke präsentierte der Künstler am Samstag, als er interessierten Besuchern Einblick in sein Kunstrefugium und sein aktuelles Schaffen bot und im Gespräch mit den Kunstfreunden erklärte, wie und mit welchen Materialien er arbeitet.

Vor zwei Jahren hat Jansen, ausgelöst durch den Umzug von Wyhlen nach Grenzach und die veränderte Ateliersituation, eine neue Werkgruppe begonnen. Seit August 2017 sind, wie er erzählt, 740 Zeichnungen, ebenso viele Collagen aus Papier und Karton und rund 70 Objekte entstanden. Jeden Tag fertigt Jansen eine Zeichnung und eine Collage an, für ihn hat das etwas von einem Tagebuch. So nennt er die Werkreihe „Bilderbuch einer neuen Erde“.

Wie er erläutert, mache er sich Gedanken um den Zustand der Erde, die unter der Zerstörung durch Menschenhand leidet. „Meine Bilder sind eine Art Seismogramme oder Röntgenaufnahmen vom Zustand der Erde“, beschreibt es Jansen. „Ich denke, dass sich die Erde irgendwie wird regenerieren müssen“. Der Künstler sieht die bedrohte Erde sinnbildlich als ein Wesen im Weltall, und in dem Projekt „Der schwarze Planet“ stellt er diese Gedanken bildlich dar als Visionen mit Strukturen und Formen, die an Mineralien oder Pflanzen erinnern. Der Titel schwarze Planet bedeute aber nicht, dass er nur schwarz sehe, so Jansen. Es seien keine zukünftigen Landschaften, die er gestalte, sondern eigene Welten aus Formen, in denen er den natürlichen Prozessen nachspüre, den Entwicklungen, wie sie auch in der Natur ablaufen. „Meine Bilder sind eine Art Röntgenaufnahmen vom Zustand der Erde.“

Das Material dafür sammelt Jansen zu Hause oder unterwegs: Papierreste, Kartonteile, Verpackungsmaterial, Pappe. Um den Besuchern zu zeigen, wie die Arbeiten entstehen, hat Jansen auf seinem Arbeitstisch zwei Stapel unfertiger und fertiger Collagen ausgelegt. So können die Besucher nachvollziehen, wie sich die ausgeschnittenen und aneinander geklebten weißen und schwarzen Flächen und Formen zu vieldeutigen Bildwelten neu zusammenfügen.

Vorherrschend sind Schwarz, Weiß und Grau, es werden aber auch farbige Papiere und Kartons eingearbeitet. Manche Flächen malt Jansen mit Filzstift gestisch aus. Der Künstler symbolisiert in diesen Arbeiten, wie sich die Erde verdunkelt und ein neues Leben aufbaut.

Die Zeichnungen in Bleistift und Tusche, erklärt er anhand einiger Exemplare auf dem Arbeitstisch, haben etwas Grafisches und sind linearer angelegt. Für jede Zeichnung wird eine Schablone geschnitten, die aus dem Zentrum heraus die Zeichenbewegungen, Linien und Formen gleichsam vorgibt. „Ich verwende kein Lineal“, sagt der Künstler über die kreisförmigen Zeichnungen, die in faszinierenden Variationen zu bewundern sind.

Die dritte Werkgruppe sind die Modelle, dreidimensionale Gebilde, die Jansen aus Draht, Karton, Pappe, Papier filigran konstruiert. In ihren vielfältigen Formen wecken diese skulpturalen Objekte verschiedenartigste Assoziationen an die Pflanzenwelt. Manche der zerknüllten Papierformen sehen wie Rosenhecken und Büsche aus, in feine Streifen geschnittene Papiere wie Farnwedel, andere wie Blumengirlanden. Das größte Objekt wirkt wie ein Baum voller Blätter. Auch Modelle mit Papprollen, Zeitungsseiten, rotem Geschenkpapier, Korken, feinen Holzplättchen, reine Drahtkonstruktionen und ein neues hängendes Objekt mit Licht sind in der Atelierschau zu entdecken.

Bei allem ernsten Hintergrund haben diese Arbeiten auch etwas Spielerisches, Filigranes, Luftiges, Leichtes, ja auch Poetisches. Spannend ist es, von Jansen Details über die Machart und die Materialien zu erfahren. Auch seine interaktiven Internetprojekte, die er in den letzten zwei Jahren etwas zurückgefahren hat, stellte Jansen vor. Die Besucher konnten sich an den Computer setzen und bei dem virtuellen Projekt „Bild-Konzepte“ selbst Bilder gestalten und Formen, Strukturen und Farben verändern.

Im November wird Jansen erstmals außerhalb des eigenen Ateliers die neuen Collagen, Zeichnungen und Objekte in einer Ausstellung in der Volkshochschule Rheinfelden zeigen. Am Samstag, 30. November lädt er dann wieder ins offene Atelier.

Das „Bilderbuch einer neuen Erde“ ist für ihn noch lange nicht auserzählt und hat „noch viel Potenzial“, wie der Künstler sagt.