Grenzach-Wyhlen – Plötzlich ging alles ganz schnell: Bis spätestens Ende Jahr sollte die Gemeinschaftsunterkunft in der Kraftwerkstraße abgebaut sein, so war es zwischen Gemeinde und Landkreis besprochen. Nun aber sind die Container bereits geräumt, die verbliebenen Bewohner, die keine Wohnung gefunden haben, sind in die Schildgasse nach Rheinfelden umgezogen. Der abrupte Abschied hat alle überrascht – auch Annette Grether.

Von den Einwohnern der Doppelgemeinde haben sich die verbliebenen Bewohner via Mitteilungsblatt verabschiedet. „Wir haben uns hier immer wohl gefühlt“, heißt es in dem kleinen Text, darunter ein Foto der Flüchtlinge. Und: „Wir sind traurig, dass es so kommt, denn wir wären gerne hier geblieben.“ Die Idee stammt von Annette Grether, zuständig für die Sozialbetreuung der Menschen. Seit mehr als zwei Jahren waren die Container in der Kraftwerkstraße ihr Arbeitsplatz. „Jetzt bin ich mit meinen Bewohnern in die Schildgasse umgezogen“, sagt Grether auf Nachfrage am Montag. 70 Menschen mussten innerhalb von zwei Wochen umziehen, 52 von ihnen haben keine Wohnung gefunden und kommen erst mal in der GU Schildgasse unter. „Für drei Familien mit Kindern konnten wir eine Bleibe in der Gemeinde finden“, sagt Grether. Die letzte Familie wird am Freitag ausziehen. „Unser Hausmeister ist nun dabei, die Container zu leeren.“ Dass die Gemeinschaftsunterkunft auf Zeit gemietet war, sei allen bewusst gewesen. „Dass es aber so schnell gehen musste, hat uns alle überrascht und tut auch weh“, sagt Grether. Erst sei seitens des Landratsamts der Auszug Ende Oktober anvisiert worden. „Dann hieß es Ende September und plötzlich Anfang des Monats.“ Grether erklärt sich den Zeitdruck mit Überkapazitäten in den übrigen Unterkünften. „Es kommen keine Flüchtlinge mehr, viele Plätze sind frei.“

Laut Torben Pahl, Pressesprecher des Landratsamt ist das nur ein Grund. Der andere seien bauliche Besonderheiten. Um das Grundstück für die Container vorzubereiten, wurde vor Baubeginn 2015 sehr viel Erde aufgefüllt, weil sich auf dem Gelände eine Senke befand. „Dieser Erdaushub muss nun raus, und das schafft man nicht eben mal so“, erläutert Pahl weiter. Um im Spätjahr keine Probleme mit dem Wetter zu bekommen, habe man sich für den frühzeitigen Beginn der Arbeiten entschieden. Auf dem Gelände möchte die Gemeinde gemeinsam mit Partnern sozialen Wohnungsbau realisieren. Das Mobiliar, wie Betten, Schränke oder Herde, wird eingelagert, für den Fall, dass man es zu einem anderen Zeitpunkt wieder braucht. „Die Container wurden von uns angemietet und gehen jetzt wieder zurück“, so Pahl abschließend. Anette Grether wird sich auch in Rheinfelden weiterhin um „ihre Bewohner“ kümmern sowie um die anderen Flüchtlinge in der Schildgasse. Auch der Helferkreis Amiko will weitermachen, weiß Anette Grether. „Bei einem Treffen nächste Woche wird besprochen, wie es weiter geht.“ Gegründet wurde der Helferkreis im Januar 2016, ab Februar folgte dann die Belegung der Gemeinschaftsunterkunft. Fortan unterstützten die Ehernamtlichen die Ankommenden bei Alltagsfragen, gaben Sprachkurse und boten Freizeitgestaltung an. Eine Kleiderkammer wurde aufgebaut, die zwischenzeitlich an den AWO-Kreisverband und sein Sozialkaufhaus Schatzinsel übergeben wurde.

Nach Grethers Einschätzung gab es in der Gemeinde zwischen den Geflüchteten und den Bewohnern keine Probleme. „Auch die Nachbarn waren von unserem frühen Wegzug überrascht und äußerten Bedauern.“ Vielleicht erfüllt sich ja für die Menschen, die nun vorerst in der Schildgasse leben, der Wunsch, den Grether im Abschiedstext formuliert hat: „Vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen, wenn sich für uns in Grenzach-Wyhlen eine Wohnung zur Anschlussunterbringung findet. Wir kommen gerne zurück.“