Gelöst, weil die stressigen Tage des Aufbaus vorbei sind und gespannt auf den anstehenden Besucherstrom standen die Teilnehmer der 5. Leistungsschau des Handwerker- und Gewerbevereins vor der Hochrheinhalle. Joachim Schlageter, Vorsitzender des Vereins, bedankte sich bei allen, die über Monate hinweg mitgeholfen hatten, dieses Spiegelbild von Handwerk, Handel und Dienstleistungen vorzubereiten.

„Wir möchten den Einwohnern unserer Gemeinde damit ein neues Angebot unterbreiten, um her einzukaufen und Aufträge erledigen zu lassen,“ sagte er. „Dabei möchte wir keinesfalls etwas vorschreiben, aber empfehlen und anbieten.“ Deshalb wählte der HGV auch das Motto „Wir kaufen offline“. Schlageter kam gleich darauf zu sprechen, dass es zwar bequem sei, vom heimischen Sofa aus zu bestellen, doch schon wenn dann unterbezahlte Zusteller die Pakete bringen, sollte das Nachdenken einsetzen. Wenn der Onlinehandel überhand nehme, zerstöre das die örtliche Infrastruktur, das bedeutet Schließung von Geschäften samt Verlust von Beratungsqualität und Wegfall von Arbeitsplätzen.

Schlageter lobte die Gemeinde für das erarbeitete Zentrenkonzept, damit seien Bedingungen geschaffen, die den anspruchsvollen Handel in den beiden Ortsmitten gewährleiste. An diese Bedingungen haben sich auch Händler an den Ortsrändern zu halten. Daher beobachte der Handwerker- und Gewerbeverein die Ausgestaltung der beiden Zentren mit Freude und Aufmerksamkeit. Damit werde das Angebot noch attraktiver und kundengerechter. Je mehr Geschäfte in den beiden Ortsmitten angesiedelt sind, desto kürzer blieben die Wege für die Kunden. Leider widmeten sich derzeit die politischen Parteien in Berlin zu wenig den Bedürfnissen der Bevölkerung, sondern befassten sich mehr mit sich selbst. Das führe dazu, das sich Protest artikuliert und ungeeignete, zu leichte Lösungen anbietet. „Lautstarke Minderheiten können ein Problem für Mehrheiten werden,“ meinte er. Deshalb sollte die Politik wieder auf einen praxisorientierten Kurs einschwenken. So sei es dringend angebracht, die Bürokratie für jene Firmen abzubauen die aktive Integrationsarbeit leisten.

Bertram Paganini, Geschäftsführer für den Bereich Unternehmensförderung der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee wies auf notwendige langfristige Überlegungen hin. Sowohl Wohnraumsituation als auch die Versorgung mit Plätzen in der Kinderbetreuung seien heute wichtige Standortfaktoren. Für die nächsten zehn Jahre wurde allein für Grenzach-Wyhlen ein Bedarf von weiteren 1300 Wohnungen ermittelt. Wer Fachkräfte halten und gewinnen möchte, muss auf diesen Gebieten Angebote unterbreiten. Angesichts des enormen Arbeitskräftebedarfs in den beiden Basler Kantonen sei ständige Zusammenarbeit mit den dortigen Politikern und Verwaltungen angebracht.

Paganini lobte die Gemeinde dafür, dass sie keine Handelsflächen an den Ortsrändern vergebe. Auch Bürgermeister Tobias Benz lobte, dass Handwerk und Gewerbe in der Gemeinde mit ihrer Vielfalt auch wichtige Nischen abdecken und gerade dabei Spitzenleistungen erbringen. Dank des guten Miteinanders sehe er der Gestaltung der neuen Ortsmitten sehr optimistisch entgegen. Noch für diesen Herbst sei für die neue Mitte Grenzach das Vergabeverfahren für Investoren vorgesehen, der Bebauungsplan werde im kommenden Frühjahr beschlossen.

Unmittelbar nach der Eröffnung nutzten zunächst die Aussteller selbst die Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Die meisten treffen sie sich im Alltag nur sehr selten. Mit Waren- und Beratungsangeboten sind Händler, Handwerker und Dienstleister bei der Leistungsschau vertreten. Zu den mehr als 40 Ausstellern gehören unter anderem Spielwaren, Schmuck, Apotheke, auch Fahrzeughäuser, Installateure, Gartenbau und Baugewerke, ebenso Obstanbau, Versicherungen und Immobilienhandel.

Die Leistungsschau ist Samstag und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Bei Anreise mit dem Linienbus und Vorlage des Fahrscheins erhalten die Besucher kostenlos eine Grenzach-Wyhlemer Pfandgugge, das ist die vom HGV gestaltete Einkaufstasche.