Grenzach-Wyhlen – Es ist sicherlich eines der aufwendigsten Ferienprogramme, das der Förderverein Kinder, Jugend und Kultur gemeinsam mit der Gemeinde je auf die Beine gestellt hat: Seit Montag bauen 75 Kinder auf dem Gelände des Turnerbundes ihre eigene Stadt . Neben jeder Menge Spaß sollen die Teilnehmer auch ein Gefühl dafür bekommen, wie Gemeinschaft funktioniert und aus welchen Bestandteilen eine Gesellschaft eigentlich besteht.

„Hallo Mia, wo ward ihr denn?“, ruft ein blondes Mädchen und sprintet zu ihrer Freundin, die gemeinsam mit Mutter und kleiner Schwester als letztes um kurz nach 9 Uhr auf dem Gelände ankommt. Das ist zu diesem Zeitpunkt schon gut gefüllt. Helfer des Werkhofs bauen Zelte auf, Kinder wuseln durch die Gegend, Betreuer sprechen sich nochmal ab. Bereits um 7.30 Uhr startete die „Stadt der Kinder“ mit einem gemeinsamen Frühstück.

An diesem ersten Tag schaut Bürgermeister Tobias Benz vorbei. Er kennt solche Projekte noch aus seiner Heimat. „Gengenbach macht das seit Jahren und als ich noch freier Mitarbeiter für eine Lokalzeitung war, habe ich oft darüber geschrieben“, sagt Benz. Er finde es toll, dass Kinder so sehr selbstständig erfahren, wie Gesellschaft funktioniere und dass jeder dazu seinen Beitrag leisten muss. Und so geht ein kollektives Stöhnen durch die Kinderschar, als ihnen Nikolay Tarassenko, Mareike Stächelin (beide Jugendreferat) und Alexandra Pfeiffer (Förderverein) erklären, dass sie von ihrem verdienten Geld gleich mal einen Teil Steuer abdrücken müssen. Kröten und Unken – so heißt die fiktive Währung – können sich die Kinder in verschiedenen Jobs verdienen.

Zum Bespiel in der Bank, wo sie am ersten Tag zunächst einen Tresor bauen, im Ordnungsamt, wo sie mit Warnwesten ausgestattet für reibungslose Abläufe sorgen, oder im Restaurant, wo sie helfen, das gemeinsame Mittagessen vorzubereiten. Genau das will Sophia gemeinsam mit ihrer Freundin machen. Deshalb war die Siebenjährige auch ziemlich geknickt, als sie bei der Auslosung im Rathaus-Team landet – so, wie alle anderen übrigens auch. Betreuer Jan nimmt’s mit Humor und versammelt seine Schützlinge, um mit ihnen ihre vorläufige Wirkungsstätte zu erkunden.

Im Rathaus ist auch die Arbeitsagentur untergebracht, wo sich die Kinder im Lauf der Woche melden können, wenn sie einen neuen Job machen möchten. „In welchem Beruf bekommt man am meisten Geld?“, fragt ein Junge und Bürgermeister Benz lacht herzlich. Aber – in der Stadt der Kinder verdienen alle gleich. Egal, ob Bürgermeister – der wird am heutigen Dienstag gewählt – oder die Mitarbeiter der eigenen Stadtzeitung samt Radiostation. Um dieses Projekt zu stemmen, hat es im Vorfeld viele Helfer gebraucht. „Der Turnerbund, der Werkhof und viele andere unterstützen uns großartig“, sagt Alexandra Pfeiffer. Und auch während der Woche opfern viele Erwachsene und Jugendliche ihre Freizeit.

So wie die 17-jährige Jasmin, die gemeinsam mit Sandra Sprissler in der Kreativwerkstatt auf Teilnehmer wartet. Dort können die Kinder Kleinigkeiten herstellen, die sie dann für ein paar Kröten verkaufen können. Außerdem soll eine Skulptur entstehen, die am Freitag versteigert wird. Dann nämlich öffnet sich ab 14 Uhr die Stadt der Kinder, und Eltern und Verwandte können sich umschauen, was die Sechs- bis Zwölfjährigen alles auf die Beine gestellt haben.

Auch Josef Gyuricza, Leiter der Sozialabteilung, wird dann nochmal vorbeischauen. „Ich bin ganz gespannt, was ihr in dieser Woche entwickelt“, sagte er zu Kindern. Denn dieses Projekt war seine Herzensangelegenheit. „Dass es jetzt geklappt hat, bevor ich nächstes Jahr in Rente gehe, freut mich sehr.“