Seltenen Besuch gab es bei der DSM zu begrüßen: Der Bischof der Evangelischen Landeskirche, Jochen Cornelius-Bundschuh, kam am Donnerstag zu Gesprächen in den Chemiebetrieb. Seit einigen Jahren sucht der Landesbischof auf diese Weise unmittelbare Begegnungen mit Beschäftigten von Industriebetrieben.

Bisher waren es zumeist kleinere Firmen, nun weilte er erstmals in einem internationalen Großkonzern. Mit Cornelius-Bundschuh kam der Wirtschafts- und Sozialpfarrer der evangelischen Landeskirche, Andreas Bordne. Beide Gäste erhielten von Geschäftsführer Martin Häfele sowie Betriebsratsvorsitzendem Michael Mattes und Stellvertreter Klaus Kessner Einblick in Produktion und soziale Bedingungen des Werkes.

In der Ausbildungsabteilung beschrieben Jugendliche ihre Motivationen für die Berufswahl, sprachen über Ausbildungsabläufe und Perspektiven bei DSM. Im Biotech-Center trafen die Gäste Katja Friedlin, eine junge Mitarbeiterin, die nach ihrer Ausbildung im Werk in den Bereich der Fermentation kam. Sie ist damit beschäftigt, Bakterienstämme für die Verbesserung der Vitamin B-Herstellung weiterzuentwickeln. Auch die Prüfung zugelieferter Rohstoffe fällt in ihren Aufgabenbereich. Mattes und Kessner verwiesen darauf, wie sich die Ausstattung der chemischen Industrie im zurückliegenden Jahrzehnt entwickelt habe. Durchweg mit elektronischer Datenverarbeitung verbunden, ausgeführt mit modernsten Behältnissen und Messeinrichtungen, hat sie keinen Bezug mehr zu früherer Laborarbeit. Die vorgeführten Fermentationsanlagen sind in der Lage, gleichzeitig Versuchsreihen und Probeproduktionen mit unterschiedlichen Zusammensetzungen und Bedingungen auszuführen.

Der Landesbischof interessierte sich für den Werdegang von Katja Friedlin. Ihre Zufriedenheit, so führte sie aus, komme auch durch die Vielfalt der Arbeit. Mit wechselnden Aufgaben und Materialien befinde sie sich in einem ständigen Lernprozess. „Die von Außenstehenden bemerkten großen Entwicklungsschritte laufen für uns ziemlich kontinuierlich ab“, beschrieb sie.

  • Die Umwelt im Blick: In einer Begegnung mit dem Leiter der Umweltabteilung der Firma, Denis Schlender, standen die Möglichkeiten zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes im Mittelpunkt. „Die Schwierigkeit besteht darin, den Schadstoffausstoß bei Einhaltung der zunehmenden Regularien zu erreichen“, beschrieb Schlender. „Aber wir haben einige wirksame Lösungen gefunden.“ So strebt das Grenzacher DSM-Werk an, die selbst erzeugte Biomasse künftig nahezu vollständig im eigenen Kraftwerk für die Energiegewinnung zu nutzen, ein weiterer Schritt zu Stromerzeugung ohne Kohlendioxidausstoß. Geschäftsführer Häfele verwies auf den diesjährigen Earthday. Zahlreiche Mitarbeiter hatten im Vorfeld Ideen zusammengetragen, um durch persönliches Verhalten kleine Entlastungen der Umwelt zu erreichen. „Ich war erstaunt, welche Fülle von Ideen zusammentraf, unsere Mitarbeiter beweisen gerade beim Umweltschutz enorme Kreativität“, lobte er. Schlender meinte, die Motivation der Mitarbeiter zur Durchsetzung des Umweltschutzes sei genauso wichtig wie Geld für die Maßnahmen. Dazu gehört auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Gemeinde.
  • Religion im Arbeitsalltag: „Für mich ist es wichtig, die Verbindung von Produktion und sozialem Wirken zu erkennen“, begründete der Landesbischof seinen Besuch in der Chemiefabrik. „Die Evangelische Kirche versucht stets, sehr nah an die unmittelbaren Lebenssituationen der Menschen heranzukommen, dazu gehört auch der Respekt vor allem, was der Nachhaltigkeit und der Lebensqualität dient.“ Cornelius-Bundschuh erkundigte sich auch, ob Religion im Unternehmen eine Rolle spielt. „Nein“, erwiderte Häfele, „dieses Thema lassen wir völlig heraus.“ Diese Neutralität sei wichtige Voraussetzung, damit die Beschäftigten aus 18 Nationen mit unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten problemlos zusammenarbeiten. „Unsere Grundwerte sind durchweg humanistisch“, ergänzte er.