Ein mulmiges Gefühl hat einige Bürger beim Gedanken daran beschlichen, dass das Versorgungsunternehmen Energiedienst (ED) neben der bisherigen Produktion von Ökostrom auch bald Wasserstoff in Wyhlen produzieren will. ED erhielt den Zuschlag für ein sogenanntes Power-to-Gas-Projekt. Zwei Anlagen sollen neu entstehen, ihr Betrieb ist jedoch noch nicht genehmigt. Noch fehlen dafür Baugenehmigungen.

„Bei Wasserstoff denke ich zuallererst an das Luftschiff Hindenburg und dann an die Raumfähre Challenger. Die jüngsten Ereignisse mit der Firma Rohner aus Pratteln haben mein Vertrauen in die Industrie nicht gerade gestärkt“, kommentierte Alice Zank den Artikel vom 23. Februar über die Pläne von ED und fragt: „Ist das alles überhaupt sicher?“ Energiedienst sagt: Ja. Die industrielle Anlage ist das zentrale Element des vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) koordinierten Leuchtturmprojekts. Die für Testzwecke vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) geplante 300-Kilowatt-Elektrolyse ist mit ihren Maßen von 208 Meter deutlich kleiner als die 2030 Meter große 1-Megawatt-Power-to-Gas-Anlage für die Wasserstoffproduktion und soll von 2017 an in den kommerziellen Betrieb gehen. Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg fördert das Leuchtturmprojekt mit insgesamt 4,5 Millionen Euro. Energiedienst wird mit einem Teil seines dort erzeugten Ökostroms regenerativen Wasserstoff produzieren. Dieser sogenannte eH2 soll dann in der Wasserstoff-Mobilität genutzt werden. Perspektivisch sollen allein mit dieser Industrieanlage mehr als 1000 Brennstoffzellenfahrzeuge klimaneutral mobil sein können.

Energiedienst hat vor, bei Informationsveranstaltungen, wahrscheinlich im Mai oder Juni, im Kraftwerk Anwohnern und anderen Bürgern in Experimenten zu zeigen, wie die Gefahr des Wasserstoffs einzuschätzen ist – deutlich geringer als Gas, Benzin und Diesel, wie Unternehmenssprecher Alexander Lennemann sagt: „Die freigesetzte Energie von Wasserstoff, falls er explodieren sollte, ist 70 Prozent geringer als bei Erdgas.“ Ebenso beruhigen kann das Wissen, dass Wasserstoff sich schnell verflüchtigt, wenn er in die Luft freigesetzt wird, so dass die Explosionsgefahr dabei relativ gering sei. Eine nennenswerte Mehrbelastung zum jetzigen Lastwagenverkehr durch Lieferverkehr zu und von den beiden neuen Anlagen sei nicht zu erwarten. „Wir gehen im Moment davon aus, dass es ein Lkw pro Tag ist“, teilt Lennemann mit. Für ED ist es vorstellbar, dass das Verkehrskonzept im Bereich des Kraftwerks angepasst wird, wenn dort neue Wohnbebauung entsteht. „Man könnte prüfen, ob das Verkehrskonzept optimiert werden kann, wenn das gewünscht wird, und bei der Planung berücksichtigen.“