Grenzach-Wyhlen (vep) Die meisten Eltern kennen das: Wer mit Kindern lange Autofahrten unternehmen will, muss um des lieben Friedens willen häufig ein ganz bestimmtes Lied in Dauerschleife hören, damit die Kleinen auf der Rückbank durchhalten. Das kann ganz schön auf die Nerven gehen. Genau so ging‘s auch Fabian Birzele und Heiko Trefzger. Deshalb haben die beiden Musiker beschlossen, eine eigene CD mit Kinderliedern zu produzieren. Derzeit läuft noch eine Crowdfunding-Kampagne der „Rollenden Steinchen“.

Die kleine Hannah ist fünf Jahre alt und schaut mit ihren blauen Strahleaugen und den blonden Haaren aus wie ein Engelchen. Dass dieses Engelchen aber auch mal zum Teufelchen werden kann, weiß Papa Fabian Birzele ganz genau. Bei einem veritablen Wutanfall der Tochter ist die Idee zu „Revolution“ entstanden, eines der zwölf Lieder, die auf der CD „Das Leben ist ein Wimmelbuch“ zu hören sind. „Ich bin ein kleiner Wüterich, am Liebsten sag ich: ich, ich, ich. Lieg‘ schreiend auf dem Boden rum, ich finde dich blöd und dumm“, lautet eine Zeile aus dem Song.

Birzele arbeitet als Bioinformatiker bei Roche und hat neben Hannah noch einen achtjährigen Sohn, Jonathan. Musik begleitet ihn schon sein ganzes Lebens. „Mit 13 Jahren fing das an, ich hab‘ in verschiedenen Bands gespielt, von Punk über Pop und Rock waren alle Genres dabei.“ Seit Birzele, der Gitarre und Klavier spielt, Vater ist, spielt sich die Musik nicht mehr in Kneipen oder Clubs ab, sondern eher im Keller seines Hauses. Dort hat er sich ein Studio eingerichtet.

„Ich habe schon viele Sachen geschrieben und arrangiert.“ Weil er Lust hatte, das wieder zu intensivieren, hat er bei Roche einen Zettel ans Schwarze Brett gepinnt: Sänger gesucht. Gemeldet hat sich Heiko Trefzger, Wirtschaftsinformatiker und Sänger der Band Station Four. „Ich dachte, wir machen Rockmusik“, sagt Trefzger. Merkwürdigerweise sei Fabian aber mit Kinderliedern aus dem Urlaub zurückgekommen.

Glück gehabt – denn herausgekommen sind zwölf Songs, die den großen und kleinen Alltag von Kindern, aber auch Eltern widerspiegeln. „Stinktier“ handelt von der Waschweigerung kleiner Kinder, die lieber vor sich hin müffeln und die das bisschen Dreck im Gesicht gar nicht stört. „Angeber“ ist selbsterklärend, denn jedes Kind kenne schließlich einen Angeber vom Spielplatz, so Birzele. Es gibt Lieder über Freundschaft, über Fantasie und kleine Monster – eingesungen von Trefzger, der befreundeten Sängerin Carina Pusch und den Kids Hannah, Jonathan sowie Fiona und Linn, die Töchter von Trefzger.

Anspruchsvoll sind nicht nur die Texte, sondern auch die Musik. „Viele Kinderlieder werden schnell produziert“, sagt Trefzger. Kinder seien es gewohnt, dass dafür häufig bekannte Melodien aus den Charts umarrangiert würden. „Als meine Töchter unsere Musik das erste Mal gehört haben, wollten sie immer wissen, von wem das denn sei“, erinnert er sich. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, dass die Melodien in Birzeles Kopf entstanden sind. Am perfekten Klang haben die Musiker lange gefeilt und auch ungewöhnliche Instrumente eingebaut. „Bei ‚Dromedar Sansibar‘ fehlte noch irgendwas. Also haben wir den Klang einer Sitar benutzt“, erklärt Trefzger.

Ein Lied auf der CD ist besonders für die Eltern gedacht. „Kleines Kind“ beschreibt das viel zu schnelle Großwerden der Kleinen. „Die Zeit vergeht so g‘schwind“, singt Carina Pusch mit bayrischem Zungenschlag, die Sängerin stammt aus Bad Tölz. „Ich hab‘ geheult, als ich es das erste Mal von ihr gehört habe“, gibt Trefzger, der in seiner Jugend auf „siebenminütige psychodelische Rockinstrumentals“ gestanden hat, freimütig zu. Gefühle, die wohl alle Eltern nachvollziehen können.

Vielleicht ist auch das der Grund, warum das Crowdfunding-Ziel von 500 Euro innerhalb kürzester Zeit erreicht war. Damit wollen Trefzger und Birzele die Produktionskosten decken. „Ich hab‘ schon so viel produziert und immer draufgezahlt. Bei diesem Projekt wollte ich das nicht“, so Birzele. Seine bisherigen Songs hat er häufig auch bei dem digitalen Musikdienst Spotify hochgeladen. „Das ist aber irgendwie seelenlos.“ Deshalb wird „Das Leben ist ein Wimmelbuch“ als CD produziert mit Booklet und buntem Cover, gemalt von Trefzgers Cousin. Die genaue Stückzahl steht noch nicht fest. Beide Väter bestätigen, dass ihre Kids gerne noch CDs hören. „Die kann man anfassen, im Booklet blättern, die Hülle kaputt machen, eine neue kaufen “, sagt Trefzger. Das sei doch was ganz anderes als „Alexa, spiel‘ Kinderlieder“ zu sagen, meint Birzele dazu.

Obwohl das Wimmelbuch noch nicht auf dem Markt ist, feilen die beiden schon am nächsten Projekt. Wird‘s diesmal Rockmusik? „Nein, wieder Kinderlieder“, sagen Trefzger und Birzele lachend.