Es war ein langgehegter Wunsch der Werkhofmitarbeiter, der sich nun erfüllt hat. Ein digitales Baumkataster hilft dabei, den Zustand aller gemeindeeigenen Bäume zu erfassen. Bislang wurden 2000 Bäume katalogisiert, rund 500 fehlen noch.

Der Baum mit der Nummer 220 029 ist 15 Meter hoch, sein Stamm hat einen Umfang von 138 Zentimetern und seine Funktion ist Straßenbaum. Er ist eine Sommerlinde, und wurde 1980 am östlichen Straßenrand des Gmeiniwegs gepflanzt. Er weist leichte Schäden am Stamm auf, ist aber ansonsten vital und sicher. Alle diese Informationen bekommt Reimar Weisheit mit einem Mausklick geliefert – und zwar über jeden gemeindeeigenen Baum, egal, ob der am Straßenrand steht, auf einem Spielplatz oder Friedhof.

Raimar Weisheit
Raimar Weisheit | Bild: Verena Pichler

Verkehrssicherheit

Bislang wurden die Daten von rund 2000 Bäumen erfasst, demnächst folgt eine weitere Runde. „Wir landen dann schätzungsweise bei insgesamt 2500 Bäumen“, sagt Weisheit, der seit fünf Jahren den Werkhof leitet. In das Thema Bäume hat sich der 41-Jährige regelrecht eingefuchst und viel Wissen angelesen. „Ich finde das Kataster spannend und wirklich sinnvoll.“ Denn damit wird nicht etwa die Archivierungslust befriedigt; die Datei hat einen ernsten Hintergrund. „Die Gemeinde ist verpflichtet, für die Verkehrssicherheit zu sorgen“, erläutert Weisheit und öffnet eine neue Suchmaske im Kataster. „Fällt ein morscher Ast zum Beispiel auf einen Kinderwagen oder ein Auto, sind wir gleich im Bereich von Haftungsfragen.“ In den vergangenen Jahren seien die Vorschriften noch weiter verschärft worden. „Wir müssen da strikt hinterher sein.“

An der Talstraße stand bis vor Kurzem ebenfalls ein großer, alter Baum. Dieser war nicht mehr sicher und musste gefällt werden.
An der Talstraße stand bis vor Kurzem ebenfalls ein großer, alter Baum. Dieser war nicht mehr sicher und musste gefällt werden. | Bild: Pichler

Natürlich hat der Werkhof schon vor der Digitalisierung die Bäume kontrolliert. Dank des neuen Systems ist die Verwaltung jedoch erheblich einfacher. Und auch deutlich erkennbar, welcher Baum überhaupt in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde fällt. „Wir können und wollen nur das machen, was uns gehört.“ So pflegt und haftet die Gemeinde zum Beispiel die Linden am Gmeiniweg auf östlicher Seite. Die Bäume am westlichen Straßenrand gehören der Roche.

Weisheit hat insgesamt vier Kategorien erstellt: sicher, zweifelhaft, herstellbar und unsicher. Weisheit gibt dieses Schlagwort in die Suchmaske ein, wenige Sekunden später erscheint auf seinem Bildschirm eine Liste von 27 Bäumen, die nach der Untersuchung den „roten Punkt“ bekommen haben. „Die Liste ist nicht mehr aktuell, die meisten dieser Bäume sind schon weg.“

Bäume sind in einem guten Zustand

27 von 2000 – das ist ein guter Wert. „Die Experten haben uns bestätigt, dass unsere Bäume in einem guten Zustand sind und gut gepflegt wurden“, sagt Weisheit nicht ohne Stolz. Bekommt ein Baum das Prädikat sicher, wird er turnusmäßig einmal im Jahr kontrolliert. Unter wiederherstellbar verstehen Experten, dass mit gewissen Maßnahmen der Baum erhalten werden kann, etwa über Wurzelpflege. Manche Bäume aber, die von außen noch frisch und vital wirken, sind nicht zu retten. „Wenn Wurzelschäden in großem Umfang vorliegen, ist der Baum nicht mehr standfest, auch wenn man es ihm nicht ansieht“, erläutert Weisheit.

Jeder Baum bekommt eine Nummer.
Jeder Baum bekommt eine Nummer. | Bild: Verena Pichler

Ein Baum aber erweckt den Anschein, als könne er alles überleben. Laut Kataster ist er der älteste, den die Gemeinde je gepflanzt hat. Die Rosskastanie steht seit 1870 am De-Bary-Weg. Ein verwittertes, schmiedeeisernes Tor und eine verfallene Steineinfassung zeugen davon, dass dieser Baum einst einen Platz beschirmte. „Früher war hier ein Brunnen“, sagt Weisheit und fährt über den knorrigen, knotigen Stamm des Riesens. Dem geht es gut, allerdings muss seine gewaltige Krone mit Stützbändern gesichert werden, die ebenfalls regelmäßig kontrolliert werden. Da unter den Werkhof-Mitarbeitern kein ausgebildeter Baumkletterer ist, übernehmen das Experten.

Experten

Und manchmal ziehen Experten auch Experten zurate. Denn so vielfältig der Baumbestand der Gemeinde ist – neben Eschen und Linden stehen hier kanadische Pappeln, chinesische Birnen, Ginkos und Götterbäume – so vielfältig sind auch die Schäden und Krankheitsbilder.

Das reicht von Pilzbefall an den Wurzeln über sogenannte Wipfeldürre bis hin echten Verletzungen. An einem Baum zum Beispiel ist im Kataster vermerkt: Bauschaden. Damit kann gemeint sein, dass der Baum Wurzelquetschungen davon getragen hat, weil schwere Baumaschinen immer und immer wieder darüber gefahren sind. Muss die Gemeinde Bäume fällen, wird mit Neupflanzungen für einen Ausgleich gesorgt.

„Wir entscheiden dann je nach Standort, welcher Baum gut passen würde“, sagt Weisheit. Dabei komme es etwa auf den zur Verfügung stehenden Platz an, oder auch die Funktion des Baumes. „Auf einen Kinderspielplatz würden wir keine Obstbäume pflanzen, wegen des Fallobsts.“ Und natürlich ist jede Neuanschaffung auch mit Kosten verbunden. „Für einen zahn Jahre gewachsenen Baum müssen Sie schon was hinlegen“, sagt Weisheit. Und auch wenn das Budget nicht alles zulässt: „Wir achten darauf, dass wir gute Bäume kaufen.“