Unter tosendem Beifall und lautem Gejohle ging am Donnerstagabend die erste Open Stage zu Ende. Gemeinsam mit der Musikschule veranstaltete die Volkshochschule im Theater im Zehnthaus ein tolles und überaus überraschendes Event.

Bei der sogenannten Open Stage gehört die Bühne ganz denen, die sich trauen, erstmals und völlig eigeninitiativ vor Publikum aufzutreten und ihr Talent zu zeigen. Konnte die erste Auflage mangels Teilnehmer vor zwei Jahren nicht stattfinden, war nun nicht nur das Programm bestückt, sondern auch die Zuschauerreihen. Im dicht gefüllten Gewölbekeller des Zehnthaus waren sogar die Treppenstufen mit gespannten Gästen besetzt. Das Programm war zwar nur musikalisch, sparte hierbei aber fast kein Genre aus. So konnten die Gäste Darbietungen von „Jimi Hendrix“, Jazz, Blues, Deutschrock und auch Popmusik lauschen.

Durch das Programm führte VHS-Leiter Henning Kurz, der mit seiner witzig-charmanten Moderation die teilnehmenden Künstler animierte und ihnen etwas von der Aufregung nahm. „Ich war super aufgeregt“, sagt die 16-jährige Helma Pöppel nach der Show strahlend. „Aber das Gefühl nach dem Auftritt ist einfach unbeschreiblich toll.“ Die Überwindung war groß, doch der Glauben an sich, ihren Gesang und ihr Gefühl für Musik gaben ihr die nötige innere Ruhe und Stärke ihren Song „High Five“ der norwegischen Sängerin Sigrid zu performen.

Und so sang Helma enorm stimmgewaltig und mit derart viel Hingabe den eigentlichen Popsong a capella, ohne jegliche instrumentale Begleitung. Der andauernde Applaus danach war die beste Gage, die sich die junge Sängerin wünschen konnte. „Musik ist schon immer in mir“ erzählt die 16-Jährige, die auch Cello spielen kann. „Weil singen eben von klein auf mein Ding ist, nehme ich seit vier Jahren regelmäßig Gesangstunden.“ Wie man hörte, mit absolutem Erfolg.

Marcel Köberlin und Richard Schönemann gehören ebenfalls zu den jüngeren Künstler, begeistern sich aber total für Jazz und bieten diesen gekonnt mit coolen Gitarrenakkorden dar. Selbst Henning Kurz zieht den Hut vor den beiden und ihrer Musikleidenschaft.

Ein ganz alter Hase im Geschäft ist Udo Lindenberg alias Matthias Spelge-Nierholz, wie er im wahren Leben heißt. Sein großes Vorbild imitiert er hervorragend und vor allem authentisch. Mit der lebenslustigen Nummer „Mach dein Ding“ sorgt er für Jubel beim Publikum. Nicht nur der Text ist fast allen bekannt und lässt viele mitsingen, auch „Udo‘s“ Art schlägt ein. Spelge-Nierholz wirft sich in die Menge und singt nicht nur für die Gäste, sondern auch mit ihnen.

Einen Klassiker hat sich Karin Münch ausgesucht. Sie ist in der Welt herumgekommen und auch länger in New York hängengeblieben. Und so performte sie ihr Lied „Cabaret“ mit Steppschuhen, Tanz und dem nötigen Swing. Ursprünglich von Liza Minelli gesungen, stammt der Song aus dem gleichnamigen Musical. Der Song beschreibt, dass es lohnend ist, den gewohnten Alltagstrott abzulegen und sich den schönen Dingen, die einem Spaß machen, zu widmen.

Der Abend im TiZ hat diesen Gedanken mit Leben gefüllt und Künstlern, die andere Menschen mit ihrer Leidenschaft mitreissen möchten und können, dafür eine Möglichkeit gegeben. Nach einer gelungenen Veranstaltung erklärte Henning Kurz alle Teilnehmer zu „local heroes“ und bedankte sich sehr herzlich für deren Darbietungen und vor allem für den Mut, den es dafür braucht. Weitere Open Stages sind nach diesem Erfolg geplant – da capo!

Die Veranstaltungen im Internet: http://www.tiz-gw.de