Grenzach-Wyhlen – Schlechte Sicht auf die Straße, fehlende Zebrastreifen, ungenügende Beschilderung: In der Doppelgemeinde gibt es aus Sicht der Verwaltung aber auch vieler Bürger einige Schwachstellen im Verkehr. Alle zwei Jahre unternimmt die Gemeinde daher mit Vertretern anderer Behörden, Ämter, Polizei und Gemeinderatsmitgliedern eine Begehung zu diesen Hotspots, um Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. So auch am Dienstag – Beginn 8 Uhr.

„Wer kam auf die Idee, so früh anzufangen?“, fragt FDP-Gemeinderat Peter Endruhn-Kehr, der sich kurz vor 8 Uhr vor dem weißen Gemeindebus am Haus der Begegnung aufpostiert hat. „Wir beginnen immer so früh, damit wir auch fertig werden“, antwortet Alessa Mutter, stellvertretende Ordnungsamtsleiterin. Denn die Liste der abzuarbeitenden Punkte ist lang, bis etwa 17 Uhr wird der Bus durch die Gemeinde touren. 15 Stellen hat sich die Gruppe für den heutigen Tag vorgenommen. „Aber das ist nur ein Auswahl, wir müssen priorisieren“, so Bürgermeister Tobias Benz. Wollte man alle Anregungen aufs Mal anschauen, „wären wir in drei Tagen noch nicht fertig.“

Bushaltestelle Gleusen

Den ersten Stopp macht der Bus am Hieber in Grenzach. Eine Anwohnerin wünscht sich zusätzlich zur vorhandenen Querungshilfe einen Zebrastreifen, damit Fußgänger gefahrlos über die vielbefahrene Straße kommen. Schnell sind sich die Verkehrsexperten aber einig: An dieser Stelle ist ein Zebrastreifen nicht zu machen. „Der muss rechtlich vor der Bushaltestelle liegen“, erklärt Ordnungsamtschef Jürgen Käuflin. Das hieße, die Wartehäuschen zu versetzen. Außerdem müsste dann die Verkehrsführung für Radfahrer geändert werden, da diese Verkehrsteilnehmer nicht über den Zebrastreifen fahren dürfen, über die Querungshilfe aber schon. Die Investition – Markus Ludwig vom Bauamt schätzt um die 80 000 Euro gesamt – wäre nicht verhältnismäßig, zumal dort noch keine Unfälle passiert seien. Doris Munzig vom Landratsamt gibt außerdem zu bedenken, dass mit dem Bau der Ortsumfahrung die Straße herabgestuft und weniger Verkehr aufkommen werde.

Bushaltestelle Im Rippel

Ganz anders bewertet wird indes die Situation am ehemaligen Bahnübergang am Hörnle. Auch dort gibt es an der neuen Bushaltestelle Im Rippel bislang nur eine Querungshilfe, aber keinen Zebrastreifen. Zudem fehlt die Markierung an der Insel, so dass Fußgänger nicht sehen, wo ihr Haltebereich endet und die Straße beginnt. „Weil hier sehr viele Schüler die Straße queren, um zu den Bussen zu gelangen, ist das gefährlich“, so Käuflin. Heinz Intveen (SPD) regt an, ein Schild anzubringen, das Autofahrer frühzeitig auf den Zebrastreifen hinweist. „Da die Stelle oberhalb liegt, sieht man das nicht, wenn man von Grenzach Richtung Zoll fährt.“

Bushaltestelle Hornrain

„Wir haben‘s gut gemeint, aber schlecht durchdacht“, sagt Jürgen Käuflin bei einem anderen Hotspot. Um es Radfahrern und Fußgängern leichter zu machen, von der Bundesstraße auf den Hornrain einzufahren, wurde die Bordsteinkante barrierefrei abgesenkt. Diesen Umstand nutzen nun aber auch viele Autofahrer, um über den Gehweg von und auf die Bundesstraße zu fahren. „Das sind schon seltsame Menschen“, sagt Munzig kopfschüttelnd. Die Lösung aber ist einfach und wird rasch umgesetzt: drei Poller werden dieses Schlupfloch schließen.

Gisiweg/ Im Rippel

Ebenfalls schnell eine Lösung parat haben die Verantwortlichen für zwei Anwohnerinnen des Gisiwegs. Sie schildern, dass seit der Bahnübergang geschlossen wurde, viele ortsunkundige Autofahrer in das Gebiet einfahren, weil sie glauben, dass dort eine Durchfahrt nach Basel besteht. „Häufig lotsen die Navigationsgeräte sie auch hier hin“, erklärt eine der Frauen. Genervt von der Falschfahrt würden diese häufig zu schnell wegfahren, was eine Gefahr für die Anwohner, aber insbesondere für die Kinder sei. Die Gemeinde wird nun ein großes Sackgassenschild auf Höhe der Shishabar anbringen. Außerdem wird das Bauamt die neue Verkehrsführung an die Hersteller der Navigationsgeräte melden. „Das kann aber bis zu einem Jahr dauern, bis es aktualisiert wird“, so Käuflin.

Verkehrsberuhigte Zone

Den zweiten Wunsch der beiden Mütter aber wird die Gemeinde nicht erfüllen. Sie erhoffen sich für den Bereich Gisiweg eine verkehrsberuhigte Zone. „Unsere Kinder spielen auf der Straße, es gibt keinen Gehweg und keinen Spielplatz.“ Letzteres wollen die Gemeindevertreter nicht gelten lassen und führen die beiden ins Neubaugebiet Hornacker, nur einen kurzen Fußmarsch entfernt. Dort entsteht gerade eine Spielfläche, die auch die Kinder aus umliegenden Häusern nutzen können. „Eine verkehrsberuhigte Zone können wir hier nicht machen“, so Käuflin. Gesetzlich sei geregelt, dass sich solche Zonen erheblich von anderen Straßen unterscheiden müssen. „Das ist hier nicht gegeben.“ Ein Umbau würde gut gerne 500 000 Euro kosten.

„Sie können das beantragen und der Gemeinderat wird dann darüber entscheiden.“ Wie schlecht die Karten aber für ein befürwortendes Votum stehen, machten alle Gemeinderatsmitglieder – neben Intveen und Endruhn-Kehr waren noch Ulrike Ebi-Kuhn (CDU), Heinz Quandt (Freie Wähler) und Ingrid Fränkle (Grüne dabei – deutlich. „Das wäre absolut unverhältnismäßig“, so Endruhn-Kehr.

Hörnle

Eine schöne Überraschung gibt‘s dann noch am Hörnle. Urs Hafner hat gemeldet, dass die Ausfahrt aus der Stichstraße hinterm Gasthof Waldhorn auf die Bundesstraße nur möglich sei, wenn man den Radschutzstreifen überfahre, was zu gefährlichen Situationen führe. „Kann man den nicht verlegen oder unterbrechen?“, will Karlheinz Quandt wissen. Das aber ist für Benz die schlechteste Lösung. „Das ist doch blöd, jetzt, da wir in neu gemacht haben und es endlich ordentlich aussieht.“ Letztlich einigt sich Gruppe darauf, den Vorschlag von Hafner zu versuchen und auf der gegenüberliegenden Seite einen Spiegel anzubringen – auch wenn Käuflin kein Fan dieser Einrichtungen ist. „Spiegel verzerren das Bild, man muss die beheizen, damit sie nicht anlaufen. 6000 Euro kostet das bestimmt“, so der Ordnungsamtschef, der nur Sekunden später aus dem Staunen kaum rauskommt. „Wenn der Spiegel kommt, spende ich dafür 1000 Euro“, so Hafner.