Grenzach-Wyhlen – Zum zweiten Mal nach 2014 dürfen Jugendliche ab 16 Jahren bei der Kommunalwahl ihr Kreuzchen setzen. Um ein bisschen Licht ins Dunkel der vielen Kandidaten, Ortsvereine und Wahlmöglichkeiten zu bringen, haben Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums gemeinsam mit ihren Fachlehrern eine Podiumsdiskussion organisiert.

  • Das Podium: Im Halbkreis sitzen die amtierenden Gemeinderäte Alexander Drechsle (CDU), Annette Grether (Grüne) und Tilo Levante (FDP) sowie die Kandidatinnen Katja Schäfer (SPD) und Carola Lambelet (Freie Wähler). Jeder Ortsverein ist somit vertreten, um den Besuchern ein Bild der verschiedenen Positionen zu ermöglichen.
  • Das Publikum: Viele Schüler, Eltern und interessierte Bürger nutzen die Einladung, um sich zu informieren und auch die Ortsvereine sind mit vielen Kandidaten vertreten. Die Stuhlreihen im Multifunktionsraum im dritten Stock sind schnell besetzt, kurz nach 19 Uhr legen die Moderatoren los.
  • Die Diskussion: Zum Aufwärmen gibt‘s eine Runde „Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Bildung soll “ Das fällt allen Kandidaten leicht, Annette Grether muss ihren Satz, dass Bildung Spaß machen soll, allerdings näher erklären. Wie das denn gehen solle, fragt einer der Moderatoren und hat die Lacher auf seiner Seite. Ernst wird es beim Thema Platzmangel im Schulzentrum: Reicht die vom Gemeinderat beschlossene Aufstockung oder hätte gleich neu gebaut werden müssen? Drechsle sieht den Umbau kritisch, weil er befürchtet, dass der Platz danach immer noch nicht ausreicht, Lambelet und Levante sind froh, dass ein erster Schritt gemacht wird. Schulleiterbudget oder die Herausforderung als Zuzugsgemeinde sind weitere Themen, die diskutiert werden. Dann dürfen die Kandidaten mit grünen, gelben und roten Daumen ihre Meinung zu Fragen abgeben. Etwa, ob Gewerbetreibende weniger Steuern zahlen sollen.

Mit dieser Form tun sich einige der Kandidaten sichtlich schwer – schließlich sei Kommunalpolitik komplexer als rot, gelb und grün, ist zu hören. Nach einem Abschlussstatement aller Kandidaten, gibt‘s Fragen aus dem Publikum, diskutiert wird über Chancengleichheit und Lehrmittelfreiheit.

  • Die Gruppen: Der zweite Teil findet in getrennten Räumen statt, in denen je zwei Moderatoren aus Schülerkreisen das Gespräch leiten und Kandidaten Rede und Antwort zu verschiedenen Themen stehen. Lebhaft geht‘s beim Thema Jugendzentrum zu, eine junge Frau macht ihrem Ärger darüber Luft, dass Jugendliche in der Wahrnehmung Erwachsener als störend empfunden werden und stößt auf Verständnis. In der Gruppe Digitalisierung erzählt ein Junge, der aufs Wirtschaftsgymnasium nach Lörrach gewechselt ist, dass er dort eine viel bessere Ausstattung vorfindet – getoppt nur vom Ausland. „Ich hab‘ Freunde in Holland, da hat jeder Schüler ein eigenes Tablet.“ Ralf Blubacher (FDP) lässt aber nicht gelten, dass der Gemeinderat zu wenig Geld bewilligt hat. „Eure Schule hat ein Budget, fragt beim Schulleiter nach.“ Im Raum, wo die Neuen Mitten diskutiert werden, sieht man bei den Jugendlichen eher ratlose Gesichter, als es um historische Keller, Sozialquote beim Wohnungsbau oder die Frage geht, ob es für Wyhlen nun eine Bürgerbeteiligung gab oder nicht.
  • Fazit: Schulleiter Frank Schührer hat es zur Begrüßung gesagt: Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und viele sind politisch interessiert. Mit der aufwendigen Organisation des Abends haben die LMG-Schüler das gezeigt. Daumen hoch! Was der Abend aber auch gezeigt hat: Den Kandidaten ist es nicht immer leicht gefallen, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen, oder in verständlichen Worten zu erklären, worum es ihnen geht. Aber: Der Austausch zwischen den Generationen hat gut getan.

Auch wenn die Jugendlichen nach der Veranstaltung nicht wissen, wo sie ihr Kreuzchen machen werden. Wählen gehen wollen sie, wie viele auf Nachfrage bekundeten.