Chemie am Hochrhein heißt die Initiative, in der von Grenzach bis Rheinfelden die Firmen der chemischen und Pharmaindustrie, die Kommunen, die Gewerkschaft, die Industrie- und Handelskammer und Bürgerinitiativen zusammenarbeiten.

Zu Wochenbeginn befasste sich der Bezirksvorstand der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie mit dem bisherigen Verlauf. 2013 hatte der damalige Wirtschaftsminister Nils Schmid diesen Zusammenschluss gefördert, damit sollte das damalig zu einem Großteil fehlende Verständnis für die jeweils andere Seite gefördert werden, gleichzeitig aber auch ein zukunftsträchtiger Dialog eingeleitet werden. Genau dies ist bis jetzt gut gelungen. „Der Dialog ist auf vielen Ebenen gut vorangekommen, wir konnten seitdem deutlich engeres Zusammenwirken erreichen,“ erklärte Katharin Clay, Landesbezirksleiterin der IG.

Was 2013 begonnen wurde, werde heute von der Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut fortgeführt. Auch Klaus Kessner, Bezirksvorsitzender der IG BCE und Betriebsratsvorsitzender des DSM-Werkes Grenzach verwies auf die hohe Bereitschaft auf allen Ebenen, aufkommende Probleme im gemeinsamen Dialog zu lösen. Nachwuchsgewinnung ist ein beherrschendes Thema „Die Erkenntnis, dass die Chemieindustrie in der Region der wichtigste Faktor für die Wertschöpfung ist, hat sich durchgesetzt,“ sagte er. „Ebenso die Erkenntnis, dass dieser Industriezweig am Hochrhein stabil bleiben sollte.

“ Als Beispiele für die zahlreichen Gespräche der Partner nannte er die Beratungen über Erfordernisse aus der Störfallverordnung. Da seit wenigen Wochen für Investitionen in der chemischen Industrie öffentliche Verfahren geführt werden müssen, sind jetzt noch engere Abstimmungen mit Verbänden und Kommunen erforderlich.

Kritisch merkte Kessner an, dass zum Beispiel der Bau von Sozialwohnungen an der Güterstraße in Grenzach wegen der Störfallverordnung die Entwicklungsmöglichkeiten der DSM erheblich einschränken würde. Zwar sei der Wohnungsbau dort bisher nur angedacht und nicht beschlossen, doch dies sei eben ein Beispiel der notwendigen Abstimmungen, um den Interessen beider Seiten gerecht zu werden. Es gebe viele Gründe, die enge Partnerschaft zwischen Industrie und Kommunen weiter zu führen, bekräftigten die Gewerkschafter. Da in den kommenden Jahren zahlreiche Beschäftigte der Industrie in den Ruhestand gehen werden, ist verstärkte Nachwuchsgewinnung erforderlich. Das bedeutet auch, die Ausbildungsmöglichkeiten zu vergrößern. Da dann aber wieder mehr Lehrlinge aus anderen Regionen Deutschlands kommen müssen, sollte über die Einrichtung der früher bewährten Lehrlingswohnheime nachgedacht werden.

Auch im Grenzacher Werk der BASF seien die Auswirkungen des umfangreichen Dialogs zu spüren, bestätigte Betriebsratsvorsitzender Heiko Wodarkiewicz. So seien heute die Belegschaften stärker vernetzt als noch vor Jahren, die Interessenlagen ähneln sich, vor allem gehe es dabei um die Arbeitsplatzsicherung. Sowohl der Dialog zwischen den Firmen als auch mit der Gemeinde und den Bürgerinitiativen sei heute wesentlich anspruchsvoller als noch vor vier Jahren.

Die Gewerkschafter wiesen darauf hin, dass bei DSM die Arbeitsplatzsicherung durch die hohen Investitionen in die Produktionsanlagen gut vorankam, bei BASF dagegen hänge sie noch von weiteren Entwicklungsmöglichkeiten ab.