Der Breitbandausbau in der Siedlung läuft, allerdings arbeiten dort nicht nur ein, sondern gleich zwei Betreiber an einer schnelleren Verbindung – die Telekom für den freien Markt und Pepcom als Betreiber des Netzes des Zweckverbands Breitbandausbau. Normalerweise baut der kommunale Zweckverband nur dort, wo der Markt es eben nicht tut. Wie es zu der Situation in der Siedlung gekommen ist und was das für die Verbraucher bedeutet, erklärt Paul Kempf, Geschäftsführer des Zweckverbands.

Hintergrund

Um dem schnell wachsenden Datenbedarf zu begegnen, bauen alle 35 Städte und Gemeinden im Landkreis Lörrach im Zweckverband Breitbandversorgung ein kommunales Glasfasernetz auf. Finanziert wird dieses vom Landkreis und den Gemeinden, Fördermittel gibt es vom Land. „Grundsätzlich können die Kommunen nur in den Bereichen selbst tätig werden, in denen die Privatwirtschaft, also zum Beispiel die Telekom, versagt“, erläutert Kempf. Um herauszufinden, wo das der Fall ist, ermittelt der Zweckverband mit einer Umfrage bei den privatwirtschaftlichen Betreibern, wo diese vorhaben, aktiv zu werden und wo nicht. Dort, wo sie nicht aktiv werden wollen, springt der Zweckverband ein. So war es zunächst auch in der Siedlung. „Die Telekom hatte ursprünglich keinen eigenen Ausbau in diesem Bereich angekündigt“, erläutert Kempf. Darum nahm der Zweckverband die Planung auf.

Zweistufiger Ausbau geplant

Der Zweckverband legte fest, dass der Ausbau in der Siedlung in zwei Schritten erfolgen soll. Zunächst wurden Glasfaserkabel bis an den Kabelverzweiger geführt, von dort wird derzeit das Telefonkupferkabel für die Übertragung ins Haus ausgebaut (FTTC-Ausbau). Hiermit sind Bandbreiten bis zu 50 MBit möglich. Das ist zwar eine Verbesserung, aber nicht der Idealzustand. Der soll in einem zweiten Schritt mit Glasfaserkabeln bis an jede Tür erreicht werden. Bei einer Veranstaltung informierten Gemeinde, Zweckverband und Pepcom Anfang 2018 die Bewohner der Siedlung über die geplanten Maßnahmen. Der Zweckverband schloss mit mehr als 60 Prozent von ihnen einen Hausanschlussvertrag ab. Das war Voraussetzung dafür, dass der Zweckverband überhaupt in dem Gebiet tätig wurde. Also legten die Arbeiter in der Siedlung los.

Telekom baut plötzlich doch aus

„Dann haben wir aber festgestellt, dass die Telekom dort doch baut“, sagt Kempf und erläutert, dass die Betreiberaussagen, die der Zweckverband abfragt, leider rechtlich nicht bindend sind. Da die Kommune dort, wo der freie Markt tätig ist, eigentlich nicht selbst tätig werden darf, verwehrte die Telekom dem Zweckverband beziehungsweise seinem Netzbetreiber Pepcom den Zugriff auf den Verteilerkasten. „Daraufhin ist Pepcom vor die Bundesnetzagentur gegangen, um den Fall zu klären“, so Kempf. Diese entschied, dass Pepcom den Verteilerkasten in der Siedlung anschließen darf und der Zweckverband auch weiterhin Fördergelder dafür erhält. Bei der Telekom scheint der Ausbau bereits abgeschlossen, so die Einschätzung von Kempf, der Zweckverband sei fast fertig, so dass Pepcom noch im ersten Quartal des Jahres mit dem Vertrieb beginnen könne.

Kein Problem für Verbraucher

Dass künftig zwei Betreiber in der Siedlung den VDSL-Standard anbieten können, ist für die Verbraucher laut Kempf kein Nachteil. Bei der Telekom ist nun nämlich Schluss, sie wird in diesem Bereich nicht mehr als 50 Mbit anbieten und nicht weiter ausbauen. Zweckverband und Pepcom hingegen planen nach wie vor, nach dem ersten Schritt den zweiten zu gehen und Glasfaser bis an alle Häuser zu legen. Allen, die nun einen Vertrag mit der Telekom machen möchten, rät Kempf daher, ihren Hausanschlussvertrag mit dem Zweckverband dennoch zu behalten. „Damit bekommen sie dann ganz sicher den Glasfaseranschluss, die Kosten entstehen erst, wenn der Anschluss wirklich liegt.“ Wann es mit dem Glasfaserausbau an alle Häuser in der Siedlung tatsächlich losgeht, kann Kempf noch nicht sagen. Das werde wohl noch einige Zeit dauern, da der Zweckverband die Gebiete in Grenzach-Wyhlen vorrangig bearbeitet, in denen der Anschluss noch schlechter ist als in der Siedlung.