Während im vergangenen Jahr die Obstbäume durch den späten Frost keine Früchte trugen, wirkte sich diesmal der sonnenreiche, heiße Sommer bei den Rührberger Obstbauern positiv aus.

„Überbehang ist da gewesen. Den ganzen Sommer haben wir bei Äpfeln und Zwetschgen weg gemacht, was zu viel ist, um die Fruchtgröße zu erhalten und damit die Bäume auch nächstes Jahr Kraft haben, Blüten zu bilden“, berichtet Alexander Drechsle. Die Bäume hatten dies Jahr sehr viel Kraft, da sie letztes Jahr keine Früchte trugen, daher ist die Fruchtqualität hervorragend. Auch Birnen, Quitten, Mirabellen und Himbeeren haben sich prächtig entwickelt, obwohl die Trockenheit schon ein Problem war. Etwa sechs Wochen lang hat Drechsle die Bäume wässern müssen.

Mit dem Obstanbau ist auch Wilhelm Deschler zufrieden, lediglich bei den Zwetschgen hat er an ein paar Bäumen Trockenschäden an den Früchten festgestellt, viele sind auch frühzeitig abgefallen. Der Standort der Bäume ist flachgründiger und speichert weniger Wasser, hat er das Problem ausgemacht. Die anderen Zwetschgen sind dafür sonnenverwöhnt und geschmacklich ausgezeichnet. Bei den Aprikosen, Pfirsichen und Nektarinen musste er vier Wochen lang wässern. „Das war umständlich, aber wir konnten die Fruchtgröße erhalten und das Aroma ist spitzenmäßig. Uns ist die Hitze entgegen gekommen. Wir hatten nur mit dem Wasser Mehraufwand. Für das Aroma der Früchte war der Sommer gut“, erklärt Deschler.

„Wir sind auch beim Selberpflücken drei Wochen früher dran als normal“, erzählt Drechsle, für den das Angebot das Haupterwerbsstandbein darstellt. „Das ist auch für die Kunden sehr ungewöhnlich.“ Er geht davon aus, dass die Saison zum Selberpflücken bis Mitte Oktober anhalten wird. An den Blättern der letzten Bäume in den Reihen, die nicht mehr durch Hagelnetze beschattet werden, konnte Drechsle Sonnenbrandschäden durch die extreme Hitze feststellen. Die Netze erfüllten im Frühjahr aber auch ihren eigentlichen Zweck, da es Hagelschlag gab. Bei Wilhelm Deschler verlief besonders die Kirschernte sensationell. „Wir haben 52 Tage lang Kirschen geerntet. Das gab es noch nie“, erzählt Deschler. Ende Juli war Schluss mit der Ernte und es konnte auch schon alles verkauft werden.

Im vergangenen Jahr, als der Frost den Obstbauern so schwer zusetzte, machte Joseph Deschler mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb nur mit Kürbissen Einnahmen, daher erweiterte er auch den Kürbisanbau um weitere Sorten. „Die stehen sehr gut da. Ich hatte mich gar nicht getraut, zu schauen, aber ich war positiv überrascht. Es hat immer noch rechtzeitig Niederschlag gegeben“, erklärt Deschler, der ab 1. September wieder täglich von 9 bis 20 Uhr die Kürbis-Scheune öffnen wird.

Drechsle Betrieb ist permanent in der Umstrukturierung. Sorten, die geschmacklich nicht so sehr begeistern, kommen wieder weg und neue Sorten dazu. Die Anbaufläche wächst jedes Jahr ein kleines Stückchen. Immerhin 35 verschiedene Apfelsorten baut Drechsle schon an. Die Pfirsich- und Nektarinenbäume tragen dies Jahr zum ersten Mal und stehen sehr schön da, berichtet Drechsle.

Sonnenverwöhnt sind die Pfirsiche von Alexander Drechsle.
Sonnenverwöhnt sind die Pfirsiche von Alexander Drechsle. | Bild: Horatio Gollin

Eigentlich hätten sie schon letztes Jahr erstmals Früchte tragen sollen, was aber aufgrund des Frostes schief ging. Von staatlicher Seite hat Drechsle letztes Jahr Hilfe aufgrund des Einkommensausfalls bekommen. Es war zwar nicht viel, dankbar ist er trotzdem. Auch Deschler hat letztes Jahr einen Teil des finanziellen Ausfalls ersetzt bekommen, der in etwa die laufenden Kosten deckte. Den Kürbisanbau hat er dies Jahr schon erweitert und auch die Aprikosen stehen sehr gut da, so dass er eventuell hier auch erweitern möchte. Der Versuch mit Kiwis war durch den Frost gescheitert, da alle Pflanzen kaputt gegangen waren, aber sein 25-jähriger Sohn Julian, der am Bodensee Obstbauer gelernt hat, hat im Winter schon eine neue Idee realisiert und junge Indianerbananen gesetzt. Die Pflanzen sind in Nordamerika beheimatet und tragen eine Frucht, die auch als Pawpaw bekannt ist und geschmacklich an Bananen und Maracuja erinnert. Mit dem ersten Ertrag ist in fünf Jahren zu rechnen.

Infos zu den Öffnungszeiten, dem Angebot und der Anfahrt zu beiden Hofläden gibt es auf den Webseiten www.frischvombaum.de und www.fruechteshop-deschler.de