Grenzach-Wyhlen – Moskitoschwärme beim Baden, lästige Wespen, die um das Essen schwirren. Gerade im Sommer werden Insekten schon einmal als Störfaktor angesehen. So kommt es vielen vielleicht entgegen zu hören, dass die Anzahl der Insekten in der Umgebung drastisch abgenommen hat. Doch Boris Krause, Mitglied beim Nabu und zweiter Vorsitzender beim BUND, ist besorgt und weist auf die Konsequenzen hin, die dies mit sich bringt.

Das Bundesamt für Naturschutz organisierte eine Studie zum Zählen der Insektenarten. Dafür wurden sogenannte Malaisefallen aufgestellt, die drei Jahre lang wöchentlich geleert, eingesammelt und weggeschickt wurden. Die Auswerter sind bis heute noch beschäftigt. Was laut Krause sicher ist, ist dass es einen großen Reichtum an Arten gibt in der Gemeinde und Umgebung. Darüber ist er auf jeden Fall sehr erfreut. Allerdings macht sich auch bemerkbar, dass die Anzahl der Insekten gesunken ist und offenbar weiter sinkt. Krause merke das schon daran, dass man nach einer Autofahrt nach Freiburg seine Scheiben nicht mehr putzen müsse, so wie früher.

„Insekten sind viel wichtiger als man denkt,“ erklärt er. Neben der Tatsache, dass sie durch die Bestäubung für die Pflanzenwelt eine Notwendigkeit darstellen, dienen sie auch als Nahrung für Vögel oder andere Tierarten. So bringt die Abnahme von Insekten auch eine Abnahme der gesamten Biodiversität.

Schuld daran sei zu einem guten Teil die Intensivierung der Landwirtschaft. Felder werden gespritzt, es werden nur spezielle Arten gezüchtet, andere vernachlässigt. Das sei gefährlich, da gerade die Diversität der Arten die Kapazität und Leistungen der Ökosysteme sicherstelle.

Mehr Arten bedeuteten höhere Chancen der Anpassung an etwa den Klimawandel. Statt einer ländlichen werde eine industrielle Agrarwirtschaft geführt. Laut Krause spiele der deutsche Bauernverband hierbei eine große Rolle. Er fordert das Landeswirtschaftsministerium auf, dagegen vorzugehen.

„Wenn das so weitergeht, wird es bei uns bald so aussehen wie in China“, warnt Krause. Dort würden in Teilen des Landes die Bäume von Menschen mit Hand bestäubt, da es keine Bienen oder andere Insekten mehr in den Gegenden gibt. „Wir müssen Flächen so nutzen, dass möglichst viele etwas davon haben. Und das fängt nunmal mit Pflanzen und Insekten an“, so Krause. Wichtig sei auch der Mut zum Chaos und zur Wildnis, gerade auch im eigenen Garten. Die Natur möge eben Unordnung. „Eine unaufgeräumte Landschaft bedeutet eine hohe Biodiversität.“

Hier lobt Krause die Gemeinde. Die Gemeindegärtnerei zum Beispiel achte etwa auf naturnah angelegte Bepflanzungen. Innerhalb der Gemeinde wird auch versucht, Kinder und Jugendliche an das Thema und dessen Relevanz heranzuführen. Unter anderem funktioniert das mit der „Insektenwelt“-App des Nabu, die per Kamerafunktion Insektenarten erkennen und Informationen dazu geben kann. Um dies zu demonstrieren geht Krause mit dem Handy in seinen Garten und hält die Kamera auf einen Libellenkokon an seinem Teich. Auf der Website nabu.de kann man beobachtete Insekten melden. Monitoring von Insekten sei sehr wichtig, um Observationen über die Jahre vergleichen zu können und wenn nötig Alarm schlagen und gegensteuern zu können.

Auf der Seite erfährt man außerdem wie man seinen eigenen Garten bienenfreundlich machen kann. „Es muss mehr unternommen werden, um unser Ökosystem zu schützen“, fordert Krause. Denn Naturschutz diene den Menschen. „Viele unterscheiden zwischen Mensch und Natur, aber wir sind ein Teil der Natur.“

Die kostenlose App „Insektenwelt“ beinhaltet 122 Artenportraits. Sie wird vom Nabu für iOS- und Android-Systemer angeboten.