Grenzach-Wyhlen – Das Schatzkästlein in Rheinfelden hat’s vorgemacht, der Ableger in Wyhlen zieht nach: Seit wenigen Tagen können Besucher des Quellenstüble im Emilienpark bei Kaffee und Kuchen in einer kleinen Vitrine hübsch verpackte Raritäten aus dem Fundus des AWO-Sozialkaufhauses Schatzinsel begutachten und auch kaufen. Die kleine Auswahl ist nur der Beginn einer großen Idee.

In Großstädten sind sie längst zu finden, die Cafés, in denen ein gewisser Flohmarkt-Charme Wärme und Behaglichkeit versprüht. Wo kein Stuhl zum anderen passt und jeder Gast von unterschiedlichen Tellern isst.

In Rheinfelden gibt’s dieses spezielle Flair im Café Metamorphose mit der Besonderheit, dass die Gäste eben auch jenen Stuhl oder Teller kaufen können. Das Mobiliar bekommt das Café vom AWO-Schatzkästlein, die Erlöse kommen dem Wohlfahrtsverband zugute. „Das läuft gut, erst neulich war die Betreiberin wieder dort, um Nachschub zu holen“, sagt Stefanie Gimbel, Leiterin der Schatzinsel im Fallberg.

Im Quellenstüble steht dieser Austausch noch am Anfang, und dient in erster Linie dazu, die Schatzinsel bekannter zu machen. „Das Kaufhaus liegt im Fallberg eben schon ein bisschen abseits“, sagt Christel Campagna, Vorsitzende des AWO-Ortsvereins. Deshalb habe man sich überlegt, im Café Quellenstüble einen kleinen Ausschnitt des großen Angebots zu präsentieren. In einer hübschen, alten Vitrine stehen bereits als Geschenk verpackte Teekannen und Sammeltässchen, Glückwunschkarten und ein Set handbemalter Vodka-Gläser. Daneben auf einem Beistelltischchen ein Arrangement aus Kupferkannen. Verantwortlich dafür zeichnet Bettina Heitz, die in der Schatzinsel aushilft, und auch das Quellenstüble bestückt hat. „Wir wollen auch saisonal dekorieren und immer wieder Neues präsentieren.“ All’ diese Gegenstände können Besucher direkt kaufen, im Café verteilt sind auch handbemalte Bilder.

Die Zahlen stimmen
vorsichtig optimistisch

„Wir wollen die Verbindung zwischen den AWO-Angeboten fördern, und das auch im Haus besser kommunizieren“, sagt Campagna. Denn obwohl das Café vom Ortsverein und die Schatzinsel vom Kreisverband betrieben wird: „Wir kennen uns auf persönlicher Ebene schon lange und unterstützen uns gegenseitig“, bekräftigen Campagna und Gimbel. Ein bisschen mehr Zulauf könnte die Schatzinsel nämlich schon vertragen. Stimmen die Zahlen im Fallberg nicht, wird das Sozialkaufhaus wieder geschlossen. Die Entscheidung darüber wird schon im Herbst fallen. „Es sieht nicht schlecht aus, so viel kann ich sagen“, äußert sich Gimbel vorsichtig optimistisch. Sie freut sich über treue Stammkunden, darunter Menschen, die aufs Geld schauen müssen, und deshalb kommen. Aber auch Kunden, die auf der Suche nach Liebhaberstücken sind.

Apropos – ganz frisch reingekommen sind edle Sessel und ein Sofa im Biedermeier-Stil. Gimbel zeigt die Bilder auf ihrem Smartphone in die Runde, und gleich sind alle Feuer und Flamme. Besonders Rosemarie Herbertz, Vize-Vorsitzende des AWO-Ortsvereins, kann sich vorstellen, im Quellenstüble eine ganze Ecke mit Schatzinsel-Produkten zu bestücken. „Ich finde diese Cafés mit unterschiedlichem Mobiliar einfach toll“, so Herbertz. Das gesamte Quellenstüble in diesem Stil einzurichten, sei wegen der betagten Bewohner nicht möglich – sie sind schließlich auf bequeme und altersgerechte Sitzgelegenheiten angewiesen. Aber einen Platz mit wechselnden Hinguckern können sich alle gut vorstellen.

Vielleicht, so Campagnas Hoffnung, locke das auch jüngere Menschen ins Café und in die AWO. „ Wir haben schon ein Identifikations- oder Imageproblem.“ Mit der Arbeiterwohlfahrt könnten gerade jüngere Menschen nicht viel anfangen. Ein Grund sieht Gimbel auch darin, dass die AWO keine Angebote für Jugendliche im Repertoire habe. Doch dazu reiche die Man-Power nicht aus. „Jeder, der Ideen hat, soll kommen“, sagt Campagna. Gerne würde der Vorstand einen Teil der Arbeit in jüngere Hände geben. „Wir machen das ja nicht, weil wir glauben, dass nur unser Weg der richtige ist.“

Neugierig macht die kleine Vitrine auf jeden Fall. Während des Pressegesprächs kommt eine Bewohnerin und schaut sich die Sachen an. Kaufen möchte sie aber nichts. „Ich habe selbst noch genug Sachen in Kartons im Keller stehen.“ Vielleicht findet sich das eine oder andere Stück bald im Schatzkästlein.