Grenzach-Wyhlen „Die Gemeinde hat eine unglaubliche Kultur“

Kurt Paulus kommt zwar aus dem Saarland, hat Grenzach-Wyhlen aber längst in sein Herz geschlossen. Alte Fotos und Erinnerungen sammelt er in seinem Internet-Projekt „Zeitzeugen Grenzach-Wyhlen“. Wir sprachen mit ihm.

Sie haben das Projekt „Zeitzeugen Grenzach-Wyhlen“ ins Leben gerufen. Was bezeugen denn Ihre Zeitzeugen?

Manche reden über ihre Familie oder Herkunft, andere über den Ort, Nachbarn oder die Lebensumstände in Grenzach oder Wyhlen. Früher waren das ja noch zwei getrennte Orte.

Also sammeln Sie alles, was mit dem Leben in den beiden Orten zu tun hat?

Es gibt ja Zeitzeugen, die etwas über die deutsche Geschichte erzählen. Zum Beispiel übers Dritte Reich. Mein Anliegen ist aber, dass die Leute aus ihrem Leben erzählen. In unserer schnelllebigen Zeit geht doch immer mehr verloren. Wir haben kaum Zeit, uns zurückzubesinnen.

Haben Sie das Projekt deshalb gestartet?

Ich wurde vor zwei Jahren darum gebeten, in Grenzach-Wyhlen zusammen mit Birsfelden das Musée sentimental aufzubauen. Es war so erfrischend, den Alten zuzuhören, wie sie den Jungen von früher erzählt haben. Oder wie sie sich gegenseitig so sehr ereifert haben, dass man seine eigenen Worte nicht mehr verstanden hat. Es wurde gelacht und geschimpft. Das war unglaublich. Ich will nicht, dass die Geschichten verloren gehen. Die Älteren sind meine Zielgruppe, indem sie als Zeugen auftreten. Die Jüngeren sind hingegen die Zielgruppe, weil sie in die Vergangenheit schauen können. Aber ich mache gern auch Interviews mit jüngeren Leuten.

Das Projekt läuft nur übers Internet. Wer besucht die Seite?

Einige kenne ich persönlich, zum Beispiel vom Verein für Heimatgeschichte oder andere Bürger aus Grenzach-Wyhlen. Und ich kenne eine Person aus England, die mit mir Kontakt aufgenommen hat. Inzwischen greifen weltweit Menschen auf die Seite zu. Laut Google Analytics kommen auf meine Seite Besucher aus Deutschland, England, Schottland, Schweiz, Frankreich, USA, Kanada, Südafrika, Peru und Japan. Aus Japan hatte ich beispielsweise im März 32 Besuche von sechs verschiedenen Personen. Keine Ahnung, wer sie waren. Das Problem ist aber, dass viele alte Leute kein Internet haben oder nicht viel davon verstehen – Ausnahmen bestätigen die Regel. Mein Wunsch ist, dass die jungen Grenzach-Wyhlener ihren Großeltern dabei helfen, die Seite anzuschauen und mit mir Kontakt aufzunehmen.

Sie stellen Fotos mit unbekannten Personen auf die Internetseite und fragen, ob jemand die Personen kennt.

Ja. Das ist diese Wer-kennt-wen-Geschichte. Jeden Monat wähle ich dafür ein neues Bild aus. Die Namen sind mir gar nicht so wichtig. Aber wenn die Leute die Bilder sehen, dann erkennen sie Personen und dann gibt es auch gleich Geschichten dazu. Diese Geschichten interessieren mich.

Nehmen Sie neue Bilder an?

Wer Bilder hat, kann sich gern bei mir melden. Dann digitalisiere ich sie und gebe sie wieder zurück. Im Zentrum stehen für mich die Interviews, die ich führe, auf Video aufnehme und auf die Seite stelle. Ich bekomme viele Vorschläge. Leute sagen: Geh doch mal zu dem, der hat was zu erzählen. Ich mache dann ein Vorgespräch und dann gebe ich nur Stichworte und lasse die Leute erzählen.

Wie viel Zeit investieren Sie für das Projekt?

Jeden Tag etwa sechs Stunden. Ich werde zum Beispiel angerufen und bekomme einen Tipp, dass jemand Fotos für mich haben könnte. Dann wird ein Termin vereinbart, und ich lasse mir erklären wer auf dem Foto ist. Daraus entwickeln sich die ersten interessanten Fakten. Ich sortiere die Fotos danach zu Hause und digitalisiere sie, lade sie hoch und beschrifte sie. Das dauert alles seine Zeit.

Was fasziniert Sie so an Grenzach-Wyhlen?

Die Gemeinde hat eine unglaubliche Kultur. Überall findet man Spuren, zum Beispiel von Kelten und Römern und dem Geschlecht der Bärenfelser. Spannende Geschichten ergaben sich auch aus der scharfen Grenze zwischen der Markgrafschaft und Vorderösterreich, die zwischen den beiden Ortsteilen verlaufen ist. Ich hab diesen Ort inzwischen ins Herz geschlossen.

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