Grenzach-Wyhlen – Rund 200 000 Euro nimmt die Gemeinde in die Hand, um den Bahnhof in Wyhlen zu sanieren. Das Gebäude aus den 70er Jahren fällt seit der Umgestaltung des Areals optisch aus dem Rahmen, außerdem hat es diverse Mängel.

Mit der angepeilten Summe – hinzu kommen 100 000 Euro Fördermittel – sind ganz große Sprünge nicht drin. Das hat im Technischen Ausschuss für durchaus enttäuschte Reaktionen gesorgt. Dennoch tragen die Mitglieder den Vorentwurf mit.

  • Der Ist-Zustand: „Von der Optik schweigen wir, aber auch die Bausubstanz ist schlecht“, eröffnete Bürgermeister Tobias Benz die Diskussion. Das Flachdach des in den 70er Jahren erbauten Gebäudekomplexes ist laut Architektin Beate Kromer-Piek an mehreren Stellen undicht, auch in den Kiosk regnet es rein. Es gibt keine barrierefreie Toilette, die vorhandenen WCs sind alt und in desolatem Zustand. Seit der Verlegung der Bushaltestelle „schaut man beim Aussteigen direkt aufs Klo, das ist nicht schön“, so Kromer-Piek. Der Bahnhof sei leider ein „kleiner Schandfleck“.
  • Der Plan: Daraus soll nach den Vorstellungen der Verwaltung aber eine attraktive Mobilitätszentrale werden. Knapp 300 000 Euro sind dafür eingeplant, wobei mehr als 100 000 Euro aus dem städtebaulichen Erneuerungsprogramm fließen können. „Die Förderperiode läuft noch bis 2023, wir wollten fürs kommende Jahr für ein sinnvolles Projekt Geld abrufen.“ Der erste Entwurf der Architekten sieht nun folgende Veränderungen vor: An die Westseite des Toilettengebäudes kommt ein barrierefreies WC, die Eingangstüren zu den Damen-und Herrentoiletten werden in den Durchgangsbereich der beiden Gebäude verlegt, so dass in Sicht der Bushaltestelle nur noch eine Tür zu einem Putzraum sein wird. „Die wird aber so gut wie immer geschlossen sein“, so Kromer-Piek. Das ausladende Dach wird zurückgeschnitten, neu gedämmt und mit einem schmalen, leicht schrägen Satteldach ergänzt.

Der Durchgang, der aktuell keinen schönen Anblick bietet und ein „dunkles Schmuddeleck“ ist (Katja Schäfer, SPD) soll mit neuer Beleuchtung und einem großen Plan der Gemeinde ansprechend gestaltet werden. „So können sich die Reisenden orientieren und wissen, in welchem Ortsteil sie sind“, erläutert Kromer-Piek. Bei der Fassade haben die Planer nicht viele Möglichkeiten, da die Klinkersteine drauf bleiben sollen. „Wir können Kunststoffplatten davorsetzen oder Eternit“, so Kromer-Piek. Letztere sind vorgesehen. Neue Fenster und Türen in beiden Gebäudeteilen runden die Sanierung ab.

  • Die Reaktionen: Echte Begeisterungsstürme weckte dieser Entwurf am Dienstag nicht. „Ich erkenne irgendwie keinen richtigen Unterschied“, so Gemeinderätin Schäfer. Peter Weber (Freie Wähler) bedauerte, dass man viel Geld in die Hand nehme, ohne einen Quadratmeter mehr zu erhalten. Der Wartebereich sei unbefriedigend, bei Regen und Schnee stünden viele Pendler ungeschützt, da unter dem Dachvorsprung und im Durchgang nicht viele Menschen Platz hätten, so Fraktionskollegin Carola Lambelet. Kromer-Piek machte ihre Position und ihren Auftrag sehr deutlich: „Das ist kein Neubau, sondern eine Verbesserung. Ich reiß Ihnen das gerne ab und stelle was Neues hin, aber dann reden wir hier über ganz andere Summen.“ Platz zum Erweitern gebe es überdies nur an der Westseite, wo erst frisch neue Sitzbänke und Fahrradabstellplätze geschaffen wurden.

Einige Vorschläge wird sie zur Prüfung mitnehmen. Schäfer regte an, das Dach zu begrünen. „Das ist nur ein Kostentreiber und Quatsch“, befand Peter Endruhn-Kehr (FDP). Alexander Drechsle (CDU) schlug vor, den Dachvorsprung, der im Entwurf über der barrierefreien Toilette endet, noch ums Eck Richtung Gleise zu ziehen, damit Wartende dort etwas wettergeschützt stehen können. Bürgermeister Benz versprach außerdem, Kontakt mit der Bahn aufzunehmen, um nach möglichen Verbesserungen an den Wartehäuschen zu fragen – auch am gegenüberliegenden Gleis. „Da ist wirklich viel los, und dort gibt es außer dieses Hüttchens nichts“, so Heinz Intveen (SPD).

Die Farbgestaltung des Bahnhofs ist übrigens noch nicht entschieden. „Es gibt hoffentlich noch etwas Netteres als dieses Nato-Grün“, so Ralf Blubacher (FDP), was für Lacher sorgte. Kromer-Piek hatte die Farbe eingangs zwar als „pfiffig“ bezeichnet. Aber: „Die Bemusterung wird noch folgen“, beruhigte sie Blubacher.