Zwei Kirchenmaler sind derzeit in der kleinen Kapelle auf dem Friedhof Grafenhausen tätig und konzipieren in der sogenannten „Grotte“ Wände und Decke neu. Kurzum: eine Neugestaltung nach historischem Vorbild. Dank einer großzügigen Spende wurde die kleine Kapelle auf dem Friedhof in Grafenhausen in den vergangenen Monaten sowohl im Außen- als auch im Innenbereich komplett restauriert.

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Die unter Denkmalschutz stehende neugotische Friedhofskapelle aus dem Jahr 1905, die im Volksmund schlicht und einfach als „Grotte“ bezeichnet wird, wies nach Angaben von Architekt Ralf Kaiser mehr als einige Schönheitsfehler auf. Nicht nur Putzarbeiten, Austausch von Firstziegeln, insbesondere der eindringenden Feuchtigkeit aus dem Fundament, die ins Mauerwerk zog und Schäden verursachte, sollte es an den Kragen gehen.

Eine Himmlische Blumenwiese ist an der Kapellendecke zu finden.
Eine Himmlische Blumenwiese ist an der Kapellendecke zu finden. | Bild: Wilfried Dieckmann

Rund um die Kapelle musste bis in den Fundamentbereich aufgegraben, abgedichtet und Regen- oder Oberflächenwasser mittels Drainagen abgeleitet werden. Alle Maßnahmen mussten vom Denkmalamt abgesegnet werden, inklusive des zusätzlichen Reliefs von einem Steinmetzmeister aus Stegen, das im Außenbereich an der Fassade angebracht wurde. Alles Sanierungsmaßnahmen, die von der Unternehmerin Marlene Rühle finanziert werden.

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Ursprünglich wollte sie eine neue Kapelle in der Nähe des Betriebsgeländes der Firma Rühle im Gewerbegebiet zwischen Grafenhausen und Rothaus bauen lassen. Da aber der bevorzugte Standort am Waldrand nicht mehr zum Betriebsgelände gehört, wurde der Plan zu den Akten gelegt. Wie Marlene Rühle berichtete, brachte ihr Sohn Claus die Sanierung der Friedhofskapelle ins Spiel. „Eine Idee, die ich sofort aufgegriffen habe“, so die Seniorchefin des Betriebes.

Im Ergebnis entstanden in der Grotte viele florale Elemente, die den Zugang zum Paradies und auch einen Bezug zur Erde darstellen sollen.
Im Ergebnis entstanden in der Grotte viele florale Elemente, die den Zugang zum Paradies und auch einen Bezug zur Erde darstellen sollen. | Bild: Wilfried Dieckmann

In der Stilart der Neugestaltung von Wänden und Decke haben sich die beauftragten Kirchenmaler Kai Berger und Martin Albietz an der Gotik orientiert und die Bemalung im neugotischen Stil entworfen. „Da es sich um eine Marienkapelle handelt, die im historischen Bezug zur Madonna aus Lourdes steht, haben wir das Bildthema ‚Maria im Rosenhag‘ aufgegriffen“, sagte Kai Berger im Gespräch. In dem Bild von Stefan Lochner (um 1450, Mischtechnik auf Holz, 51 mal 40 Zentimeter) ist Maria die zentrale Figur, die in einem leuchtend blauen Mantel vor einer Rosenbank sitzt. Die „Madonna im Rosenhag“ entspricht auch dem Typus der „Madonna im Paradiesgarten“.

Zugang zum Paradies

Deutlich wurde in dem Gespräch, dass sich die beiden Künstler, die sich selbst als Kunsthandwerker bezeichnen, an diesen beiden Themen bei der Neugestaltung quasi „entlang hangelten“. Im Ergebnis sind in der Grotte viele florale Elemente entstanden, die den Zugang zum Paradies – also dem Himmelsgarten – und auch einen Bezug zur Erde darstellen sollen. „Maria hat viel mit dem Paradies zu tun“, hob Kirchenmalermeister und Restaurator Kai Berger aus Freiburg, der übrigens im Jahr 2016 in München den Meistertitel mit der Auszeichnung „Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung“ abschließen konnte, hervor.

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Im Zuge der Neugestaltung der Grotte ist ein Gesamtkunstwerk entstanden: „Der Altar, die Grotte selbst, der Schrein mit der Heiligenfigur sowie die Farbgestaltung gehen schlussendlich als eine Arbeit zusammen“, so Kai Berger. Dank der besonderen Arbeit von Steinbildhauer Daniel Rösch aus Stegen konnte nach seinen Worten in der Kapelle erst ein Gesamtkunstwerk entstehen. Der Kirchenmaler verwies auch auf die Deckengestaltung, die gemäß den gotischen Vorbildern in kräftigen Farben gehalten wurde.

Risse bringen Charme

Die Risse im Holz wurden belassen: „Diese bringen den besonderen Charme“, hob Kai Berger hervor. Bei der farblichen Gestaltung sollte dabei nichts „totgestrichen“ werden, eine gewisse Luftigkeit erhalten bleiben. An den Wänden wurden übrigens die Motive direkt in den frischen Putz gemalt. Hierbei wurde der Grundputz von Seiten der Mitarbeiter des Betriebes Amann gefertigt, die endgültige Oberfläche kam dann von den Kirchenmalern. „Da wir nicht alles an einem Tag malen konnten, sind an den Wänden für ein geschultes Auge sogenannte Tagwerke entstanden. Die Tagwerksgrenzen sollten aber nicht wirklich sichtbar sein“, erläuterte Kai Berger.