Hohe Temperaturen, wenig Niederschlag – das Wetter setzt auch den Gewässern und den darin lebenden Arten zu. Wie berichtet, hat das Landratsamt bereits vergangenen Woche eine entsprechende Warnung ausgegeben und darauf aufmerksam gemacht, dass die Wasserentnahme aus Bächen und Flüssen nur mit gesonderter Erlaubnis gestattet ist. Nun legt die Gemeinde nach. Und auch die Industrie betrachtet die Lage mittlerweile äußerst kritisch.

  • DSM: Tausende Kubikmeter Rheinwasser brauchen Industriebetriebe wie die DSM, um ihre Anlagen zu kühlen. Je nach Produktion sind das zwischen 3500 und 4500 Kubikmeter pro Stunde. „Langsam kommen wir an unsere Grenzen“, sagt Helmut Bär am Donnerstag auf Nachfrage. Denn aufgrund der seit Frühjahr anhaltenden Trockenheit hat der Rhein einen extrem niedrigen Pegel. Hinzu kommt, dass das Wasser wegen der Hitze mittlerweile Temperaturen erreicht hat, die fürs Kühlen der Anlagen nur noch bedingt brauchbar sind. „Es ist die Kombination aus wenig und zu warmem Wasser, die uns fordert“, so Bär. Im Vergleich zum Jahrhundertsommer 2003 sei es heuer schlimmer, weil es vor 15 Jahren zwar auch eine langanhaltende Hitzeperiode gegeben habe, aber keine so extreme Trockenheit.

Das entnommene Wasser gibt DSM nach Gebrauch wieder in den Rhein zurück. „Wir müssen uns an Vorgaben halten, welche Temperatur dieses Wasser haben darf“, so Bär. Um diese Grenzwerte einzuhalten, durchläuft das Wasser eine Durchflusskühlung. „Bei solch’ anhaltenden Hitzewellen drosseln wir die Produktion, um die Vorgaben zu erfüllen“, so Bär. Damit die Mitarbeiter im Werk mit der Hitze klarkommen, stellt DSM kostenlos Wasser zur Verfügung.„Der von uns beauftragte Dienstleister hat mit der Lieferung zurzeit auf jeden Fall jede Menge zu tun“, sagt Bär.

  • Bauamt: Auch im Rathaus beschäftigt der akute Wassermangel. Die Bäche im Gemeindegebiet führen derzeit so wenig Wasser, dass eine Entnahme über Pumpen oder Schläuche nur mit einer wasserrechtlichen Genehmigung durch das Landratsamt erlaubt sind. Ob diese auch vorliegt, wird streng kontrolliert, wie Markus Ludwig vom Bauamt erklärt. Er ist in der Verwaltung der Herr übers Wasser – und zwar in allen Situationen, sei es bei Hochwasser oder eben Niedrigwasser. „Viel tun können wir in dieser Lage nicht“, sagt Ludwig. Eben nur darauf achten, dass aus den ohnehin schon wenig Wasser führenden Bächen noch mehr entnommen wird. Mittlerweile ist die Situation so angespannt, dass die Gemeinde die Bürger bittet, auch nicht mit Gießkannen das Wasser zu holen, um den heimischen Garten zu wässern. Wer sich über das Verbot hinwegsetzt, und Pumpen und Schläuche nach Aufforderung nicht entfernt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss ein Bußgeld zahlen.

Brunnen abstellen, wie andernorts üblich, muss die Gemeinde hingegen nicht. „Die meisten Brunnen werden durch Quellen gespeist“, erklärt Ludwig. Diese schütten länger Wasser aus, auch bei hoher Trockenheit. „Wenn sie dann doch versiegen, kommt in den Brunnen eben auch kein Wasser mehr an.“

  • Werkhof: Ohne Wasser können auch die Mitarbeiter des Werkhofs wenig ausrichten, extra rationiert wird es dieser Tage aber nicht. „Wir schauen das ganze Jahr über, dass wir unseren Wasserverbrauch im Griff haben“, sagt Leiter Raimar Weisheit. Allerdings achten die Mitarbeiter darauf, zuerst dort zu gießen, wo es am meisten Sinn macht. „Beete in exponierter Lage, die wir nicht aufgeben wollen und Neuanpflanzungen“, zählt Weisheit dazu.

Bei den Fahrten durchs Gemeindegebiet haben er und sein Team noch keine hitzebedingten Totalausfälle festgestellt. Aber: Bei jeder Neuanpflanzung werde darauf geachtet, ob robuste Arten in Frage kommen, die wenig Pflege und auch Wasser brauchen. „An manchen Stellen wären Kakteenbeete wahrscheinlich gar nicht schlecht“, sagt Weisheit und lacht.

Die Hitze setzt nicht nur den Pflanzen zu – auch die Menschen, die draußen arbeiten, haben es schwer. „Wir fangen im Sommer schon um 6 Uhr an, so dass um 15 Uhr Feierabend ist“, erklärt Weisheit. Seinen Mitarbeitern stellt er genug Wasser zur Verfügung, außerdem gab es atmungsaktive T-Shirts und Kappen gegen die Sonne. „So kann man es dann schon aushalten.“