Grafenhausen (gud) "Das ist ja entzückend, hier gibt es Mutti-Kuhhaltung", sagte Friedlinde Gurr-Hirsch, die Staatssekretärin im Stuttgarter Ministerium für den ländlichen Raum. Was sie bei dem Besuch des Landwirts Michael Maier in Grafenhausen so erfreute, waren am neuen luftigen Kuhstall aufgestellte Wahlplakate des CDU-Bundestagskandidaten Felix Schreiner und eben von "Mutti", alias Kanzlerin Angela Merkel. Gurr-Hirsch gönnte sich einen Schnappschuss per Mobiltelefon, den sie sicher bereits an Merkel weitergeleitet hat. Somit ist der Hof des Landwirts jetzt bundesweit bekannt.

Tatsächlich unterstütze die Staatssekretärin Schreiner in seinem Bundestagswahlkampf. "Mein Ziel war es schon, der Politik klar zu machen, welch besonderen Herausforderungen Landwirte in den Höhenlagen gewachsen sein müssen", sagte Schreiner gegenüber dieser Zeitung. Er möchte einen Schwerpunkt seiner Arbeit darein setzten, den Verdienst der Landwirte hier, nämlich unter anderem für die Offenhaltung der Landschaft zu sorgen, mehr in den Fokus zu rücken. "Es kann nicht sein, dass jemand der ein Windrad auf ein Stück Land setzt, mehr Geld bekommt, als andere übers ganze Jahr nicht mit ihrer Hände Arbeit verdienen können." Auch Bürgermeister Christian Behringer, der den Termin begleitete, argumentierte in diese Richtung: "Von unseren 42 Betrieben in Grafenhausen sind zwölf bis 13 im Haupterwerb. Und wenn wir die nicht hätten, könnten wir hier im Tourismus einpacken."

In Friedlinde Gurr-Hirsch hatte Felix Schreiner freilich eine profunde Kennerin der Probleme in der Landwirtschaft eingeladen. Selbst auf einem Bauernhof in der Nähe von Heilbronn aufgewachsen, waren ihr landwirtschaftliche Themen nicht nur vom Schreibtisch, sondern von frühester Jugend an, im praktischen Miterleben bekannt. Heute würde leider viel Unverstand daher rühren, dass nur ein Prozent der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft daheim wäre. "Früher hatte doch praktisch jeder einen Bezug, wenn nicht die Eltern oder Großeltern, war es sicher irgendein Onkel, Nachbar, Bekannter, der Landwirtschaft hatte oder kannte." So ermutigte sie bei der Gesprächsrunde auch zu mehr Selbstbewusstsein. Dazu hätten sie allen Anlass, nicht zuletzt, weil sie im Ansehen bei der Restbevölkerung neben Ärzten ganz oben angesiedelt seien.

Gastgeber Michael Maier hatte sich das wohl schon im Vorfeld vorgenommen. Gleich zur Begrüßung legte der Landwirtschaftsmeister den Finger in eine der ganz großen Wunden für Landwirte – die Bürokratie. Dafür musste er nichts anderes tun, als die Prozedur schildern, die notwendig war, um den modernen Offenstall zu bauen: Mit zwei Jahren Verzögerung und nicht auch für das Jungvieh, wie zunächst konzipiert, sondern nur für Milchkühe. Nach Zurückweisung der Genehmigungsbehörde, weil die ursprüngliche Planung für die Förderung zu teuer gewesen sei, sei das Projekt schließlich genauso teuer und weniger leistungsfähig geworden.